„Fraport über alles“ – Höher, höher, höher

Ein Text zur „Ja-zu-Fra“-Kundgebung am 01. März auf dem Frankfurter Römer:

Nach monatelangen Demonstrationen im Flughafenterminal und vor der Fluglärm-Demo am 2.3. in Frankfurt dachte sich die Fraport: „was die können, können wir schon lange“ und engagierte die PR-Agentur Burson & Marsteller. Der Griff war nicht schlecht, hat sich diese Agentur doch schon nach Atomunfällen und für Militärdiktaturen engagiert, verlorene Images aus dem Dreck zu ziehen, also ein vertrauenswürdiger Partner in der Sache.

Wie die Entertainerin am Mikrophon euphorisch betonte, übertraf das Ergebnis alle Erwartungen. Mehrere Tausend erzwungene DemonstrantInnen, einheitlich Fraport/Lufthansa-gekleidet und beschildert, blickten am Römer starr geradeaus. Derweil versuchten RednerInnen und Entertainerin, sich so unprofessionell wie möglich zu verhalten, indem sie wild aus der Luft gegriffene Zahlen um sich schleuderten, um den Statusunterschied nicht in Gefahr zu bringen: wir regeln alles da oben, ihr findet alles toll. Es herrschte (im wahrsten Sinn des Wortes) Rehaklinik- und Schulausflugstimmung.

„Sachliche Fakten entgegensetzen“ war das deklamierte Ziel dieser Jubeldemonstration, deshalb haben sich auch kritische BeobachterInnen unter die Angestellten gemischt und einen professionellen Nonsens-Text zu Wirtschaftswachstum zum unterzeichnen herumgereicht. Wegen der absolut bedrückenden Atmosphäre wurden nicht mehr als 40 Leute angefragt, von denen jedoch über 30 den Aufruf unterzeichneten, einige davon, nachdem sie ihn sorgfältig durchgelesen hatten (siehe unten). Aussage war unter anderem, dass mehr Arbeitsplätze entstehen, weil ja Leute die mehr fliegen, auch mehr scheißen, und weil es mehr Abschiebungen geben wird. Andere AusbaugegnerInnen hielten Schilder hoch wie „Fraport über alles“, „Ja zu Bla“, „Für eine Landebahn auf der Zeil! Lauter, teurer“, „Ja zur Frau“, „Lärm ist schön“ (auf einem Mülleimer; wurde dann vorsichtig hineingeschoben); oder verteilten Flyer, mit denen die Leute ernsthaft über ihre Rolle in dem Spiel aufgeklärt wurden (siehe unten). Es waren die einzigen Flugblätter im Umlauf, und sie wurden von mehreren Leuten zu 100 % gelesen.
Eine etwas auffälligere Aktion der Linken Partei mit sarkastischen Sprüchen wie „Die Leute müssen weg“ wurde von der Polizei verbannt.

Am Mainufer standen mindestens 15 Busse, zu denen ein Teil der „DemonstrantInnen“ am Ende per Megaphon aufgerufen wurden, so dass noch mal richtig Flughafenstimmung entstand.
Die Fraportschilder, auf denen ein Feld zum Hinzufügen eigener Parolen vorgesehen war, standen hinterher auf dem verlassenen Platz malerisch im Mülleimer. Die Parolen entbehren eigentlich jedes Kommentars und waren auch durch Satire nicht zu übertreffen:

Frankfurt ohne Flughafen ist wie London ohne Tower
Wir wollen nicht nur schlafen, sondern auch arbeiten!
Wir sind seit 1936 hier und ihr?
Schläfst du noch oder fliegst du schon?
Keine Totenstille über Frankfurt!
Lieber laut als arbeitslos
Ich bin Moritz, 7 Jahre, meine Schwester heißt Pauline, 6 Jahre, unsere Ausbildung möchten wir am Flughafen machen und nicht im Arbeitsamt
Unsere Flieger haben 90 db, meine Autoanlage 110 db

Rednerin (Animateurin):

… und diese Jugendlichen die jetzt hier sind, das sind Jugendliche, die auch in die Zukunft denken, die zeigen es: das ist keine Nullbockgeneration!
Und zu der Frage, die immer wieder von Medien gestellt wird, ob wir freiwillig hier sind; ich denke, diese Zahl macht klar: Ja, wir sind alle freiwillig hier!
Hier stehen Menschen, die gerne fliegen!
Diese Begeisterung für den Flughafen ist das, was uns hier vereint.“

Die Frage der Medien bezog sich einerseits auf die simple Tatsache, dass Angestellte zur Demo gekarrt werden, andererseits wurde auch bekannt, dass MitarbeiterInnen und Ehemalige von Fraport und Lufthansa schriftlich mitteilen mussten, ob sie kommen und wie viele Familienmitglieder sie mitbringen. Verweigerer spürten alsbald Repressalien.

Bemerkungen im Publikum:

Also wir gehen. Wir waren jetzt eine Stunde da, das reicht doch! ..schau doch mal wie die guckt! Die verpfeift uns bestimmt wenn wir jetzt gehen. Sie sind doch bestimmt von der UKM, oder? Ach, Sie sind gar nicht von der Fraport! ..private Initiative? Ja, das kann jeder sagen! Jetzt schau mal wie die lacht!
Was macht der denn jetzt auf der Bühne? Jaja, weißt du, der badet jetzt in der Menge, der ist heute nur gekommen, weil er sich denkt: 1000de Leute, und alle für mich!

Interview:

Also ich war in Hamburg und habe da an der Elbe gewohnt. Da habe ich die Boote gehört. Und die Leute, die an der Straße wohnen, beschweren sich doch auch nicht!

Reaktionen auf Unterschriftenliste:

Hier gibt es die Waschmaschine, ja?
Unterschreib, dann kassierst du die 1000 Euro!
Neinnein, er wird die 1000 Euro gewinnen!
Oh, was ist denn eine Precamine? Wahrscheinlich ein prekäres Arbeitsverhältnis, jaja, ok!
Darf ich mal lesen? Nicht dass Sie von der Gegnerseite sind, haha!
Ja egal, unterschreiben wir! Für Fraport, das ist die Hauptsache! Da unterschreiben wir alles.

Text der Unterschriftenliste:

(Anmerkung: Wörter die ihr nicht kennt, kennt das Lexikon auch nicht)

Ihre Stimme für Ihre Region!
Initiative für Fortschritt Rhein-Main

www.ifrm-studien-zum-flughafenausbau.de/richtig-informieren.de

Die Abstreitung des wirtschaftlichen Mehrwertes der Flughafenerweiterung von Seiten der Ausbaugegner im Rhein-Main-Gebiet basiert auf willkürlich ausgesuchten Tendenzen der Arbeitsmarktentwicklung, die nicht um die Zunahme an Handlungsflexibilität im Agglomerationsraum korrigiert wurden, der im Wirtschaftsstandort Deutschland eine nie dagewesene Bedeutung erfährt.
Die Behauptung, es würden unter dem Strich weniger Arbeitsplätze und mehr Precaminen entstehen, können Spezialisten aus der Logistikbranche, Wirtschafts- und Sozialforschung schwerwiegende Fakten entgegensetzen. Für den Sprung in die stark erhöhte Zahl akzepter Planarien pro Tag war schon im Vorhinein ein Einstellungsanstieg junger High Potentials notwendig und in der Umsetzung für alles vorgesorgt. Allein die erhöhte Benutzung sanitärer Anlagen in den betreffenden Zonen lässt die Anzahl an Zulieferern für Reinigungsmittelbetriebe erwiesenermaßen um 2,6 % steigen. Gerechnet wird unter anderem auch mit einer höheren Zahl Ausreisepflichtiger unter den Normalpassagieren (Keynes Institut für Sozialforschung 2011). Das bedeutet für die Fraport AG eine erhöhte Logistik an Einstellungen im Sicherheitssektor, deren Spezialausbildung zentral ausgelagert und im Umkehrschlussverkauf die soziale Marktwirtschaft ankurbeln wird. Die binellen Arbeitsplatzmärkte um den Fraportsektor herum, die die Partei Bündnis 90 – die Grünen und das Bündnis der Bürgerinitiativen in ihren beauftragten Studien bewusst ignorieren, werden sich entgegen jener Erwartungen in den nächsten Jahren stark hervortun. Informieren Sie sich auf unserer Homepage.

Wir fordern Partei, BBI und weitere Ausbaugegner auf, sich mit ihren inubsistent errechneten Zahlen kritisch auseinander zu setzen.
Sie werden sich in der Realität als nicht haltbar erweisen.

Für die Flughafenerweiterung!

Flyertext:

Liebe Teilnehmer der JA zu FRA – Kundgebung!
Wir bitten Sie als Teilnehmer dieser Pro-Ausbau-Demonstration um Beachtung folgender Punkte:
Was Lufthansa und Fraport in der Öffentlichkeit als „Versachlichung der in den letzten Wochen immer emotionaler geführten Diskussion um den Ausbau des Frankfurter Flughafens“ darstellen, ist in Wirklichkeit eine an Dreistigkeit kaum zu überbietende Medienkampagne eines auf solch ‚schwierige‘ Fälle spezialisierten PR-Profis.[1] Die Werbeagentur ‚Burson-Marsteller‘, die beauftragt wurde, eine entsprechende Kampagne ins Leben zu rufen, ist spezialisiert auf Unternehmen, deren ramponiertes Image in der Bevölkerung dringend aufpoliert werden muss. So sind viele unter den Kunden, in deren Verantwortung Atomunfälle, Medikamentenvergiftung, Ölunglücke und Finanzkrisen fallen, aber auch Despoten wie Rumäniens Diktator Ceaucescu und die argentinische Militärjunta. Burson-Marsteller nutzt als Teil seiner Strategie oft fingierte Bürgerbewegungen, um Meinungen in der Bevölkerung vorzutäuschen. [2]
Liebe KundgebungsteilnehmerInnen, bitte hinterfragen Sie Ihre eigene Rolle, in diesem Schauspiel. Nutzen Sie die Gelegenheit und fragen Sie Ihre Mit-DemonstrantInnen, ob und wie von Seiten ihres Arbeitgebers auf sie Druck ausgeübt wurde, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Wir wissen, dass einigen der TeilnehmerInnen die Zeit der Teilnahme an dieser Kundgebung sogar vergütet wird.
Das ausgerufene Ziel der Initiatoren, als Flughafen mit den Größten der Welt konkurrieren zu wollen [3], kann inmitten eines Ballungsraums schlichtweg nur als realitätsfern bezeichnet werden. Das Argument der Gefährdung Ihres Arbeitsplatzes ist in der Regel auch reiner Populismus, denn schließlich wäre bei kaum jemandem von Ihnen der Arbeitsplatz gefährdet, wenn Fraport schlichtweg nicht derart expandieren würde. London Heathrow, der mit Abstand größte Flughafen Europas, hat gerade mal zwei Runways, Frankfurt besitzt seit Oktober vier!
Mit Recht rufen wir somit Fraport und die Initiatoren dieser Medienkampagne dazu auf, sachlich zu bleiben und auf Mittel wie das Vortäuschen einer Initiative der Bevölkerung zur Durchsetzung ihrer Ziele zu verzichten.  Und Sie als Teilnehmer bitten wir, diesen offensichtlichen Versuch der Manipulation der öffentlichen Meinung nicht zu unterstützen und nach Hause zu gehen. Seien Sie realistisch und sehen Sie ein, dass grenzenloses Wachstum ohne Beeinträchtigung der Umwelt nicht funktioniert, ebenso wie die zugrunde liegende Annahme, die Ölvorkommen würden bis in alle Ewigkeit vorhalten. [4]
Auch von einer Gleichbehandlung der Verkehrsmittel sind wir weit entfernt: Obwohl das Flugzeug die denkbar schlechteste Umweltbilanz hat [5], sind Kerosin und Flugtickets weiterhin steuerbefreit – die Flugverkehrssteuer gleicht dies bei weitem nicht aus. Auch der Einfluss der Flugverkehrslobby auf die politischen Entscheidungsträger gilt als stark ausgeprägt. [6]
Die Rolle des Flugverkehrs bei globalen Warenströmungen mit vielerlei gefährlichen Ausprägungen und menschlichen Tragödien bei gewaltsamen Abschiebungen sind Themen, die selbst bei der momentanen Fluglärm- und Ausbaudiskussion viel zu wenig Beachtung finden. Diese und zahllose andere Sachverhalte bitten wir Sie zu vergegenwärtigen und erhoffen Ihr Verständnis oder wenn möglich sogar Ihre Mitarbeit bei der Bewältigung der vielfältigen Probleme im Zusammenhang mit dem Flugverkehr und bei der Bewertung der Ausbau- und Expansionspläne, die der Flughafenbetreiber für die letzten und nächsten Jahre verfolgt.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, dieses Schreiben zu lesen. Weiterführende- und Hintergrundinformationen finden Sie unter den unten angegebenen Links und Verweisen.

Literaturhinweise und weiterführende Links
(1)   http://www.whois.net/whois/ja-zu-fra.org:
Registrant Name:Burson-Marsteller GmbH
(2)   https://en.wikipedia.org/wiki/Burson_Marsteller
(3)   http://www.fraport.com/content/fraport-ag/en/fra_development.html
(4)   Winfried Wolf: Globalisierung, Flugverkehr, Klima u.a. www.lunapark21.net
(5)   http://marktcheck.greenpeace.at/oekobilanz-verkehrsmittel.html
(6)   Kim Otto, Sascha Adamek: Der gekaufte Staat, Kiepenheuer & Witsch Verlag
 
Weitere Links zum Thema:
www.flughafen-bi.de
ww.waldbesetzung.blogsport.de
www.airportwatch.org.uk