19.11.: Gerichtstermin in Frankfurt

Am 19.11. wird um 10:30h beim Verwaltungsgericht Frankfurt (Adalbertstrasse 18) über die Klage einer Aktivistin verhandelt. Diese zielt auf die Feststellung der Rechtswidrigkeit einer polizeilichen Maßnahme hin.

In der Nacht zum 6. Februar 09 wurden AktivistInnen von männlichen Polizisten gewaltsam aus ihren Zelten herausgezerrt. „Personalienkontrolle“ hieß es. Obwohl die Betroffenen bereits ca. zwei Stunden zuvor kontrolliert worden waren und ihre Zelte unter Polizeibewachung aufschlugen. Es ging darum, ein kleines Camp in der Nähe vom See aufzubauen, für die Menschen die keine Bleibe mehr hatten, nachdem sie einen Platzverweis für das Gebiet der eigentlichen Waldbesetzung erhalten hatten – zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Mahnwache außerhalb des Campes.

Eine Person erlitt auf Grund dieses nächtlichen Überfall einen starken psychologischen Schock – daher wurde versucht, die Polizei mit einer Klage zumindest in Erklärungsnot zu bringen. Sie muss merken, dass Willkürmaßnahmen seitens der Betroffenen nicht unbeantwortet bleiben.

Die Polizei leugnete zunächst den ganzen Vorfall. Nun hat sie die nächtliche Kontrolle eingeräumt – immerhin. Sie versucht aber ihre Beamten zu decken und lügt in ihren Stellungnahmen ohne Ende…. die Beamten seien freundlich und geduldig gewesen, hätten keine Frau aus ihrem Schlafsack herausgerissen (gut, dann ist die Klägerin keine Frau), seien nicht ins Zelt eingedrungen – die AktivistInnen haben sicherlich Halluzinationen, der Reißverschluss vom Zelt und vom Schlafsack muss von selbst kaputt gegangen sein. Aussage der Polizei gegen Aussage von AktivistInnen… raten wir mal wem die Richter am ehesten glauben…

Aus diesem Grund ist nicht mit einem Erfolg der Klage zu rechnen. Das Gerichts hat es auch bereits signalisiert, indem es der Klägerin die Prozesskostenhilfe verweigerte und für die Hauptverhandlung ein einziger Polizeizeuge geladen hat, obwohl die Klägerin eigene Zeugen genannt hat.

Hinzu kommt, dass das Gericht womöglich das nachträgliche Feststellungsinteresse verneinen wird, unter dem Motto, die Klägerin selbst stand nicht unter Schock, also wurde sie von der Maßnahme nicht beeinträchtigt. Zusätzlich zu der Klage wurde eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polizisten eingereicht. Die verantwortlichen Polizisten müssen sich immerhin mit dem Vorfall etwas auseinandersetzen und können sich überlegen, ob die Maßnahme es Wert war.

Mehr ist nicht zu erwarten. Im Widerstand haben aber kleine Schritte auch ihre Bedeutung.


2 Antworten auf “19.11.: Gerichtstermin in Frankfurt”


  1. 1 eichhörnchen 19. November 2009 um 22:35 Uhr

    Kleine Ergänzung….

    Das Schreibt die Klägerin auf ihre eigene Homepage unter
    http://www.eichhoernchen.ouvaton.org/deutsch/repression/berichte-gerichtsverhandlungen.html#VG-Kelsterbach

    In
    der Nacht zum 6. Februar wurden AktivistInnen von männlichen Polizisten
    gewaltsam aus ihren Zelten herausgezerrt. „Personalienkontrolle“ hieß
    es. Obwohl die Betroffenen bereits ca. zwei Stunden zuvor kontrolliert
    worden waren und ihre Zelte unter Polizeibewahrung aufschlugen. Es ging
    darum, ein kleines Camp in der Nähe vom See aufzubauen, für die
    Menschen die keine Bleibe mehr hatten, nachdem sie einen Platzverweis
    für das Gebiet der eigentlichen Waldbesetzung erhalten hatten. Eine
    Person erlitt auf Grund dieses nächtlichen Überfall einen starken
    psychologischen Schock – daher wurde versucht, die Polizei mit einer
    Klage zumindest in Erklärungsnot zu dringen. Sie muss merken, dass
    Willkürmaßnahmen seitens der Betroffenen nicht unbeantwortet bleiben.
    Die Polizei leugnete ja zunächst den ganzen Vorfall.  (Dazu: Junge Welt, FR)

    Am 19.
    November 09 wurde vorm Verwaltungsgericht Frankfurt am Main
    mündlich verhandelt, das Urteil soll der Betroffenen in den kommenden
    Wochen zugestellt werden (Stand 19.11.09).
    Verhandelt wurde über
    meine Klage, diese zielt auf die
    Feststellung der Rechtswidrigkeit der polizeilchen Maßnahme hin. 
    Auf
    dem Waldbesetzungsblog ist ein Text mit meiner  Zusammenfassung
    der
    juristischen politischen Lage vor dem Gerichtstermin: http://waldbesetzung.blogsport.de
    Auf Grund dieser Ausganlage – geringe Aussicht auf Erfolg und die
    Notwendigkeit, Prioritäten zu setzen (Energie und Mobilisrungspotenzial
    auf Strafprozess konzentrieren) wurde zum Termin bewusst nicht
    mobilisiert und auch keine Pressearbeit gemacht. Irgendwie kann die
    Polizei uns wirklich nicht einschätzen…  Wir traffen auf
    unverhältnissmäsig viele Polizisten – die insbesondere davor angst
    hatten, dass AktivistInnen dem Gericht auf’s Dach steigen – was wir
    überhaupt nicht vor hatten. Peinlicher aufdringlicher polizeiischer
    Auftritt… wird sind es aber irgendwie gewohnt. Weiter frage ich mich
    was daran so schlimm gewesen wäre, … Absurde Welt!
    Ein Prozessbeobachter hat einen zusammenfassenden Bericht zu dieser
    mündlichen Hauptverhandlung aus seiner Perspektive online gestellt: http://waldbesetzung.blogsport.de

    Ob es wirklich es wert war, Energie in diesem Verfahren rein zu stecken
    und extra nach Frankfurt zu kommen? Ich meine ja. Es gibt immer nette
    Menschen zu besuchen, in der Gegend.
    Aber im ernst: Es ist für mich persönlich aus jurisitschem Sicht ein
    Lernprozess – diese etwas „intellektuelle Auseinandersetzung“ gehört
    für mich zum politischem Engagement.  Dabei wollte der Richter es
    mir
    irgendwie nicht  wirklich nehmen, als ich erwähnte ich sei ja eine
    jurisitsche Lain. Gut ich habe schon einiges „bei doing“ gelernt und
    besitze langsam ein nicht unerheblisches juristisches Background…
    Stimmt schon.
    Es geht mir weiter ums Prinzip: Polizei Allmacht und willkürliche
    Maßnahmen nicht wortlos und wehrlos hinnehmen – auch wenn klar ist, das
    Gerichte dann in dem Sinne Befangen sind, dass sie zum Staatsapparat
    gehören und in ihrem System verfangen sind – weit weg von wirklichen
    menschlichen humanistischen Gedanken.  Das dürfen sie sich in
    diesem
    System nicht erlauben. Es geht nicht um Gerechtigkeit, sondern um
    System. Ich ich finde es umso wichtiger, hier nicht mitzuspielen und
    mit meiner Betroffeneheit und Emotivität auf das menshclische
    einzugehen. Der Menschn ist doch ein politisches Wesen!!!

    Im Widerstand haben kleine Schritte auch ihre Bedeutung!

  1. 1 Prozessbericht vom 19.11. « Waldbesetzung-Kelsterbach Pingback am 19. November 2009 um 16:43 Uhr

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