„Stuttgart goes auch Frankfurt“

Von den (deutschen) Politikern die kalte Schulter gezeigt bekommen? Und selber (sibirisch-)kalte Füsse?
Die Stuttgarter Protestbewegung hat die Wirksamkeit der Indoor- Demos erkannt und demonstriert -parallel zu Frankfurt und Berlin- am Samstagmittag in der Empfangshalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs.

Anlass ist dort der begonnene Abriss des Südflügels und die in den nächsten zwei Wochen drohende Parkräumung. Im Stuttgarter Aufruf heisst es, „Trotz Wut soll gegenüber Ladenbesitzern und Bahnkunden friedlich und freundlich aufgetreten werden – gern darf auch konsumiert werden“ Auf Vuvuzelas (die in der Bonatz-Halle so schön dröhnen) soll verzichtet werden: „Lieber was Kreatives“.
Hinter der symbolischen Aneignung des Bahnhofs steht der Schlachtruf: „Wessen Bahnhof ?“ Daraus können wir in Frankfurt etwas lernen. Denn die Stuttgarter Antwort lautet: „Unser Bahnhof !“ Wie klänge das, wenn wir Rhein-Mainer „Unser Flughafen !“ skandieren würden?


Tatsächlich liegen die Eigentumsverhältnisse bei Bahn und Fraport nicht so weit auseinander – sie sind semi-öffentlich, aber die Kapitalisierung und Privatisierung schreitet voran – wenn nicht Einhalt geboten wird.

Viele Leute realisieren erst jetzt, dass sie mit ihrem Wahlverhalten der letzten Jahre objektiv Eigengefährdung betrieben haben. Denn viele Politiker, denen sie ihre Stimme gegeben haben, sitzen in den Flughafen-Aufsichtsräten. Auch die Frankfurter Grünen über die Fraport-Anteile der Stadt Frankfurt. Oder sie sitzen an den legislativen Schalthebeln, wie der Ex-Fraport Betriebsrat Wichtel (CDU).
Wirtschaftsminister Posch hat am Freitag der Opposition vorgeworfen, sie betriebe „reine Emotionalisierung“. Sprich: Sie nütze die Wutstimmung parteipolitisch aus, unterscheide sich aber von der inhaltlichen Position, die durch „Sachzwänge“ geprägt sei, gar nicht so stark von der Regierung.
An dieser Argumentation ist durchaus etwas dran. Auch deshalb hat das Bündnis der Bürgerinitiativen einen programmatischen, sehr basis-politischen Aufruf für die Demo am Samstag verfasst, der auch eine politische, soziale und ökologische Kritik des „WachstumsSystem Flughafen“ umfasst.
Und deshalb ist es auch wichtig, dass diese Forderungen am Samstag durch möglichst Viele unterstrichen wird.
„Frankfurt goes auch Stuttgart“, wenn es heisst: „Wessen Region- Unsere Region !“


2 Antworten auf “„Stuttgart goes auch Frankfurt“”


  1. 1 vega-lounge 04. Februar 2012 um 1:11 Uhr

    Die Kundgebung in der Längshalle des Stuttgarter Hauptbahnhofs wurde von der Ordnungsbehörde wegen angeblicher Einschränkung der Fluchtwege (Entfluchtung) nicht genehmigt.
    Dazu Hannes Rockenbauch, Sprecher des anmeldenden Aktionsbündnisses: „Wenn es am Frankfurter Flughafen möglich sein soll, das Recht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten, müsse das auch im Stuttgarter Hauptbahnhof möglich sein“

  2. 2 vega-lounge 10. Februar 2012 um 13:05 Uhr

    Die Demo hat übrigens doch noch stattgefunden, wenn auch ohne Anmeldung und Versammlungsleitung. Das ging so: Der Bahnhof war zwar abgesperrt, aber 150 Leute begleiteten jeweils eine Person „zum Zug“. Ergebnis : 300 Leute am Gleis 16, direkt am Südflügel.

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