„Wir ziehen alle an einem Strang“ ist das Motto der 19. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. Sie wird erstmals von Bürgerinititiativen aus dem Süden des Rhein Main Flughafens gestaltet. Diese sind insbesondere von der Startbahn West, der Südumfliegung Mainz, dem Terminal 3 und dem Flugplatz Egelsbach betroffen.
An diesem Tag stehen Analyse und Bewertung des Leipziger Flughafenurteils an. Ausserdem sollen Standortbestimmung und Marschrichtung für eine Fortsetzung des Protests aufgezeigt werden: „Wir wollen in Offenbach nicht nur schlafen, sondern auch leben“, dieser Kommentar der Offenbacher Dekanin Eva Reiss zum Nachtflugurteil trifft ganz gut die Stimmung der Aktiven.
Um innerliche Einigkeit zu demonstrieren, wird sich die Demo aber erstmals äusserlich aufspalten. In gewisser Weise symbolisiert das getrennte Marschieren den latenten Nord-Süd-Konflikt um die Flughafenerweiterung. Mit dem Pokern um Nord- und Südvarianten gelang es um die Jahrtausendwende, die geschlossene Abwehrfront gegen eine neue Bahn auszuhebeln. Auch jetzt sind aus den Reihen der Politik bereits neue Lärm-Verteilungskämpfe im Gang. Konkret befürchtet man in Neu-Isenburg, Frankfurt mit seinem neuen Oberbürgermeister Feldmann könnte -gerade in den Tagesrandstunden- den Lärm von seiner „Krankenhausroute“ auf die Südbahn verlagern lassen. Auch Stadtrat Paul Gerhard Weiss (FDP) aus Offenbach fordert „aktiven Lärmschutz“ -eine Südumfliegung Offenbachs- als Reaktion auf das Leipziger Urteil ein. Der Ausbau-Experte Schonegge von der Stadt Neu-Isenburg erklärte, die Nordwestbahn sei „als insgesamt noch verträglichste Variante“ ausgewählt worden. Im Gegenzug bemühte die FAZ als „Zeitung für Frankfurt“ in einem Aufmacher die Historie, Experten hätten einst die Atlanta-Variante im Süden favorisiert. Selbst OB Petra Roth sei ursprünglich für diese Variante gewesen, jedoch innerhalb der FAG überstimmt worden…
Die zwei Demozüge der Demo im Terminal werden nach jeweils einer halben Umrundung wieder aufeinandertreffen. Sollten die PolitikerInnen aus der Mediation, die den Ausbau von vorneherein festgeschrieben hatte, nichts gelernt haben, dann zeigen wir es selbst: Symbolträchtig soll vereint an einem langen Tau gezogen werden. Nur gemeinsam lassen sich die Kernforderungen eines Rechts auf „Gesundheit und Heimat“ durchsetzen. Die Ziele einer Schliessung der Nordwestbahn, einer verbindlichen und einklagbaren Obergrenze für Flugbewegungen, Terminalkapazität, Lärm und Schadstoffe hängen zusammen und betreffen die ganze Region. Ebenso das „grosse“ Nachtflugverbot. Wichtig für Alle ist auch eine politische Diskussion über den Flughafen, welcher die Notwendigkeit seines Wachstums immer lapidar mit „Vermeidung von Wettbewerbsnachteilen“ begründet. Auch Klimawandel und soziale Folgen der Globalisierung müssen zur Sprache kommen – und werden dies -wenn auch nur in stichwortartig- in einem Statement, dass die Demo am 16.4. abschliessen wird.
Hier noch ein Zitat von Marcus Reif, Fraktionschef der CDU in Flörsheim: „Die Kapazitätserweiterung um 50 % steht ja bis 2020 noch aus. Das bedeutet im Klartext noch mehr Lärm, noch mehr Belastungen und letztlich wird der Protest dadurch lauter und grösser.“