Ja zu Fra? Fraport dreht Phonzahl hoch

Erweckten die Veranstalter der Pro-Ausbau-Demo am 1.3.2012 bisher den Eindruck, es sei im wesentlichen ein Aufzug der Flughafenbeschäftigten geplant, so hat sich das jetzt geändert. Mit Radiowerbespots wird die Bevölkerung aufgerufen, an der Demo teilzunehmen und ein klares Bekenntnis für die Arbeitsstätte Flughafen und den weiteren Ausbau auszusprechen.
Auf Nachfrage bestätigte der HR, dass die Spots von Fraport in Auftrag gegeben wurden: „Jedes Wirtschaftsunternehmen habe einen Anspruch auf Ausstrahlung seiner Werbespots, sofern sie den rechtlichen Bestimmungen entspricht“. Flughafenausbaugegner berichteten bisher, der HR habe Radiowerbung für die Montagsdemos mit Verweis auf das politische Neutralitätsgebot abgelehnt.

Neutral ist der HR im Zusammenhang mit dem Flughafenausbau keineswegs, auch wenn er gerne auf angebliche redaktionelle Unabhängigkeit und ausgewogene Berichterstattung verweist. Der hessische Rundfunk betreibt seit längerem eine Unternehmenskooperation mit Fraport und zahlreichen Airlines, der das „Win-Win“-Ziel der HörerInnenbindung und der Akzeptanzsteigerung der Luftverkehrswirtschaft zugrunde liegt.
Ein Beobachter: „Offenbar will Fraport den Konflikt auf der Befürworterseite emotionalisieren. Um die strategischen Forderungen der Landebahnschließung und der Startbegrenzungen abzuwehren, sollen die Ausbaugegner als egoistische Fortschrittsfeinde dargestellt werden. Wie das läuft, haben die Pro Stuttgart 21 Kampagnen gezeigt. Dort gelang es, massiv junge Leute anzusprechen. Das dürfte hier schwerer werden, denn es wehren sich auch viele Junge gegen den Ausbau“.

Vielleicht vertrauen Fraport und Burson-Marsteller aber auch selbst nicht so ganz auf die Wirkung der Radiowerbung und eher auf den Druck, den sie gegenüber ihren MitarbeiterInnen aufbauen können. Einem BI-Aktiven wurde berichtet, dass Fraport und Lufthansa Listen auslegen würden, wie viele Personen ihre Angestellten denn zur Demo mitbringen wollen.

Bezüglich der ebenfalls nahenden Revisionsverhandlung ist auch dieser FNP-Artikel lesenswert, indem die Argumentation des größten Fraport-Aktionärs auseinandergenommen wird. (Wir lernen: Nachtflüge dienen der Gesundheit von AnwohnerInnen).

Ergänzung: Wie die FR berichtet, ist inzwischen zumindest klar, dass die Fraport für alle MitarbeiterInnen die Fahrtkosten übernimmt. Viel interessanter als die Frage nach direkt gekauften DemonstrantInnen ist aber weiterhin, wie Fraport und Co. die ökonomische Abhängigkeit ihrer MitarbeiterInnen ausnutzen werden.


1 Antwort auf “Ja zu Fra? Fraport dreht Phonzahl hoch”


  1. 1 Bea 01. März 2012 um 23:27 Uhr

    Guter Kommentar, besonders der Hinweis darauf, daß man uns Flughafenausbaugegnern Radiowerbung für die Montagsdemos mit Verweis auf das politische Neutralitätsgebot abgelehnt hat. Das zeigt, wie die Medien sich ganz offen auf die Seite der Industrie schlägt und ihre Verpflichtung zur Neutralität und zur Einhaltung des Rundfunkstaatsvertrags verletzt – danke!

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