Linke und andere Aufrechte

Bericht von der 13. Montagsdemo und der Fraktionssitzung der Partei „Die Linke“ im Terminal

Für 16 Uhr letzten Montag hatte die Partei „Die Linke“ eine „öffentliche Fraktionssitzung“ im Terminal angekündigt. Ob die Versammlung wohl tatsächlich stattfinden würde? Jedenfalls lohnte es sich, an diesem Montag zwei Stunden früher für die Montagsdemo ins Terminal zu kommen, vor allem weil mehr inhaltliche und diskursive Beiträge zu erwarten waren als bei der abendlichen Demo.


Die Versammlung fand auch tatsächlich statt, wäre aber wohl ordnungsrechtlich problematisch geworden, hätten die Veranstalter sie nicht noch kurzfristig als Versammlung angemeldet. Das Motto war „Die Landebahn muss weg“. Dazu kam der Ausfall von 20 Prozent der Flüge durch den Streik sehr gelegen: Es gäbe eine Kapazitätsreserve durch (dauerhafte) Verlagerung von Verkehr auf die Schiene für alle Ziele, die binnen sechs Stunden mit dem Zug erreichbar wären. In diesem Zeitkorridor lägen 5 der 6 aufkommensstärksten Flugziele ab Frankfurt (zuvorderst Berlin). Zum Streik der Fluglotsen meinten die Landtags-Linken, man unterstütze die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und Löhnen am Flughafen, aber eine einheitliche Organisation der ArbeitnehmerInnen sei wünschenswert. (Wie diese aussehen müsste, wurde nicht weiter ausgeführt).

Prof. Friedrich Thiessen redete für das Rhein Main Institut über Arbeitsplatzeffekte durch Flughafen. Das Rhein Main Institut ist ein Zusammenschluss ausbaukritischer WissenschaftlerInnen aus der Region, der „Think Tank“ der kommunalpolitischen Aktion „Zukunft Rhein Main“. Kurz zusammengefasst sagte er: Die Empfehlungen der Mediation im Jahr 2000 über Arbeitsplatzeffekte der Kapazitätserweiterung beruhen auf Gutachten, die von Profiteuren des Ausbaus (Lufthansa u.a.) selbst erstellt sind. Die moderne internationale Forschung zu diesem Thema komme zu dem Ergebnis, dass kein Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Wohlergehen einer Region und einem Flughafenstandort nachweisbar seien. Wirtschaftlich bedeute der Airport für Rhein Main einen „Linke Tasche – Rechte Tasche Effekt“: Die Bevölkerung könne ihr Geld nur einmal ausgeben, Geld welches früher in der Bäckerei nebenan ausgegen wurde, fliesse jetzt beispielsweise ins Airport Shopping oder eine Flugreise…

Insgesamt war die Kulissen-Präsenz von Fraport-Konzernsicherheit und Polizei bestimmt so groß wie die Zahl der Zuschauer. Das änderte sich erst um halb sechs, als sich im S-Bahn Takt das Terminal füllte. Diesmal wurde die Montagsdemo von der BI „Eintracht Niederrad“ moderiert. Altgediente Startbahn West -Hüttendörfler (Benno und Stephan) sorgten für die musikalische Umrahmung. Hauptredner war John Stewart von der UENCA. Er war eine der Schlüsselpersonen bei der (bisherigen) Verhinderung der 3. Bahn in London Heathrow. Sein Redebeitrag war allerdings mehr eine Grussadresse als eine inhaltliche Rede. Auch ehemalige WaldbesetzerInnen waren mit einem Transpi vor Ort, das die Gesamtproblematik Flughafen auch jenseits des Lärms thematisierte.

Emotional wurde es beim Thema „Ja zu Fra“ Demo. Überhaupt war das heimliche Motto dieser Montagsdemo: „Wir zahlen unsere Anfahrt selber“. Die Kundgebung von Fraport und Lufthansa wurde in die Nähe von Putin-Jubeldemos auf dem roten Platz gerückt.
Aber auch hier wurde nur indirekt gegenargumentiert, genauso wie man seitens der BI-Spitze den 1.3. nur beobachten und auswerten will, um bei der eigenen Demo am 2.3. um 17 Uhr auf dem Goetheplatz inhaltlich gegenhalten zu können.
Zentraler Begriff bei der Opposition gegen „Ja zu Fra“ war der Begriff „Heimat“, mit dem auch die Werbeagentur der Fraport argumentiert: „Wir lassen uns nicht vertreiben und schöpfen aus unserer Heimatverbundenheit die Kraft zum Protest“.


1 Antwort auf “Linke und andere Aufrechte”


  1. 1 ä-pi 01. März 2012 um 15:59 Uhr

    Fraport-Demo Webcam live

    Für alle die sich das Spektakel aus der sicheren Perspektive ansehen möchten:

    http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=3799&_ffmpar[_id_inhalt]=7015

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