Mahnwache gegen den Flughafenausbau
Ihr Schreiben vom 15. Januar d. J.
Sehr geehrter Bürgermeister Ockel (bzw. Nachfolger),
beim Heizen ist mir Ihr Schreiben vom 15. Januar d. J. in die Hände gefallen, welches sich mit Ihren Beziehungen zur Mahnwache gegen den Flughafenausbau befasst, und aus den Gründen die ich Ihnen darlegen werde sehe ich mich zu einer unmittelbaren Entgegnung veranlasst. Seit über einem Jahr arbeite ich auf der Mahnwache gegen den Flughafenausbau, welche mich als Rechtsnachfolgerin der Waldbesetzung übernommen hat, um die verkehrspolitischen Interessen meiner Region geltend zu machen. Der Waldsassengau sieht sich auch aufgrund seiner zentralen Lage fehlgeleiteten Infrastrukturplänen gegenüber, welche es erforderlich machen in der Gesamtheit der Verkehrspolitik realistische Wachstumsprognosen durchzusetzen, damit nicht fehlerhafte Planungsgrundlagen dazu führen dass unter dem Vorwand der wirtschaftlichen Erschließung das Land zerstört wird. Bei Ihnen im Maindelta liegt in Form des Flughafenausbaus bereits jetzt eine Umwelt- und Finanzkatastrophe vor, welche das gesamte Gefüge des politischen Föderalismus nachhaltig erschüttert hat. Als – wider besseres Wissen – mit der Subventionsruine begonnen wurde, mussten die gigantischen Konjunkturspritzen für die Infrastrukturfinanzierer vom ganzen Land bezahlt werden. Ebenso ist auch der darauf folgende Wortbruch beim Nachtflugverbot keine innere Angelegenheit Hessens.
Daher habe ich als Vertreter der Mahnwache gegen den Flughafenausbau auf der Konferenz gegen die Änderung des Luftverkehrsgesetzes am 3. Dezember 2009 im Fritz-Treutel-Haus in Kelsterbach die Bürgermeister der Region darauf hingewiesen, dass ausschließlich eine permanente Präsenz im Außenbereich – wie sie von den Anwohnerinitativen Ihrer Region in Form der Mahnwache gegen den Flughafenausbau geleistet wird – den tatsächlichen Vorrang des aktiven über den passiven Schallschutz durchsetzen kann. Nur dadurch dass immer jemand draußen ist, können Sie sich sicher sein dass Sie nicht von der Obrigkeit anschnauzt werden: Ach mauern Sie sich halt ein. Denn erst wenn sie aktiv in Anspruch genommen wird, ist dafür gesorgt dass auch tatsächlich eine Ruhe einkehrt. Auf diese Weise geht von der Mahnwache gegen den Flughafenausbau eine Rückversicherungswirkung für die Geltung des Verursacherprinzips bei Beinträchtigungen der öffentlichen Lebensqualität aus, welche der politischen Willensbildung insgesamt zugute kommt. Das macht die Aktion nicht nur für mich als Fremden mit eigenen Interessen attraktiv, sondern auch für Ihre Region, die damit ein politisches Pionierprojekt vorweisen kann, welches überall da, wo eine nachholende Entwicklung die Fehler des 20. Jahrhunderts zu vermeiden sucht, reges Interesse findet. Unsere internationalen Beziehungen sind besser als die des Flughafens.
Nimmt man hingegen Ihre bisherigen Ausführungen zu unserer Präsenz zur Kenntnis, dann wird nicht erst bei den unterschiedlichsten behaupteten technischen Einzelheiten, sondern bereits im Entwurf des Grundverständnisses deutlich, dass hierin eine äußerst mangelhafte Kenntnis der Ziele der Mahnwache gegen den Flughafenausbau vorliegt, obwohl Ihnen doch die Möglichkeit offen steht sich aus öffentlichen Quellen frei zu informieren. Primäres Ziel der Mahnwache gegen den Flughafenausbau ist es, unmittelbar bei Eintreten des Baustopps die Rückversetzung des dadurch zerstörten Landes in den Ausgangszustand und die Neutralisierung des dabei geschehenen Unrechts zu veranlassen. Dieser kann jederzeit verkündet werden oder noch auf sich warten lassen. Deshalb ist es nicht möglich eine zeitliche Befristung vorzugeben, da eine solche von der Subventionswirtschaft lediglich als Anreiz aufgefasst werden würde sie zu überschreiten. Ebenso wenig ist es möglich, eine Beschränkung der räumlichen oder personellen Ausdehnung anzugeben, da diese bei einem Anliegen vom genannten Stellenwert erwartungsgemäß weitreichenden Schwankungen und Unwägbarkeiten unterliegt. Auch detaillierte Ansprüche zur inneren Organisation der Präsenz, zur Art der verwendeten Materialien oder Bauweisen sowie zum Brandschutz müssen notwendigerweise unwirksam bleiben, da diese Dinge durch das alltägliche Wechselspiel persönlicher Ermessensspielräume mit wechselnden klimatischen Bedingungen geregelt werden. Übergeordnetes Prinzip hierbei ist, dass eine Veranstaltung, deren Zweck Erhalt und Rekultivierung einer von einer Investitionskatastrophe zerstörten Fläche ist, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren diesen auch auf die hierfür als Mittel in Anspruch genommene Fläche anwenden muss. Dass dies der Fall ist müssten Sie als Bürgermeister eigentlich selber merken.
Gottseidank ist das was Sie dort zusammenschreiben für unseren Alltag weitestgehend irrelevant. In einem Punkt muss ich Sie jedoch direkt auffordern Ihre Position zu korrigieren. Mit der Behauptung, von der Mahnwache gegen den Flughafenausbau gehe eine negative Wirkung oder gar Gefahr für irgendjemanden aus, verursachen Sie eine nicht verantwortbare Beeinträchtigung unserer Arbeit. Derartige Verleumdungen führen im Wald zu einem zusätzlichen Stalkingaufkommen durch Büttel welche sich einbilden in unserer Nähe nach der vermeintlichen Gefahr fahnden zu müssen. Dies ist nicht nur deswegen lästig, weil wir bereits einem ungefilterten Lärmaufkommen ausgesetzt sind, und daher gehalten leichter vermeidbare Belastungen um so stärker zu reduzieren, sondern auch da es sich dabei oftmals um Berufsverbrechereinheiten handelt, deren Angehörige ausschließlich aufgrund ihrer charakterlichen Mißstände in diese ideologisierte Rolle befördert wurden, und von denen aufgrund ihrer entmenschlichten Gewaltbereitschaft und fehlenden Transparenz ein allgemeines Sicherheitsrisiko ausgeht. Immer wieder müssen deshalb Büttel von der Mahnwache vergrämt sowie gegen von diesen in den Wald eingeführte Fahrzeuge und Reittiere Sichtschutzanlagen und Verkehrsberuhigungen errichtet werden. Jegliche Sicherheit dagegen dass diese die dünne Grenze vom Stalking zum Vandalismus, zur Körperverletzung oder zum Raubüberfall überschreiten muss ständig von neuem hergestellt werden. Auf diese Weise wird die öffentliche Gefahr welche Sie zu erkennen vermeinen realisiert, nur dass sie nicht wie fälschlicherweise unterstellt von der Mahnwache gegen den Flughafenausbau ausgeht, sondern von der Verklappung von Überkapazitäten an Staatsgewalt um uns herum, welche durch derartige verwaltungsmäßige Fehltritte verursacht wird. Damit beißt sich bei Ihnen in argumentativer Hinsicht die sprichwörtliche Katze in den Schwanz.
Um in diesem Punkt wieder ins Reine zu kommen wird es jedoch wahrscheinlich nicht genügen dass Sie Ihre Äußerungen berichtigen, dazu dürfte das Wort eines Bürgermeisters bei einer bereits in Marsch gesetzten Berufsverbrechereinheit wohl kaum ausreichend Gewicht haben. Um die Geister wieder loszuwerden die Sie gerufen haben, möchte ich Ihnen daher den Vorschlag unterbreiten in gütlichem Einverständnis die Verkehrsberuhigung der Gelben Grundschneise von uns zu übernehmen. Durch Errichtung eines Mittelpollers auf Höhe der Böschung Mönchwaldsee kann der störende Durchgangsverkehr sinnvoll verlagert werden. Auf diese Weise werden weder der Lieferverkehr der Mahnwache noch der durchgehende Fahrrad- und Fußgängerweg beeinträchtigt, wer jedoch lediglich zum Spazierengucken durchfahren möchte darf sich dafür einen besser geeigneten Weg suchen. Dies sollte außerdem rechtzeitig vor Beginn der Badesaison erfolgen, um von vornherein die Schwierigkeiten mit parkplatzsuchenden Badegästen zu vermeiden welche sich im Vorjahr bekanntlich immer dann auftaten sobald der Andrang einen bestimmten Grad überschritt. Ihnen stehen für eine solche Vorrichtung dauerhaftere und flexiblere Materialien sowie ein weiterreichendes Verrechtlichungsinstrumentarium bereit als der Mahnwache gegen den Flughafenausbau, welche diese Aufgabe lediglich aus unmittelbarer Nothilfe heraus übernommen hat.
Ihren Vorschlägen zur weiteren Entlastung unserer Beziehungen sehe ich entgegen.
Mit freundlichem Gruß,
Dieses Schreiben datiert bereits auf den Februar 2010. Seitdem hat sich bedingt durch die Entwicklungen in der Landespolitik (Bereitschaftspolizeiaffäre) das Belagerungsaufgebot größtenteils von der Mahnwache entfernt, aber gezielte Nachstellungen in der Ortschaft sind noch nicht abgerissen. Die Frage nach der Gestaltung der Gelben Grundschneise stellt sich nach wie vor. Was sich ebenfalls geändert hat ist die Haltung der Öffentlichkeit zu Auflagenbescheiden, die nach dem Drama dieses Sommers nicht mehr unbegründet als höhere Weisheit hingenommen werden. Glücklicherweise gab es auf der Mahnwache nie einen Todesfall, sonst stünden die Verantwortlichen für den nach wie vor irrsinnigen Auflagenbescheid wohl schlechter da als die KollegInnen in Duisburg.
„Sehr geehrter Bürgermeister Ockel (bzw. Nachfolger),
beim Heizen ist mir Ihr Schreiben vom 15. Januar d. J. in die Hände gefallen“
Hihi da musste ich einfach mal laut lachen.