Bericht zum Heathrow-Besuch

„So eine Besetzung, das könnten wir auch bald haben“ meint die britische Aktivistin Lily Kember mit Blick auf die Dauerbesetzung im Kelsterbacher Wald. John Stewart ergänzt:
„Einen Wald zu verteidigen gibt es bei uns nicht, dafür aber eine ganze Ortschaft, die zwangsumgesiedelt werden soll“
Die beiden Aktivisten könnten unterschiedlicher nicht sein-
Lily Kember steht für „plane stupid“, einem Zusammenschluss gewaltfreier Aktionsgruppen mit sehr radikalem Anti-CO.2-Ansatz. John Stewart ist Vorsitzender von Hacan-Clear Skys, einer Anti-Fluglärm-Kampagnenorganisation, die von den Anrainerkommunen des Heathrower Flughafens getragen wird.
Ihr gemeinsames Auftreten im Kelsterbacher Wald verdeutlicht aber den Zusammenschluss von bürgerlicher Lobbyarbeit und radikaler Umweltaktion. Lily Kember wurde in England schlagartig bekannt, als sie bei der Besetzung der Landebahn des Billigflughafens Stansted im Dezember 2008 als Pressekontaktfrau auftrat: „drastic times call for drastic measures-we are facing a climate crisis and the government is not doing anything -so individuals will have to take actions“(Krasse Zeiten erfordern krasse Massnahmen-wir stehen vor dem Klimakollaps und die Regierung tut absolut nichts dagegen- dann müssen das die Leute übernehmen!) Nach der Aktion brach eine persönliche Anti-Kampagne aus, sie wurde als Mittelklasse- „Klimawandelterroristin“ beschimpft, die der englischen Arbeiterschaft ihren Pauschalurlaub kaputtmachen wolle. Auch ihre Relegation von der Uni in Edinburgh wurde öffentlich gefordert.
Ihre Antwort: „Die Presse soll das persönliche Herumgehacke lassen. Mein Vater ist Lastwagen gefahren, und der Klimawandel kennt keine Klassenunterschiede“
John Stewart, der Kampagnenerfahrung aus der Anti-Strassenbau-Bewegung besitzt, sagt,dass es wichtig ist, dass sich die Initiativen untereinander vernetzen und Dachorganisationen bilden: „Die Probleme sind überall die gleichen, die Luftfahrtbranche will ihre Kapazitäten verdoppeln und versucht die Leute gegeneinander auszuspielen und ihr Interesse als Allgemeininteresse zu verkaufen“.
Sein Ziel ist eine Vernetzung der Anti-Ausbau-Initiativen in ganz Europa. Die Initiativen müssten auch den nötigen ökonomischen Sachverstand aufbauen, um die Arbeitsplatz- Argumente der Flugindustrie auszuheebeln: „Wir haben nachgewiesen, dass die Londoner Ökonomie ohne Ausbau keineswegs baden geht. Zu mehr Fliegerei gibt es Alternativen. Und wenn die Ökonomie doch baden geht,hat dies ganz andere Gründe…“ Er ist optimistisch, den Ausbau in Heathrow noch stoppen zu können: „Das politische Umdenken, die politische Einflussnahme geht Hand in Hand mit direkter Aktion“. Am liebsten wäre ihm der Multi-Aktivist, der beinahe an die zwei unterschiedlichen Leben von Superman erinnert: „Wenn das eine Person ist, welche als Lobbyistin Politikern die Hand schüttelt und am nächsten Tag auf das Parlament klettert und ein Banner herunterlässt, damit können sie nicht umgehen, das macht sie fertig“
Lily Kembel meint: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es nicht ausreicht, die besseren Argumente zu haben, wenn es gilt, Politiker zum Handeln zu bringen.“ In Heathrow sieht das so in der Konsequenz so aus: Plain Stupid – Leute haben persönliche Patenschaften für BewohnerInnen der räumungsbedrohten Siedlung Harmondsworth übernommen und werden gegebenfalls mit ihnen die Häuser verteidigen.
Lily Kembel meinte, sie könnte sich gut vorstellen, an dem geplanten Klimacamp in Rhein Main teilzunehmen . Dieses wiederum soll nach dem Vorbild des Londononer Klimacamps von 2007 organisiert werden. Auch ein Gegenbesuch ist schon angedacht,per Bahn,Bus oder Anhalter.