Grüne sind Hauptverlierer bei der OB-Wahl in Frankfurt

Groß war die Zuversicht der Frankfurter Grünen, nach dem grossenvWahlerfolg bei der Kommunalwahl 2011 (25,8 %) nun auch bei der Wahl zum Oberbürgermeister zu punkten.
Mit 14 Prozent der Stimmen für Rosemarie Heilig – es hatte ohnehin nur jede/r Dritte gewählt- gab es aber eine Bruchlandung. Mögliche Wahlempfehlungen für den SPD- oder CDU- Bewerber in der Stichwahl könnten für die Frankfurter Grünen zur Zerreissprobe werden. Und ob da das Fuss- und Wahlvolk mitmacht ? Die „Unsere-Petra-Zeiten“ sind um.

Petra Roth war und ist eine grünenfreundliche Integrationsfigur, aber sie ist auch eine knallharte Ausbaubetreiberin. Und sie hat das Flughafenthema genauso unterschätzt wie die Grünen.
Mit ihrem vorgezogenen Rücktritt hat sie ein katastrophales Timing für ihren Kronprinzen Boris an den Tag gelegt. Die Fluglärmdebatte, die nach der Mietervertreibung das zweite Hauptthema der Wahl war, dürfte bis zum Tag der Stichwahl am 25.3. nicht erledigt sein. CDU-Kandidat B. Rhein kann vorher wohl nicht auf einen (möglicherweise) entlastenden Richterspruch aus Leipzig hoffen.
Peter Feldmann (SPD) kann das nur recht sein. Im Februar hat er in einer populistischen Wahlaktion die Nacht im Gästezimmer einer Lerchesberg-Villa verbracht („Ich war um 5.25 Uhr wach“) Seine plakativen Forderungen: „Großes“ Nachtflugverbot und tagsüber „Mehr Ruhe“.

Wahlverliererin Rosemarie Heilig hatte das Pech, für den politischen Spagat ihrer Partei abgestraft zu werden. Ob sie persönliche Kompetenz zur OB mitbringt , war den WählerInnen ziemlich egal. Die Schönrederei der Aufgabe inhaltlicher Positionen zugunsten des Koalitionsfriedens und die zunehmende Anpassung an die Positionen der CDU war den Leuten dann doch zu viel. Hätte es den neuen polarisierenden Fluglärmstreit nicht gegeben, es wäre vielleicht nicht so aufgefallen, aber: Wachstum durch Profillosigkeit geht nicht endlos. Vom neuen Protest sind die Grünen sichtbar kalt erwischt worden, und als Protestpartei wirken sie längst unglaubwürdig. Das zeigen besonders die mageren Wahlergebnisse in Sachsenhausen-Süd.

Kompetenz und Rückgrat kann die studierte Biologin Rosemarie Heilig aber in ihrer neuen Funktion als Umweltdezernentin demonstrieren. Sie ist ja gerade auf sechs Jahre gewählt worden, rechtzeitig vor dem Knirschen in der Koalition. Und die Leute können ihr auf die Finger schauen, was sie so fabriziert. Schliesslich hat sie ja schon im Hüttendorf anno 1980 erfolgreich an der Biologenhütte mitwerkelt. Da müsste es ihr doch beispielsweise möglich sein, den zur Fraport-Vorfeldorganisation verkommenen „Regionalpark Rhein Main“ anders zu steuern als bisher.

Und wenn es um verlärmte Schrottimmobilien geht: Den Feldmann-Coup mit der Uebernachtung bei den unruhigen Lerchesbergern könnte Boris Rhein mit einer exclusiven Nacht an der ex-Mahnwache Kelsterbach parieren. Dort steht noch eine letzte Widerstandskate mit mäuseverschissener Matratze. Die Fenster sind raus, so dass es die TV-Kamera-Scheinwerfer nicht mal blendet. Und am Morgen gehts dann -zum weiteren Abhärten- ins kühle Nass des Mönchwaldsees.