Ja zu Fra? Ein Rückblick

Die Fraport und ihre Freunde haben bewiesen, was alle schon wussten: Mit genug Geld, Macht und Einfluss lässt sich ein voller Römer, überwiegende Jubelberichterstattung in der Presse und selbst eine Meldung in der Tagesschau mühelos organisieren. Das sich unter diesen Umständen aber eine menschenverachtende, profitorientierte Expansionspolitik grün und sozial waschen lässt, ist sehr viel unwahrscheinlicher. Es bleibt zu hoffen, dass nicht allzu viele Flughafenbeschäftigte dem Horror-Märchen aufgesessen sind, die Fraport- und Ausbaukritiker wollten ihre ökonomische Existenz, ihr Seelenheil oder was auch immer zerstören.

Von der sonstigen Berichterstattung hebt sich dieser swr-Beitrag angenehm ab.
(Fazit Pro-Flughafen: Frankfurt sei nur wegen dem Flughafen keine Provinzstadt. Wer jünger als der Flughafen ist, darf sich nicht über Lärm beschweren.)

Dokumentiert seien hier außerdem zwei Kommentare auf FR-Online:

„Muss schon sagen, habe selten eine dermaßen perfide Veranstaltung erlebt. Die PR-Agentur hat wirklich gute Arbeit geleistet, die Auftraggeber können zufrieden sein. Soweit ich das gesehen habe, war die Sache ziemlich perfekt organisiert.
Info-Truck, Zelte, Riesenbühne, Musik zum Aufwärmen vorweg, vorgefertigte Schilder (habe kein selbstgemachtes Transparent gesehen), jede Menge Aufkleber, Sticker für umme, Hinweisschilder, viele Ordner, eine volle Bühne und ein voller Römer. Flotte Moderation von einer Dame, die „fliegt, seit sie denken kann” (oje), Ansprachen vom Vorstand bis runter zum Azubi, vom Frachtmanager „Wir müssen auch in der Nacht fliegen können“ über Boden- und Luftpersonal „Solange die Flugzeuge fliegen, haben wir Arbeit“, danach Ergebenheitsadressen von nem Unternehmerverband „Gruß aus Kronberg“, einem Manager eines gesponserten Sportvereins, einer Hilfsorganisation „Danke Fraport, dass wir keine Startgebühren zahlen müssen wenn wir Medikamente nach Haiti bringen“ bis zu Kindern „Mein Papa arbeitet am Flughafen“ mit selbsgemalten Bildern „Zeig uns doch mal das Bild mit dem Flugzeug drauf“ und circa 3.634 mal die Worte Arbeitsplätze, Wohlstand, Fortschritt, Jobmotor …
Die Veranstaltung war deshalb so perfide und perfekt, weil alle, die dort waren, spätestens jetzt das Feindbild „Ausbaugegner“ verinnerlicht haben. Denn diese Ausbaugegner – dieser Zusammenhang wurde dauernd hergestellt – wollen den Arbeitern am Flughafen den Job, den Lohn und die Zukunft wegnehmen. Es wurde dauernd suggeriert, dass die Ausbaugegner gegen den Flughafen an sich seien. Und was das für den Arbeiter oder Angestellten eben dieses Flughafens bedeutet, konnte sich jeder lebhaft ausmalen. Nämlich Jobverlust, Arbeitslosigkeit, schlechte Zukunftsaussichten etc. Ich wundere mich nicht, wenn es demnächst zu heftigeren Konfrontationen zwischen den Lagern kommen sollte, diese Veranstaltung heute war der erste Schritt in eine Spirale der Eskalation. Schulte, Teckentrub und Burson-Marsteller sei Dank.“

„Ein großes Lob an die professionellen Organisatoren der Fraport AG und der PR-Agentur Burson-Marsteller, deren Frankfurter Chef Karl-Heinz Heuser ganz am Schluß eifrigst die Hände mit diversen Fraport- und Lufthansa-Managern schüttelte (ich stand direkt daneben), aber ansonsten eher im Hintergrund blieb. Es gab: – GRATIS Getränke und Brezeln, die so reichlich vorhanden waren, dass sie am Schluß im großen Stil für zuhause mitgegeben wurden. – GRATIS fertig gedruckte und professionell aussehende Transparente, so dass niemand sein Transparent selbst malen musste – GRATIS Anstecker und Aufkleber – GRATIS Baseball-Kappen – einen GRATIS Shuttleservice Und natürlich ganz viel Infomaterial. Die riesige Bühne genügte ebenso professionellen Anforderungen wie die ganz ausgezeichnete Lautsprecheranlage, durch die man sogar zwei Nebenstraßen weiter jedes Wort verstehen konnte, das auf der Bühne gesagt wurde. Der Fraport-Truck war auch da, und natürlich Zelte.
Auch die sogenannte „Bürgerinitiative Pro Flughafen e.V.“ hatte ein eigenes Zelt, in dem Fraport-Prospekte lagen. Die musste der Vorsitzende nicht mal selbst heranschaffen, denn die wurden ebenso wie die Transparente seines Vereins in einem weißen Fraport-Transporter angeliefert und abgeholt, ebenso wie das ganze andere Werbematerial. So sieht das aus, wenn PR-Profis richtig loslegen und uns Bürgern vortäuschen, dass es nicht nur um reinsten Lobbyismus geht. So sieht das aus, wenn Mitarbeiter von Firmen sich vor den Karren der Shareholder spannen lassen.
So sieht das aus, wenn die Minderheit, die am Flughafen arbeitet, der Mehrheit, die den Lärm und die Luftverschmutzung abbekommt, zynisch Transparente mit Aufschriften wie „Fliegst Du schon oder schläfst Du noch“ vor die Nase hält (diese Transparente gab es wirklich!). So sieht das aus, wenn ein paar kapitalkräftige Firmen versuchen, sich unserer Demokratie zu bemächtigen. Wer lässt morgen demonstrieren? Banken? Versicherungen? Waffenhersteller? Beate Uhse? Wir sind hier nicht in Russland oder einer Bananenrepublik. Dieser Missbrauch des Demonstrationsrechts ist eine Schande für das ganze Land.“


1 Antwort auf “Ja zu Fra? Ein Rückblick”


  1. 1 vega-lounge 10. März 2012 um 1:36 Uhr

    Neben dem Auftritt der Baufirma Max Bögl („Gebt der Jugend eine Zukunft“) im Rahmen der PR-Initiative „Pro Flughafen“ blieb bei mir vor allem die Firma Lufthansa Cargo nachhaltig in Erinnerung.
    Neben dem Fraport VIP- Truck hatte Lufthansa Cargo ein weisses Partyzelt aufgebaut. Es wurde von zahlreichen Damen und Herren in Cargo -Betriebsrats-Warnweste betreut.
    Dass auch Herr Dr. Schulte seinen Auftritt in Malocher-Warnweste absolvierte, wurde vom Publikum mit Wohlgefallen aufgenommen, denn es war klar, dass er nur unter dem öffentlichen Druck diese Verbeugung vor seinen (?) „Mietarbeitern“ durchführte.
    Was war nun bei Lufthansa Cargo so nachhaltig auffällig? Das waren vor allem die Parolen, die wie von vorgestern wirkten:

    NUR WACHSTUM SICHERT ARBEITSPLAETZE
    WIR ARBEITEN GERN AM FLUGHAFEN
    RUSH- HUMAN ORGANS
    DIE FRACHT BRAUCHT DIE NACHT

    Nee,die Fracht braucht die NICHT. Die meiste Fracht hat 1-2 Tage Zeit . Mit Kerosinsteuer wäre das Air-Cargo-Volumen viel geringer, und die Konkurrenz der Standorte betreiben die Herren ganz bewusst. Die Rühr-Story von der zu verpflanzenden Niere, die wegen Nachtflugverbot in Frankfurt liegenbleibt, ist so lebensnah wie eine „Kommissar Rex“-Folge. Und die Proletarier, die immer gern arbeiten, sind mit dem Ende der SED-Propaganda Geschichte. Dass nur Wachstum Arbeitsplätze sichert, ist hingegen im Kapitalismus leider Realität. Wenn nur diese dummen Kriege, Wirtschaftszusammenbrüche, Ausbeutungsverschärfungen und Oeko-Katastrophen nicht nötig wären um neues Wachstum und Profit zu generieren….
    Na ja, es sollen ja auch die Arbeitsplätze sicher sein, nicht die Arbeiter..
    Da passt die grossformatige Story in einem Frankfurter Anzeigenblatt ins Bild, welche diese Woche erschien:
    Abgebildet ist eine junge Frau von LH-CARGO mit ihrer etwa fünf Jahre alten Tochter, die ein blaues Schild mit folgendem Slogan in der Hand hält: JA ZU FRA- DAMIT MEINE MUTTER IHRE ARBEIT BEHAELT

    Da drängt sich der Eindruck auf: Hier wird Druck von oben an die jeweils sozial Schwächeren weitergegeben und diese für Chef-Interessen instrumentalisiert. Und ungewollt wird der Druck auch noch an die Kinder weitergereicht.
    Die können das ja auch nicht früh genug lernen.

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