Montagsdemos gehen weiter – auch was die Forderungen betrifft

Ein unhörbares Aufatmen gab es bei den Organisatoren der ersten Montagsdemo nach dem Leipziger Urteil – Tatsächlich „unhörbar“, denn um die Seufzer der Erleichterung hören zu können war es einfach zu laut. Die Abfertigungshalle Abflug A war nämlich gut gefüllt, etwa 2000 Leute waren da, und das Publikum war weiterhin nach Alter sowie räumlicher und sozialer Herkunft bunt gemischt – die große Stärke der Terminal-Demos.

Schon fast trotzig ertönte immer wieder der Schlachtruf „Die Bahn (und Bouffier) muss weg“, aber auch „Deckel drauf“.
Für die Süd-BIs begrüsste der Sprecher der BI Erhausen, Gebhard Moritz, die TeilnehmerInnen. Heute sprächen die Süd BIs und mit ihnen die Leute, die die Hauptlast im Kampf gegen die Startbahn West getragen hätten. Sie ständen aus ihren leid- und lärmvollen Erfahrungen in Solidarität mit den Betroffenen der anderen Start- und Landebahnen. Die Proteste müssten weitergehen.

Er bemühte auch (das darf Bundespräsident Gauck nicht hören…) einen Vergleich mit den historischen Montagsdemos in Leipzig: Da habe man sich auch nicht mit kleinen Etappensiegen zufrieden gegeben, sondern -jetzt erst recht- auf deren Basis weitergemacht. Und dann ein ganzes System zum Zusammenbruch gebracht. Darum ginge es in übertragenem Sinne auch hier, um die Beendigung eines Systems der Verharmlosungen, Halbwahrheiten und Zwecklügen seitens Luftfahrtindustrie, einem System sinnloser Expansion, mit öffentlichen Geldern subventioniert…. (weiteres ging im Ruf „die Bahn muss weg“ unter)

Lautstark gefordert wurde das Nachtflugverbot von 22-6 Uhr, zumal das BVG Leipzig in der schriftlichen Fassung des Urteils eine Mengenbegrenzung („An und Abschwellen“) der Tagesrandflüge nur bei einer möglichen Erweiterung der Tagesrand Flugbewegungen verlangt. „Die Nacht darf nicht zum Tag werden“– nur schöne Rhetorik? Erbitterung gab es über zahlreiche Ausnahme-Nachtflüge in der vorausgegangenen Sonntagnacht, begründet mit dem rückenwindbedingten Ausfall der Startbahn West.

Ein weiteres, eher stilles und unheimliches Thema, die Feinstoff- und Schadstoffbelastung durch Flugzeuge, war ebenfalls auf der Demo sehr präsent. Besonders in Flörsheim wird dem Problem nach den dortigen Schadstoffmessungen große Beachtung geschenkt. Die dortigen Erfahrungen werden Thema der auf den nächsten Demos sein.
Ebenso , dass unser Protest international Auswirkung zeigt und auch so vernetzt sein muss wie es Flugbetrieb schon ist, wie Dirk Treber von der IGF betonte. Das gelte ebenso für die Nachtflugbeschränkungen (etwa in Heathrow) wie für die Expansionspläne (z.B. in Frankreich und auch in München). Und natürlich auch für das Ziel der Deckelung der Flugbewegungen.

Das erwartete dicke Tau, an dem mit Kräften gezogen werden sollte, erwies sich als dünnes Seil. Dafür war es aber auch über 200 Meter lang. Vielleicht symbolisiert das, dass wir erst mal eine gemeinsame Marschrichtung und Orientierung brauchen, bevor es zum „richtigen“ Tauziehen kommen kann.

Werden die Leute auch weiterhin bereit sein, ihren Montagabend zu „opfern“? Die BI Mainz Oberstadt meint: „Zusammen Ja“. Eine einsame Hinnahme der Verhältnisse sei viel schwerer zu ertragen als der Aufwand für die gemeinsame Demo. Und: Wenn alle bei der Stange blieben, könnten sie sich auch abwechseln: „Wenn sich jede Mitgliedsfamilie unserer BI vornimmt, einmal im Monat an der Demo teilzunehmen, werden jeden Montag bis zu 500 MainzerInnen dabeisein“.