Bürgerrechte abgeholzt …

Fraport lässt den Kelsterbacher Wald roden
Seit dem 20. Januar lässt Fraport den Kelsterbacher Wald für den Ausbau des Frankfurter Flughafens roden. Zehn Hektar Wald fallen durchschnittlich an einem Tag. Für die Rodungsmaschinen macht es keinen Unterschied, ob sie sich durch eine Plantage oder einen „für das Gemeinwohl unersetzlichen“ – so das hessische Forstrecht –„Bannwald“ fressen. Fünf Tage zuvor hat das Verwaltungsgericht Kassel Eilanträge gegen die Rodung abgewiesen, am 18. Januar ergaben die hessischen Neuwahlen eine schwarz-gelbe Mehrheit. Der Spitzenkandidat der FDP, Jörg-Uwe Hahn, ist Mitglied im Aufsichtsrat der Fraport und hatte vor einem Jahr eine Koalition mit der SPD kategorisch ausgeschlossen. Damit fingen die „hessischen Verhältnisse“ an. Zwischen den Jahren hatte das Regierungspräsidium Darmstadt entschieden, Fraport „vordringliche Arbeiten“ auf rund 90
genau ausgewiesenen Hektar im Kelsterbacher Wald durch eine „vorzeitige Besitzeinweisung“ zu ermöglichen, obwohl dieser Wald noch der Stadt Kelsterbach gehört und diese gegen den Bau einer vierten Landebahn auf Kosten von 250 Hektar Wald klagt.
Im Dezember wurde ein Schreiben der Fraport an das Regierungspräsidium Darmstadt bekannt, in dem das Unternehmen
nachdrücklich fordert, die beantragte Besitzeinweisung mit Wirkung vom 12. Januar 2009 zu erteilen, um „entsprechend der Absprache mit dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof unmittelbar ab Zustellung der Eilbeschlüsse“ mit der Rodung beginnen zu können. Aufgrund dieser „Absprachen“ erfolgte Befangenheitsanträge gegen die Kassler Verwaltungsrichter wurden abgelehnt.
Einen Tag nach Beginn der Rodung präsentieren der Kelsterbacher Bürgermeister, Manfred Ockel, SPD, und der Fraport-Vizechef Stefan Schulte ein „Eckpunkte-Papier“: Die Stadt verkauft ihren Wald und weitere Flächen an Fraport und zieht ihre Klagen gegen den Flughafenausbau zurück. Dafür verspricht Fraport der Stadt ein „Paket mit einem Finanzvolumen von über 30 Millionen Euro“. Etwas davon ist für den Lärmschutz (den Fraport sowieso zahlen muss), ein Bach wird renaturiert, es gibt ein paar Praktikumsplätze, Kooperationen mit Schulen und Kindergärten, „politische Landschaftspflege“. Der Bürgermeister von Kelsterbach ist gelernter Landschaftsgärtner und seit 1998 Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH Regionalpark RheinMain, die sich höflich bei ihrem Hauptsponsor Fraport bedankt.

Nun erfordert auch in der 14.000-Einwohner-Stadt Kelsterbach eine so weit reichende Entscheidung wie der Verkauf mehrerer hundert Hektar Grund und der Verzicht auf Prozessrechte die Zustimmung der kommunalen VertreterInnen. Dass diese bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 9. Februar erfolgt, haben Magistrat und Fraport fest eingeplant. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit scheinen alle Absprachen längst getroffen, denn Fraport rodet in
Vorwegnahme der Entscheidung seit dem 20. Januar auf der gesamten für den Ausbau begehrten Fläche statt nur auf den oben genannten vorzeitig Besitz eingewiesenen 90 Hektar. Zwei Wochen unklarer Besitzverhältnisse kosten beim beobachteten Rodungstempo 100 Hektar Wald.
Fraports Wissen um die Zukunft reicht noch weiter: Erst im Juni wird das Verwaltungsgericht Kassel das Hauptsacheverfahren über 260 Klagen von Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und dem Naturschutzverband BUND gegen die Rodung und den Ausbau eröffnen.
Bis dahin hat Fraport die Fakten bereits unumkehrbar in Beton gegossen. Das Wald existiert nicht mehr, das Gericht wird den
Tatsachen hinterher eilen müssen.

Im Wald steht das Dorf der WaldbesetzerInnen. Seit dem 20. Januar ist es eingezäunt, auf Veranlassung der Fraport, ausgeführt von einem privaten Sicherheitsdienst, rund um die Uhr bewacht von der Polizei. AusbaugegnerInnen und PressevertreterInnen erhalten reihenweise Platzverweise. Fraport droht Klagen wegen Hausfriedensbruch an. Die Polizei gibt Daten von AusbaugegnerInnen an die Rechtsabteilung der Fraport weiter. Nach einer hanebüchenen Rechtsauffassung ist der Wald eine Baustelle, die Baustelle gehört zum Flughafen, der Flughafen gehört Fraport, also hat Fraport das Hausrecht. De facto gibt es zu diesem Zeitpunkt eine „vorläufige Besitzeinweisung“ für einen kleineren Teil des Waldes und ein Eckpunktepapier mit einem Vertreter der Stadt als Eigentümerin des Waldes. In ein paar Jahren werden Gerichte wahrscheinlich feststellen, dass diese Rechtsauffassung unhaltbar ist. Das macht aber nichts, denn heute ist sie für eine Kahlschlag-Politik
ausgesprochen nützlich.
Der Saal, in der die Stadtverordnetenversammlung über den Verkauf des Waldes an Fraport entscheiden wird, ist unmittelbar vorher von einer anderen Veranstaltung belegt: Fasching der Fraport-Senioren.

ROBIN WOOD, Monika Lege. Merci!


24 Antworten auf “Bürgerrechte abgeholzt …”


  1. 1 Jörg 30. Januar 2009 um 17:36 Uhr

    Einer muß ja den „Judaslohn“ kassieren.(Kelsterbach9
    Pfui das Stinkt zum Himmel. Hier wird mehr ,als nur am Bürgerrecht geholzt.
    Wer das Kapital hat, der Bestimmt die Gesetzte. Das war schon immer so.
    Auf zur Bundestagswahl, eine neue Diktatur Wählen .
    Aufstand jetzt! Bevor es zu spät ist. Der kleine Mensch zahlt immer.
    Waldbesetze macht weiter . Ich komm auch wieder!

    Ich möchte stehend sterben, nicht kniend leben !

    P.S.: Retschreibfehler könnt ihr behalten!

  2. 2 info@regionalpark-suedwest.de 30. Januar 2009 um 18:45 Uhr

    Die Heiterkeit der Landschaft

    Zitate von der Webseite der Ockel’schen GmbH:

    „Der Regionalpark RheinMain wurde vor über 10 Jahren konzipiert um verbliebene Freiflächen zwischen den Siedlungen im Verdichtungsraum RheinMain zu sichern und für die Erholung suchenden Menschen der Region zu erschließen…“

    „Der Regionalpark war und ist darüber hinaus gedacht als ein Projekt, das geeignet sein könnte, das Image der Region, …. um die Facetten der weichen Qualitäten – nämlich der landschaftlichen Schönheit, der Heiterkeit der Landschaft, der Erlebnisqualität der Landschaft für die Erholung suchenden Rhein-Main-Bürger und Bürgerinnen.“ ..zu ergänzen.

    Vor soviel Zynismus und Verlogenheit kann man nur noch niederknien und vor Fassungslosigkeit erblassen.

    Hildebrandt hatte schon recht: Ein Staubsaugervertreter verkauft Staubsauger, ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen. Warum sollte ausgerechnet der Herr Volksvertreter Ockel aus der Art schlagen?

    Und – Herr Ockel – falls es mit der Bürgermeisterei irgendwann mal nicht mehr so klappt, weil die Bürger es Ihnen Übel nehmen, verscherbelt worden zu sein – die Fraport wird ihre GmbH bestimmt weiterhin mit Millionen bezuschussen. Damit Sie neben Ihrer bescheidenen, sauer verdienten Pension noch ein kleines Zubrot haben. Dann können Sie auch im Alter noch schön heiter bleiben – wie die Landschaft bei Kelsterbach…

  3. 3 Uli 30. Januar 2009 um 20:07 Uhr

    Die Entscheidung von Hr. Ockel und der Stadt Kelsterbach ist der richtige Weg;
    Wieso jahrelang vor gericht ziehen mit ungewissen ausgang, dann alles verlieren ohne einen Jocker in der Hand zu haben!?!

    Immerhin siedeln sich auf der Gemarkung Kelsterbach weiterhin Firmen an, die an die Stadt Ihre Gewerbesteuern entrichten werden, folglich kann man da von finanzieller „Nachhaltigkeit“ sprechen.

    Diese Firmen sind wiederum von der Exsistenz des Flughafens abhängig. Folgerung: Je größer der Flughafen, desto mehr Firmen, jehöher die Einnahmen.

    Und diese Rechnung betrifft alle Anreiner des Flughafens.

    Da sämtliche Gemeinden knappen Kassen haben, werden sich alle mit dem Flughafen arrangieren und Ihre Klagen nach und nach in Kompromisse umwandeln.

    Betrifft Wahlen: Da viele Arbeitnehmer wiederum auch vom Flughafen abhängig sind, werden diese Menschen auch klar denken können.

    Der Spatz ind der Hand ist mehr Wert als eine nicht zu erreichende Taube auf dem Dach. War schon immer so!

  4. 4 Neue Wege 31. Januar 2009 um 2:13 Uhr

    @ uli
    es gibt in dieser nation zwei wege, an macht zu kommen: entweder kapital oder menschen. keine kapitalismuskritik ohne den faktor mensch! die besetzer haben schon so viel aufgerührt, so dass ich finde, das alle die besetzer unterstützen sollten. bist du dran? ich hoffe, dass wir durch nutzung aller wege letztendlich einen erfolg haben werden. zwar mag FRAPORT im moment alle hebel in der hand haben, aber letztendlich pflanzen wir in 20 jahren dort neue bäume…
    ihr ringen um die herrschaft erinnert mich an den kampf um den strohhalm. deswegen finde ich, lohnt sich jede unterstützung des widerstandes – auf allen ebenen!!

  5. 5 Bianca 31. Januar 2009 um 10:05 Uhr

    O-Ton Jörg:
    >Auf zur Bundestagswahl, eine neue Diktatur Wählen .

    Also Ihr zieht eine Diktatur der jetzigen Gesellschaftsform vor ?

    Na dann viel Spaß bei einer Waldbesetzung unter einer Diktatur…(Wenn es dem Dikataor nicht passt)
    Ich hoffe Ihr bekommt Namen auf den Grabsteinen.

    Warum lasst Ihr uns hier nicht einfach mit dem Flughafen leben. Ich komme aus der direkten Nähe des Flughafens. Ja, über mich fliegen Flugzeuge und NEIN, es stört mich nicht. Auch wenn ich selbst schon lange nicht mehr geflogen bin, ist es doch schön zu sehen, wie andere Menschen Ihrer leidenschaft andere Länder und Kulturen zu entdecken nachkommen. So wächst eben alles zusammen. Das ist Freiheit.
    Und was macht Ihr, Ihr wollt diese Freiheit beschneiden?!!

    Wenn sich alle Menschen, die in dieser Gegend für die Ausbau sind zusammentun, dann würdet Ihr sehen, gegen wen Ihr in Wirklichkeit „Kämpft“ (nicht gegen Fraport). Aber leider ist es schwierig Menschen zu mobilisieren sich für entwas einzusetzen, was sowieso kommen wird…
    Man Kämpft eben lieber gegen Windmühlen…

    Grüße

    Bianca

  6. 6 Jörg 31. Januar 2009 um 12:31 Uhr

    Ach Bianca . Lass mich einfach Frei im Walde Leben und lass den Flughafen so wie er ist . Keinen Ausbau. Lebe auch am Flughafen (einflugschneise) . Aber noch mehr Lärm, damit andere in den Urlaub Fliegen können?
    Es geht hier um den Neuen ausbau. Mit dem was wir haben müssen wir jetzt leben aber noch mehr Lärm ? Weniger Wald ?Welch ein Preis für Deine „Freiheit“ :( .
    Lass mich einfach weiterhin Meine Freiheit im Wald genießen.
    Kein Cargo-Kult!!

  7. 7 werwolf 31. Januar 2009 um 14:31 Uhr

    flughäfen sind gross genug
    und es gibt genug stillgelegte

    und uli wahrscheinlich kommt dann ne tolle munitions venichtungs anlage alla spreewerk oder edv munitions technik ans werk die dann ami sprengstoff entsorgen , welcher zu gefährlich is für amerika

    auf das die metallvögel auf euch fallen auf das der smog eure lungen auffrisst auf das alle lebewesen natührliche gifte produzieren die jeden krank machen der sie ist o o o woher kommen eientlich die unbekannten neuen seuchen hiv etc

    der wald gehöhrt nicht uns und erst recht nicht euch !!!

    mehr arbeitsplätze = mehr alkoholiker und vergewaltiger die zuviel geld haben sich wohnungen mieten und ihre durchen rape videos drehn oder sonst was machen mit 60 durch 30 zonen fahren

    mehr prostitution mehr kriminalität mehr armut mehr verzweiflung

    das bringt ein neuer arbeitsplatz
    geld ist schlecht und ihr seid ziemlich treffende beispiele für gier manipulation

    komisch auch das die DRECKSBULLEN rein zufällig am tag der demo bei mir aufkreuzen nachdem am dienstag beim waldcamp von der polizei daten gespeichert wurden
    die verarschen e jeden am laufendem band

    toi toi toi allen erfolgreichen sozialschmarotzern ^^

    ich geh nie mehr arbeiten ich lass mich jetz von euch finanzieren

    hoffentlich wird der 1.,50 job abgeschafft und es gibt wieder richtig asche vom staat … ach ne von euch

  8. 8 Bianca 31. Januar 2009 um 14:43 Uhr

    Ach Jörg,

    wenn aber immer mehr Menschen fliegen wollen? Wie kann dann der Flughafen gleich groß bleiben? Muss die Infrarstruktur nicht mitwachsen?
    Die deutsche Bevölkerung wächst zwar nicht, aber sonst wird die Menscheit immer zahlreicher, und sollte nicht jeder die Freiheit zum Reisen haben?

    Lasst doch den Flughafen wachsen, ist doch besser als ganz ganz viele kleine Flughäfen.

    Und Wald kann man auch so genießen, da draußen ist noch so viel davon… bin ja auch jeden Tag mit den Hunden dort unterwegs … und wenn es jemand gar nicht passt, der kann ja Umziehen. Ich bin auch hier hergezogen aus einer Gegend mit noch mehr Wald, der Arbeit wegen.

    Grüße und nur nicht so verbissen Kämpfen…

    Bianca

  9. 9 Wuddi 31. Januar 2009 um 15:02 Uhr

    @Bianca&Uli
    Tut mir Leid,aber eure Meinung ist der Untergang von allem was das Leben lebenswert macht ! Da ich aus der Touristik komme und genau weis welche abartigen Triebe diese Pflanze schlägt bin ich 100%ig der Meinung das jeder Wald eine größere Daseinsberechtigung besitzt als die Vergrößerung eines jetzt schon nicht optimal ausgelasteten Flughafens! Alter Hut :“Das Kerosin ist nicht besteuert wodurch Flugreisen zu Spottpreisen angeboten werden können ! Je mehr der Flughafen an Personal spart umso lukrativer kann er arbeiten. ( siehe Sicherheitsdienst ! )
    Hier wird die ach so große Sicherheit, gegen all den Terror und das Böse, von Menschen erbracht die knapp über 6 Euro verdienen und im Schichtwechsel mit ständig wechselnden Kollegen arbeiten müssen bis Sie nicht mehr wissen ob Tag oder Nacht ist da Sie um selbst zu überleben mind. einen weiteren Job annehmen müssen ! ( Danke hierfür ! )

    Das Unglaublichste ist allerdings der Zeitraum in dem der Wald gerodet wird. Gerade heute steht in allen Zeitungen das die Lufthansa Kurzarbeit im Frachtgeschäft angemeldet hat und in Asien die Arbeitsagenturen besser besucht sind als die IAA an an Spitzentagen.“Im Frachtgeschäft bekommt Lufthansa die Wirtschaftsflaute besonders stark zu spüren. Allein im Dezember waren die Frachtvolumina um über 20 Prozent eingebrochen. Auch im neuen Jahr sei die Nachfrage durch verlängerte Betriebsferien, Produktionsrückgänge und Kurzarbeit in vielen Industriebranchen auf niedrigem Niveau geblieben. „2009 wird ein herausforderndes Jahr für uns“, sagte Spohr. Die Nachfrage nach Luftfrachtkapazität sei weltweit stark rückläufig.“

    Ich frage mich warum in einer Zeit, bei der man nicht genau weis wohin der Weg führt, weiter auf Ausbau und Wachstum gesetzt wird. Ich male mir ein Szenario aus, indem die Startbahn gebaut ist und nicht genutzt wird, da der Flugverkehr in den kommenden 10 Jahren rückläufig ist. Aber dann kann man den Schwarzen Peter immer noch an die Politiker weiterreichen die der Rodung frühzeitig Tür und Tor geöffnet haben !

    Den meisten ist der Ausbau des Flughafens nur deshalb egal, da Sie von Werbung und Schwachsinnsmedien so zugeknallt sind das Sie nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können.

    Letzte Woche musste ich mir ein 1/2seitiges Bild in der Zeitung anschauen: Ein Bagger mit einer spezial Baggergabel enwurzelt einen Baum so sorgsam das den Hirschkäfern nichts passiert !

    Da glaubt man ja das die Fraport eine Umweltorganisation ist und die Medien es hoffentlich ironisch meinen ! Medienvertreter kommt wohl daher auch ursprünglich von dem Wort “ Vertreter “.
    Man will uns was verkaufen und damit Geld verdienen.
    Die richtig guten Vertreter verdienen daher auch nicht schlecht !

    Eins stimmt mich optimistisch und zwar der Gedanke, das die Fraport u.ä. die wahren Umweltschützer sind :“ Sie haben erkannt das nichts mehr zu retten ist und je schneller wir das bißchen Natur was wir noch haben zerstören umso eher wird der Mensch von dieser Erde verschwinden und die Natur sich wieder selbst überlassen. In der Zeit will man allerdings noch möglichst gut leben und wenn sich mit Naturschutz Geld verdienen kann umso besser !“

  10. 10 Bianca 31. Januar 2009 um 15:58 Uhr

    Hallo Waldi

    Du kannst doch nicht die Zeiten im Moment nehmen und sagen die Wirtschaft wird nun nicht mehr wachsen. Das Wachstum kommt immer in Wellen… und die Wirtschaft muss Global wachsen, weil es immer mehr Menschen gibt. (Vielleicht sollte man wie in China eine ein Kind Ehe auch hier und übrall vorantreiben, aber anderes Thema)
    Also wenn die Menschheit weitrer wächst muss auch die Wirtschaft wachsen, um die Menschen ernähren zu können… Wirtschaft ist nicht nur Fraport oder alle grossen Unternehmen … Wirtschaft ist auch ein kleiner Bauer in Afrika der damit seine Familie ernähren muss … das ist globales Denken… Sicher kann man nun noch darüber streiten, in wie weit diesen Bauern geholfen werden kann… dies tue ich zB in dem ich Produkte kaufe die Fair gehandelt wurden… wo jeder in der Kette seinen „vernünftigen“ Lohn bekommt… aber viele Produkte müssen dann eben immer noch aus weit entfernten Ländern zu uns gebracht werden, weil es Sie hier einfach nicht gibt… Dazu braucht man sicher nicht unbedingt das Flugzeug… aber mal ehrlich gegen den Ausbau der Häfen seid Ihr doch auch ?!

    Kann man nicht den Schutz der Umwelt und den technischen Fortschritt so vorantreiben, das beides voneinander profitiert?! Mal wieder mein Lieblingsthema „Transrapid“, braucht wenig Raum, fährt auf hochgelegten Schienenwegen (darunter kann die Natur sich richtig gut ausbreiten), macht kaum Lärm…. aber wer ist gegen Ihn ? IHR! Oder nicht… sicher er ist teuer, aber wenn Sie das vor 150 Jahren mit der Eisenbahn auch gedacht hätten, hätten wir jetzt noch Postkutschen…

    Ich verstehe Euer Anliegen… aber man kann nicht gegen alles sein…

    Kannst Du mir versichern, wenn Du an dir runter schaust, dass Du keine Produkte an dir hast, die unter schlechten Umweltbedigungen von unterbezahlten Menschen hergestellt wurden???

    Ich bin sicher nicht verblendet von den Medien, ich habe ganz einfach ein anderes Weltbild, andere Interessen, andere Lösungsideen.
    Wenn ich so verblendet wäre, würde ich hier doch nicht mitlesen bzw mitschreiben

    Alles Gute

    Bianca

  11. 11 Wuddi 31. Januar 2009 um 16:23 Uhr

    Ich kann auch nicht so fanatisch sein wenn ich in der Touristik arbeite, erkenne aber Dank gesundem Menschenverstand wann Dinge sinnvoll sind und wann nicht ! Die Lösung aller Probleme ist die 1 Kind Ehe wenn wir so weiter machen ! Da stimme ich Dir voll und ganz zu ! Aber dann wäre ja unsere Rente nicht mehr sicher !
    ( Das hebe ich sowieso noch nie kapiert ! )

    Gruß

    Wuddi

  12. 12 Uli 31. Januar 2009 um 19:18 Uhr

    @ Bianca: Du sprichst mir echt aus dem Herzen!

    Super das der Admin die Zensursperre gelockert hat, weil sonst hier keine Diskussion möglich wäre!

  13. 13 Nachdenker 31. Januar 2009 um 20:26 Uhr

    Ich weiß zwar nicht, warum mein Beitrag, in dem ich meine Gedanken über die unterschiedliche Motivationslage der Ausbaugegner beschrieb zensiert wurde (wahrscheinlich war ich zu ironisch), aber ich probier es einfach nochmal, nicht ganz so krass.

    Antikapitalistische Denkweise:

    …liegt mir persönlich fern. Ich bin selbst Kleinunternehmer im Handels- und Dienstleistungsbereich. Natürlich lege ich Wert darauf, schwarze Zahlen zu schreiben, ich muss ja auch meine Familie ernähren und veraltetes Gerät erneuern und einen Puffer schaffen, für schlechtere Zeiten, um dann nicht gleich entlassen zu müssen. Ich habe es übrigens noch nicht gehört, dass es bei Fraport zu Entlassungen kam, auch das ist in der heutigen Zeit ein Gewinn.

    Ausbeutung Billiglöhner:

    In diesem Zusammenhang sei mir mal die Anmerkung erlaubt, dass die Fraport Billiglohn-Security zur Durchsetzung ihrer Rodungspläne beschäftigt, ist völliger Quatsch. Jede(r) sollte inzwischen mitbekommen haben, dass sie diverse Sicherheitsfirmen gechartert hat und auf deren Lohngestaltung hat die Fraport wohl keinen Einfluss.

    Nun kenne ich jemanden, der in dieser Branche leitend tätig ist und mir verraten hat, dass nur ein geringer Personalbestand fest beschäftigt ist. Die Masse dieser Leute wird nach Bedarf rekrutiert, z.B. bei Sportveranstaltungen, Messen etc.. Sie bestimmen dann selbst, in welchem Umfang sie sich in die Personalplanung einbauen lassen. Viele bevorzugen von sich aus einen häufigen Einsatz und scheuen auch vor einer 60-Std.-Woche nicht zurück, gezwungen wird hierzu niemand. Es gibt Wochenend- und Nachtzuschläge.

    Hierdurch einen Bogen gegen den Flughafenausbau zu schlagen, dass dieser nur Billiglohnarbeitsplätze schafft, finde ich albern, zumal diese temporären Arbeitsplätze wieder weg sind, wenn der Ausbau vorbei ist. Diese Billiglohnarbeitsplätze sind deshalb vorhanden, weil es einen Widerstand gibt, gäbe es keinen, müssten keine Securities im Wald stehen. Wer ist denn nun für deren Arbeitsbedingungen verantwortlich? ;-)

    Ökologische Denkweise:

    …kann ich nachvollziehen. Damit verbundene, alternative Lebensweisen allerdings nicht. Meiner Inkonsequenz bin ich mir bewusst, auf den Strom aus der Steckdose, meine moderne Zentralheizung und mein Auto (Euro4) möchte ich allerdings nicht verzichten und ich oute mich als Urlaubsflieger.

    Linke oder anarchistische Denkweisen:

    …nein, ich schere das selbstverständlich nicht über einen Kamm, fasse lediglich zusammen, dass dies für mich nicht in Frage kommt. Hier wird mir zu sehr ein Feindbild gegen den Staat und speziell die Polizei konstruiert, was nicht in mein bürgerliches Weltbild passt. Ich hatte noch nie Probleme mit der Polizei und diese auch nicht mit mir und so soll es bleiben, deshalb mag ich mich derzeit nicht an Aktionen und Demos beteiligen und lasse es auch bleiben, das Camp zu besuchen. Ich will nicht in etwas hineingeraten, das außer Kontrolle gerät und die bisherigen Aktionen haben mir zu viele rechtswidrige Ausrutscher gehabt.

    Kleinbürgerliche Denkweise:

    …das ist mein Ding und damit bin ich nicht alleine. Völlig unpolitisch und egoistisch ist die Mehrheit der Anwohner dieser Region deshalb gegen den Flughafenausbau, weil er ihre aktuelle Lebensqualität beeinträchtigt. Häufig herrscht das St.-Florians-Prinzip vor, denn fliegen wollen sie wohl auch. Sie fragen sich und das tue ich auch, muss so viel Flughafen sein? In geringem Umfang lebe ich von diesem Moloch, allerdings indirekt. Meine Kunden sind vom Flughafen abhängig, ziehen sie fort, habe ich ein Problem. Es muss allerdings nicht so sein, dass sie mehr werden, deshalb sehe ich die Arbeitsplatzfrage leidenschaftslos.

  14. 14 Odvalf 01. Februar 2009 um 0:39 Uhr

    Bianca schrieb (31. Januar 2009 um 14:43 Uhr): „wenn aber immer mehr Menschen fliegen wollen?“

    Meine Antwort:
    Es gibt viele Arten die Umwelt zu zerstören. Fliegen ist eine davon.
    Wenn immer mehr Menschen fliegen wollten und dadurch die bisherigen Kapazitäten nicht mehr ausreichen, dann muss Fliegen eben teurer werden.

    So lange bis sich Angebot und Nachfrage die Waage halten.

    Wenn wir das nicht tun, stehen bald Holland und Bangladesch komplett unter Wasser, dank der globalen Erwärmung.

    Bianca schrieb: „aber sonst wird die Menscheit immer zahlreicher, und sollte nicht jeder die Freiheit zum Reisen haben?“

    Meine Antwort:
    Reisen kann man auch genauso frei mit dem Zug oder mit einem Segelboot.
    Man muß nicht unbedingt mi einem JEt oder Überschallflugzeug fliegen.

    Bianca schrieb: „aber mal ehrlich gegen den Ausbau der Häfen seid Ihr doch auch ?!“

    nein wieso sollten wir?
    Häfen lassen sich auch prima per Segelboot ansteuern und es gibt wohl wenige umweltfreundlichere Arten zu reisen, nehme ich an.

  15. 15 Toby 01. Februar 2009 um 1:51 Uhr

    Hoi
    Muss ich mich doch jetzt auch mal zu Wort melden:

    Nach China mit dem Zug? Das will ich sehen.

    Und das Fliegen teuerer zu machen, nur um die Nachfrage zu senken ist auch nciht das Gelbe vom Ei. Was ist mit den Menschen, die ferne Länder sehen wollen oder Verwandte bersuchen wollen. Willst du denen das auf einmal verwehren, nur wegen nem bissel Wald?

    Und zum Thema Segelboote…
    Wie viele Frach-Segelboote siehst du in Häfen? Ich seh kein einziges.

    Mfg Toby

  16. 16 Administrator 01. Februar 2009 um 3:34 Uhr

    ach ja… lasst uns in alle welt reisen und alle welt damit kaputt machen. was solls… wir habens immerhin vorher noch gesehen…

    xD manche leute begreifen nicht, dass es an uns ist was zu ändern. und das das überleben der welt grade ziemlich auf der kippe steht…

    und @ tobi: du willst also lieber das ein paar reiche leute nach malle jetten können als, dass eine ganze region einen kostenlosen und klima-positiven ort zum erholen hat?
    komisches weltbild…

    mfg
    ein waldbesetzer

  17. 17 Jessie 01. Februar 2009 um 9:26 Uhr

    Fraport holzt doch eine noxh grössere Dläche wieder auf. Natürlich dauert das jahre bis es so ist wie jetzt. Aber immerhin.

  18. 18 Biker 01. Februar 2009 um 19:48 Uhr

    Ich war eher zufällig bei der Demo am Samstag und der Fahrrad-Demo heute beteiligt. Habe mich aber dann jeweils spontan angeschlossen.

    Bei der heutigen Fahrrad-Demo hat die Polizei Videoaufnahmen verboten, Aufnahmegeräte konfisziert und Aufnahmen gelöscht.
    Da war ich dann als unbescholtener blauäugiger Bürger, an Freiheit und Gleichheit glaubend, etwas geschockt.

    Gestern habe ich gesehen wie einige Alte Herren, Radfahrer die das 70. Lebensjahrezent deutlich hinter sich gelassen haben, den Radweg 25 durch den Kelsterbacher Wald nehmen wollten. Der Weg führt, oder besser, führte direkt am Waldcamp vorbei.
    Vor der Sperre am Camp wurden die echt gefährlichen über 70jährigen von der Polizei regelrecht eingekesselt.

    Liest man hier das Zitat aus dem Echo Online (im Demo-Aufruf), dann merkt man schnell, wie die Presse gepolt ist. Aber nur, wenn man selbst Zeuge war.

    Die Schlacht um den Wald ist längst verloren. Ich finde es jedoch gut, dass die Proteste weitergehen. Die meisten Anwohnern ist gar nicht bewußt was hier geschieht. Uns wurde ein Stück Lebensqualität genommen. Einfach mal so!

    Die meisten Menschen interessieren sich nur dafür, dass was ordentliches Auf den Tisch kommt und jeden Monat die Kohle auf dem Konto landet. So lange das in Ordnung ist, kann so ein Flughafenausbau ja nicht so schlimm sein.

    Die Leute sind tatsächlich überhaupt nicht informiert. Die Medien recherchieren überhaupt nicht und polemisieren völlig, wie man im Echo online als gutes Beispiel lesen kann.

    Die meisten Okrifteler wissen zum Beispiel gar nicht, dass die neue Landebahn nicht einmal 500 Meter von Ihren Häusern weg sein wird.

    Die meisten Menschen in der Region wissen nicht, dass uns der Wald in heißen Sommernächten die kühle Brise schenkt, die uns schlafen läßt.

  19. 19 Biker 01. Februar 2009 um 20:00 Uhr

    Die meisten Menschen wissen nichts vom Mikro-Klima in Ihrer Region.

    Die meisten Menschen wissen nicht, dass es seltene Pflanzen und Tiere in Ihrer Region gibt.

    Und den meisten Menschen ist es egal, ob es um Frankfurt einen nahezu einmaligen Grüngürtel gibt/gab, oder nicht.

    Dem meisten meiner Mitmenschen denen ich aber vom Ausmass der Rodungen um den westlichen Flughafen erzähle sind entsetzt und sind teilweise schon selbst hingefahren, um es sich anzuschauen.

    Heute hat mir eine Freundin, sichtlich ergriffen, gesagt, dass sie nie gedacht hätte wie riesig die Rodungsflächen sind. Und damit meinte sie nur die Fläche die momentan gerodet wurde.
    Ich habe heute einige Freunde mal zur Kaffeefahrt ins Auto geladen und mal gezeigt was hier passiert.

    Fakt ist: Die Leute sind einfach schlecht informiert. Ich habe das Gefühl, dass die „Presse“ daran wenig ändern wird.

    Hoffentlich erinnern wir uns irgendwann einmal daran, wenn es weiter geht mit der Zerstörung unseres Lebensraums, dass damals in Kelsterbach nur eine Handvoll Idealisten den Arsch hochbekommen haben. Nur eine Hand voll Bürger Verantwortung gezeigt haben.

    Denn das macht es den Leuten mit Geld und Macht so einfach. Für kurzfristiges Geld, Dinge deren Zusammenhänge wir alle wohl erst erkennen werden, wenn es zu spät ist, zu zerstören.

  20. 20 Klaus-Volker Kellner 01. Februar 2009 um 20:26 Uhr

    @CM
    Ich besuche seit Mai meist zweimal die Woche das Camp,um die Bewohner zu unterstützen.Von Randale kann ich nicht berichten, u. bzgl. der „linken Pressefratzen“ ist festzustellen,dass geraden in den letzten Tagen nur den „Hofberichterstattern“ von Fraport u. der Hess.Landesreg. (HR,FAZ etc.)freies,bzw. unzensiertes Arbeiten möglich ist.
    Diese „Hofschranzen“ versuchen mit ihren tendenziösen Berichten, diesen nachdenkenden Teil der Jugend, einer sonst durch Konsum u. Klamauk verführten u. abgelenkten Gesellschaft,zu diskreditieren.
    Nur die ewigen Mitläufer können doch glauben,dass der Ausbau,besser gesagt die Verwüstung des Unter-Main Gebiets u. die Veschrottung von Autos,uns aus der jetzt einsetzenden Wirtschaftsmisere errettet.
    Genau diese, auch jetzt Verantwortlichen aus Politik u. Wirtschaft,haben uns mit dem Glauben an unendliches Wachstum, ohne Rücksicht auf Ressourcen u. Umwelt,in die wirtschaftl. Katastrophe geführt.

  21. 21 Nachdenker 02. Februar 2009 um 20:28 Uhr

    @Biker:

    …hast du auch mitbekommen, wem die Polizei bei der Fahrraddemo verg. Sonntag die Videoaufnahmen verboten hat? Es waren Kameraleute der Fraport!

  22. 22 Biker 02. Februar 2009 um 23:31 Uhr

    @Nachdenker: Klar, die Fraport könnte die Aufnahmen theoretisch gegen die Teilnehmer einsetzen (könnte ich mir vorstellen). Da wäre ich selbst auch betroffen gewesen (schwitz!). Gestern habe ich das gar nicht so richtig mitbekommen und dachte das galt auch für Demo-Teilnehmer.

  23. 23 KROete 03. Februar 2009 um 10:01 Uhr

    Liebe Diskussion,

    Tendenziösität ist Dir nicht vor zu werfen. Aber jede Person verstand bisher vor allen Dingen ihre Positionen und die Positionen die der ihren gleich oder zumindest ähnlich waren. Bei mir ist das anders: Ich versteh Euch alle…

  1. 1 Die Märzrevolution von 1848 | Ennos Testwelt Pingback am 10. März 2009 um 20:40 Uhr
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