Das Holm : Lärm wird akademisch

Der Flughafen will wachsen. Dazu bedarf es nicht nur einer Landebahn, sondern auch Strukturen und Institutionen, welche ihn auslasten, seine Vorrangstellung stützen und sie legitimieren.
Wie das aussehen soll, zeigt sich in Gateway Gardens. Hier soll das Herzstück der „Airport City“ entstehen. Geld verdienen lässt sich mit dem Betrieb eines Flughafens immer weniger. Umso mehr mit der Umgestaltung und Vermarktung seines Umfeldes. Grundüberlegung der Airport City ist, dass die Stärke des Flughafens nicht nur die Erreichbarkeit von Zielen in aller Welt ist, sondern dass er zugleich optimal erreichbar und damit einer der „weltbesten erschlossenen, aber gleichzeitig abgeschlossensten Orte“ ist.

Die geplanten Ansiedlungen von Condor , DB Schenker und des House of Mobility and Logistics zeigen die Entwicklung eines sogenannten „Logistik-Clusters“ auf. Ein Cluster ist nach der Definition des Wissenschaftlers M.E. Porter eine „räumliche Konzentration miteinander direkt oder indirekt verbundener Unternehmen und Institutionen, die in einem bestimmten Feld agieren“. In der Abschlussarbeit eines Logistik-Studenten der European Business School heisst es: „Clusterbildung verfolgt das Ziel, Produktivität, Innovation und Unternehmensbesatz zu steigern“.
Mit dem Ziel einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit legte die Europäische Union nach 2000 das Programm „Global Cluster“ auf. Daran beteiligten sich auch WissenschaftlerInnen aus der Region, Fördergelder flossen an die private EBS und an die TU Darmstadt. Im Mittelpunkt stand das Supply Chain Management, der möglichst effektive globale Warenaustausch mit einer zentralen Rolle der Luftfracht.

An der European Business School wurde die Airport City ab 2007 strategisch -mit Unterstützung der Landesregierung- vorgeplant. Dazu der Vorsitzende des Holm-Gründungsvereins, der Ex-Professor Dr. Stefan Walter und der Junior Projektleiter „Airport City“, Daniel Pulko: „Dass die Frage nach den Chancen und Risiken einer Airport City bereits heute schon sehr dringend ist, sieht man an der regionalen Diskussion, die nicht zuletzt durch den Flughafenausbau mit der Landebahn Nordwest nochmals an Fahrt gewonnen hat. Dabei ist der Begriff Flughafenausbau schon längst nicht mehr repräsentativ, denn er vermittelt nur die reine Anhäufung statischer Luftverkehrsinfrastruktur. Was wir erleben und auch benötigen, ist eine Flughafenentwicklung und -gestaltung, welche sich in der postulierten Airport City wie in der eigentlichen Stadtentwicklung auch verhalten muss. Das heisst, wir werden zum Beispiel noch stärker Nutzerinteressen, Mobilitätsbedürfnisse, gestalterische Aspekte und Sicherheit aufeinander abstimmen müssen….“ (Quelle: logistikblog.org)

Im Frühjahr 2009 wurde in Frankfurt die Gründungsurkunde für ein „weltweit einmaliges“ Projekt unterzeichnet: Das „House of Logistics and Mobility“ soll eine Art geistiges Zentrum der Airport City werden und ihre Urbanität sicherstellen: Eine richtige Stadt braucht eine Uni. (Namensähnlichkeiten mit dem „House of Finance“ sind beabsichtigt)
Geplant ist ein Gebäudekomplex von 20000 Quadratmetern für „interdisziplinäre und anwendungsorientierte“ Forschung. Konkret bedeutet dies, dass hier mit öffentlichen Geldern und Drittmitteln Nachwuchspersonal für Großunternehmen ausgebildet und rekrutiert sowie Forschungsprojekte allein auf der Basis unternehmerischer Verwertung durchgeführt werden können: Der „Wer kennt wen“-Netzwerk-Campus-Charakter der Airport City machts möglich.
Hauptfinanzier ist neben den erhofften Sponsoren das Land Hessen. Auch nach den Turbulenzen um die EWS im Zuge der Post-Koch-Aera bleiben (Ex-)EWS-Leute federführend im Trägerverein. Immer wieder betont wird die Ausrichtung auf Innovationen (z.B. Elektromobilität) , gesellschaftliche Verantwortung und eine prinzipielle Offenheit für alle Interessenten. Aber: Es ist nun mal das Konzept, das nicht offen, sprich: öffentlich ist

Der Veröffentlichung dienende, interdisziplinäre Forschung gehört an möglichst unabhängige Universitäten. An einem „House of Lufthansa, Bombardier, RMV and Fraport“ ist sie schlecht aufgehoben. Das Airport City-Konzept soll die Gesellschaft verstärkt an die Bedürfnisse des Flughafens anpassen und von ihm abhängig machen. Eine mögliche rot-grüne Landesregierung sollten wir AusbaugegnerInnen dazu drängen, das HoLM- Projekt aufzugeben.


2 Antworten auf “Das Holm : Lärm wird akademisch”


  1. 1 vega-lounge 27. Januar 2012 um 14:31 Uhr

    Zu den „Querelen“ an der European Business School und ihre Verbindung zum HOLM noch ein paar Anmerkungen:

    Einer der drei Hauptstudiengänge an der EBS in Oestrich Winkel ist „Aviation Management“. Studierende werden mit dem Versprechen „Die Luftverkehrsindustrie wächst seit Jahren – die zunehmende globale Vernetzung fördert auch in Zukunft ein stabiles Wachstum“ angeworben, hier ihren Bachelor-Titel in straffen sechs Semestern zu erwerben.
    Stefan Walter war hier bis 2009 als Juniorprofessor mit Schwerpunkt „Ground handling“ ( Bodendienste für Luftfracht) und „Future of Logistics“ am wichtigsten Institut der EBS, dem Supply Chain Management Institute (SMI),tätig. Der damalige Chef der EBS, Christopher Jahns, steuerte das SMI über das Deutsch-Schweizer Wirtschaftsberatungsunternehmen Brain.Net -an dem er als Verwaltungsratspräsident mitbeteiligt war- und einer daran angesiedelten Dienstleistungsfirma. 2009 wurde Prof.Walter nach Frankfurt abgeordnet, um das HOLM aufzubauen -gemäss der Devise, dass Stärken von Industrie-Clustern zunehmend von Logistik-Clustern bestimmt würden und die EBS dabei den Kern eines „Kompetenz-Clusters“ einnehmen könnte.
    Zunehmend schuf sich Jahns, der einen wirtschaftsnahen Expansionskurs auf Kosten akademischer Seriosität gefahren sein soll, Feinde unter seinen Wissenschaftskollegen. Ueber einen Untreuevorwurf -er soll öffentliches Geld, dass im Zusammenhang mit der Neugründung der Law School Wiesbaden floss- über die Firma Brain.Net veruntreut haben- kam er schliesslich zu Fall. Mag es mit dem Fehlen der schützenden Hand Roland Kochs zusammenhängen, jedenfalls wurde er am 4.4.2011 in einer spektakulären Polizeiaktion unter dem erweiterten und möglicherweise fingierten Vorwurf Morddrohungen ausgesprochen zu haben , verhaftet. (fiese Tricks von Polizei und Justiz….) Darauf war er alle Aemter bei der EBS und Brain.net los. Dr.Walter hat seinen Ex-Chef bis zum Schluss verteidigt. Es sieht so aus dass, der EBS-Einfluss beim HOLM aufgrund der Affaire zugunsten der Uni Frankfurt und der TU Darmstadt abgenommen hat. Vom ehrgeizigen Ziel Walters, das HOLM rasch mit 50 Professorenstellen in enger Verzahnung von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auszustatten, war zuletzt nichts mehr zu hören. Dr Walter ist bei der HOLM GmbH nur noch für die inhaltliche Konzeption zuständig, für die praktische Realisierung ab 2012/13 hat die Landesregierung Christian Garbe eingesetzt, der bereits ein ähnliches Cluster-Projekt in der Biotechbranche, das Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie (FIZ) betreut.

  2. 2 FloMzWi 27. Januar 2012 um 23:39 Uhr

    Offener Brief an FRAPORT/bzzgl. Pressegespräch von Hr. Schulte (AZ Mainz/21.01.2012)

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Dt.Flugsicherung in Langen hat interne Berechnungen über die Anzahl der „Beinah-Zusammenstöße“ über dem Rhein-Main-Gebiet. Diese internen Berechnungen besagen, dass es keine Frage des OB (ob ein Flugzeug abstürzt) sonder nur des WANN (es abstürtzt) ist.

    Daher kann ich nur hoffen, das eine Transportmaschiene über unbebautem Gebiet abstürzt und sich die Piloten rechtzeitig retten könne.

    Dieser ABSTURZ eines Flugzeuges ist kein Wunschdenken eines Lärgeplagten Wiesbadeners, sondern reine Mathematik der DFS.

    Damit hätten sich dann auch diese Sandkastenspiele um ein Nachtflugverbot aufgelöst:

    -Ab dem ABSTURZ-Zeitpunkt wird es um eine Schließung der neuen Landebahn und einen Rückbau des gesamten Flughafens gehen.

    -Und (zum Glück) würde FRAPORT von ein auf die andere sekunde die wirtschaftliche Grundlage mindestens zu 50 Prozent wegbrechen.

    ICH werde dann eine Flasch Sekt aufmachen…

    Ein vom Lärm genervter Rhein-Mainer

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