Wie den meisten Interessierten bekannt sein dürfte, soll der
Braunschweiger Flughafen ausgebaut werden. Der geplanten und
rechtskräftig planfestgestellten Verlängerung der Startbahn sollen über
40 Hektar Wald zum Opfer fallen.
Dabei handelt es sich um einen sehr wertvollen, naturnahen Mischwald mit
bis zu 200 Jahren alten Bäumen.
Die gerichtliche Schiene, den Bau zu verhindern, ist ausgereizt. So
bleibt als Notbremse nur noch die politische Schiene, nämlich den
drohenden Kahlschlag so weit zu skandalisieren, dass die
Verantwortlichen einen Rückzug machen: Appelle, Mailaktionen, Demos,
Aktionen am und im Wald.
Erschwert wird eine Rettungsstrategie dadurch, dass es nur Mutmassungen
gibt, wer denn wirklich die treibende Kraft hinter dem Ausbau ist. Eine
solche sind sicher die Ratsherren der Stadt Braunschweig, welche auch
den Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft stellen. Sie
betreiben die typische Kirchturmpolitik, sich über eine aggressive
Standortpolitik Vorteile als Wissenschaftsstandort sichern zu wollen.
Nur: Müssten sie das selbst stemmen, wären sie , genauso wie die TU
Braunschweig,sofort pleite.
Der Ausbau soll schon für 35 Millionen Euro zu haben sein, wovon 40
Prozent über Fördermittel der EU abgedeckt werden sollen. Eine
EU-Förderung als Verkehrsflughafen wurde mangels Bedarfs ausdrücklich
abgelehnt, der Geldfluss läuft jetzt unter Förderung von
Forschungs-Infrastruktur. Hier drängt sich auf, von
Subventionserschleichung oder Subventionsbetrug zu sprechen – angesichts
des mageren Gegenwerts von 0,8 Kilometer neuer Piste gegenüber massiver
Umweltschädigung.
Wie sieht es mit den Nutzern des Flughafens aus ? Nutzniesser sind vor
allem die Volkswagen AG und die DLR ( Deutsches Zentrum für Luft- und
Raumfahrt. Ziel muss es sein, dass beide sich gegen einen Ausbau
aussprechen.
Die Volkswagen-AG, welche bis 2018 zum weltgrössten Fahrzeugproduzenten
aufsteigen will,hat hier ihre Firmenflotte stationiert. Zur Zeit wird
ein werktäglicher Manager-Shuttle zum Skoda-Werk in Tschechien
durchgeführt, aber man schielt auch nach Indien, Japan und China.
Gelänge es, das Umwelt-Image von VW massiv anzukratzen, wäre eine
Flexibilität des Konzerns, wo denn seine Mittelstreckenmaschine abhebt,
durchaus denkbar.
Das gilt theoretisch auch für die DLR. Diese hat allerdings -in direkter
Tradition seit 1936- am Flughafen einen Forschungsstandort mit z.Zt.
ca.1000 Beschäftigten und damit sehr viel Einfluss in Braunschweig.
Allerdings redet auch sie ständig von „Entwicklung umweltfreundlicher
Technologien zur Steigerung der Mobilität“, pflegt also ein Öko-Image.
Die übergeordnete Helmholtz-Gesellschaft spricht sogar von „Aus Wissen
muss Politik werden“ als Konsequenz aus dem „quasi-gescheiterten“
Klimagipfel. Dahinter steht aber vor allem die Sorge um die
Wettbewerbsfähigkeit der nationalen und europäischen Luftfahrtindustrie
- und das erklärte Ziel, mit dem Plan „Luftfahrt 2020″ binnen zehn
Jahren das europäische Luftverkehrsaufkommen auf 16 Millionen Flüge im
Jahr zu steigern.
Vorstandsvorsitzender des DLR ist übrigens seit 2007 Prof.Ing. J.D.
Wörner. Im Rhein Main Gebiet ist er aus dem „Dialogforum“ und dem
Nachfolgegremium „Forum Flughafen und Region“ bekannt. Diesem sitzt er
als „neutrales“ Mitglied vor und soll zwischen den Interessen der
Fraport und der Anliegerkommunen „vermitteln“. Hier wurde der Bock zum
Gärtner gemacht.
Noch ist der Widerstand gegen den Ausbau in Braunschweig sehr schwach,
und die verbleibende Zeit ist knapp. Sollten die Rodungsarbeiten
beginnen, soll es ein Protest-Biwak direkt am Gelände geben.
Setzen wir uns dafür ein, das der Querumer Forst wieder den Frühling
erlebt und die vereinigte Luftfahrtlobby auf Holz beisst !
Heute morgen wurde bekannt, dass mit Rodungsarbeiten begonnen wurde. Ein Harvester sei im Einsatz.
Aktuelle Info gibt es derzeit auf der website von Robinwood.
Hintergründe und einen Briefvorschlag oder eine Online-Petition beim Nabu-Braunschweig.
Harvester sind hochspezialisierte Maschinen. Die Verwendung findet arbeitsteilig statt. Eine Situation mit Dissens über den Sinn und Nutzen der Projekte bei denen diese Maschinen zum Einsatz kommen, könnte durch ein Suspendieren der latenten Zustimmung zu der arbeitsteiligen Arbeitsorganisation. Und zu einem Widerspruch gegen die Legitimität der formalisierten oder institionalisierten Entscheidungsprozeduren (und ihrer Akteure) beantwortet werden.
Derzeit (seit Sommer 2009; Ende Dezember erneut) ist im Saarland eine Diskussion (politische Interessenvertreter gegen um den forstwirtschaftlichen Einsatz dieser Maschinen im Gange.
Kontrovers diskutiert wurde beispielsweise in der Die Tageszeitung (taz). Im Deutschen Holzzentralblatt vom 08.01.2010 wird das sehr, sehr knapp bilanziert.
Interessant für mich, der ich mit dem Protest gegen den drohenden Kahlschlag im Querumer Wald solidarisch bin: Kahlschlag, „Umwandlung von Wald“ ist nicht Teil der routinemäßigen Forstwirtschaft.
Umsomehr gilt die Ablehnung gegen Harvester-Einsätze! Es ist also ein klares Versagen von Verwaltung und ein Versagen der institutionalisierten Politik. In einer solchen Situation ist ein Mensch seinem eigenen Gewissen verpflichtet und das sich Berufen auf eine Beauftragungskette verliert seine moralisch-entlastende Funktion.
Was für extrem schreckliche Nachrichten…
und das gleich zu Beginn des
„Auftaktes des Jahres der biologischen Vielfalt“,
wie man unter
zdf.de / 11.01.2010
nachlesen kann.
Dort meldet sich Frau Merkel zu Wort und ruft zu mehr Artenschutz auf. (die reinste Märchenstunde, möchte man meinen)
Man sieht also sehr deutlich, in Frankfurt/Main und leider auch anderswo : es wird nur schön geredet und weiterhin umweltzerstörerisch gehandelt, Artenschutz? Nicht in Sicht…!
Zu viele Politiker/Innen wollen nur ein grünes Image, damit sie gewählt werden, produzieren nur heiße Luft.
Bäume/Tierarten fallen derweil weiter.
Genauso ist es.
Grosse Verbitterung hat bei den Menschen in Braunschweig -Waggum, (das ist der Ort, welcher direkt an die Startbahn grenzt) Angela Merkels Äusserung ausgelöst, gerade der alte, gewachsenene Wald müsse erhalten bleiben.
Der von Rodung bedrohte Wald ist nur an wenigen Stellen mit Flatterband abgesperrt, aber das Betreten läuft als Ordnungswidrigkeit. Ziel der Begehungen ist es neben der Unterbrechung der Rodung auch, herauszufinden ob gekennzeichnete Bäume, welche Schlafhöhlen für Tiere enthalten, gefällt wurden. Dies ist gehäuft vorgekommen. Momentan ist seitens des Oberbürgermeisters eine Kriminalisierungs- und Einschüchterungskampagne gestartet worden. Ob sie einschlägt, wird sich zeigen. Gezeigt hat dies jedenfalls schon, das der tägliche Protest vor Ort Wirkung hat. Nächsten Montag wird eine Demo vor der VW-Zentrale in Wolfsburg stattfinden.
Liebe Leser,
eine Welle der Entdemokratisierung beherrscht Braunschweig. Warum verhalten sich die Oppositionsparteien so zurückhaltend? wenn diese die Regierungspartei zur Wahl Konkurrenz machen wollen sollten sie langsam wach werden. Das Urteil gegen Peter Rosenbaum sollte alle Parteien zu Aktionen für die demokratischen Rechte in Braunschweig bewegen.
Hallo
Ich wollte über dieses Thema eine Facharbeit schreiben und wollte Sie fragen ob sie nicht gute Quellen für mich hätten, wo ich viel Information bekommen kann ?
Oder eventuell auch Fakten nennen.
Wäre echt lieb, weil mich das Thema auch echt interessiert.
Danke schonmal.
Eure zülal