Flughafen Frankfurt – die Ruhe nach dem Sturm?

Die heutige Aktionärsversammlung der Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport fand unter Protest von AusbaugegnerInnen und lärmgeplagten AnwohnerInnen statt. Während die Aktionäre, die am Verlust der Lebensqualität im Rhein-Main-Gebiet mitverdienen und Klimaschäden, Naturzerstörung, Feinstaub- und Lärmbelastungen mitzuverantworten haben, sich zur Hauptversammlung begaben, kamen sie nicht umhin, Protest und Forderungen der DemonstrantInnen wahrzunehmen. Diese machten ihre Stimmung mit Transparenten, Kreidemalereien und über Tonband abgespielten Fluglärm deutlich.

Dachte man nach dem Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichtshof in Leipzig, es kehre Ruhe in den Streit um Nachtflugverbot und Flughafenerweiterung ein, ist dies mitnichten so. Für neue Entrüstung sorgte der hessische Verkehrsminister Posch. Bevor seine Amtszeit im Juni ein Ende nehmen wird, fordert er eine Planklarstellung um das Nachtflugverbot übereilt festzuschreiben. Dem bislang unbekannten Rechtsinstrument der Planklarstellug wird misstraut, ebenso Poschs Absichten. Ohne die schriftlichen Urteilsgründe abzuwarten, äußert sich Posch gegen das nach dem Gerichtsbeschluß erwartete Planergänzungsverfahren mit aufwendiger Bürgerbeteiligung. Ob er eine angeblich überflüssige öffentliche Debatte vermeiden, oder 133 Flüge in die Randstunden zwischen 22-23 Uhr und 5-6 Uhr der eigentlichen „Nachtruhe“ legen möchte, ist fraglich. Trotz der erlaubten 133 Flüge hatte sich das Gericht auch gegen einen abrupten Übergang von Fluglärm und Nachtruhe geäußert. AnwohnerInnen können auf die Gestaltung der Nachtrandstunden nur Einfluß nehmen, wenn es zum Planergänzungsverfahren und nicht zur Planklarstellung kommt.

Aglaia Abel


2 Antworten auf “Flughafen Frankfurt – die Ruhe nach dem Sturm?”


  1. 1 vega-lounge 13. Mai 2012 um 13:31 Uhr

    Viele von den Kleinaktionären gehen zur Hauptversammlung, um sich ein, zwei schöne Reden anzuhören und um das rustikale Mittagessen mitzunehmen.
    Neben dem „Streubesitz“ gibt es aber die echt schwergewichtigen „Stakeholder“, welche richtigen „Value“ sehen wollen, von dem die Kosten für die Würstl mit Kartoffelsalat abzuziehen sind. (Für die Fraport sind die Würstl aber sehr wichtig sie werden unter dem Punkt „Kundenzufriedenheit“ verbucht) Für die „Grossen“, da sind zuvorderst das Land Hessen die Stadt Frankfurt und auch die Lufthansa , sind vor allem Einnahmen ,Arbeitsplatzsynergieeffekte und Standortfragen wichtig. Insofern macht es auch Sinn, die PolitikerInnen mit genau diesen Themen kritisch zu konfrontieren. Jahrelang war es der vor anderthalb Jahren (leider) verstorbene Grünen-Politiker Lutz Sikorsky, der im Stadtparlament den öffentlichen Personennahverkehr nach Kräften gefördert hat – aber auch in Fraport-Gremien den Expansionskurs des Flughafens. Beides in seiner Funktion als Frankfurter Verkehrsdezernent Was diese Doppelstrategie der Frankfurter Grünen angeht haben wir echt gepennt. Gerade ist wieder eine Gelegenheit (Tag der offenen Tür im Römer)weitgehend ungenutzt verstrichen, die Fraktion
    genauer auszufragen, wie sie sich beispielsweise zur NW-Bahn, zur Airport City und zum Terminal 3 positioniert.
    Nur die Kleinaktionäre mussten zu Fuss durch die „Einfluchschneise“ der WutbürgerInnen , die Grossen -Wirtschaftsbosse und PolitikerInnen- konnten mit dem Benz direkt zum VIP Eingang vorbeifahren.
    Die Protestaktion hat guten öffentlichen Widerhall gefunden. Diesmal hat die Fraport ihre Freude über die Fertigstellung der Landebahn nicht mehr so laut kund getan wie im letzten Jahr.
    Damals dachte sie, mit dem Happy Landings hätte sie die Region dann entgültig in der Tasche.
    Mensch stelle sich vor, Fraport würde Happy Landings wiederholen…

  2. 2 Dirk Treber 16. Mai 2012 um 6:50 Uhr

    Eine Anmerkung zum ehemaligen Frankfurter Stadtrat Lutz Sikosky. Er hat als einziger im Aufsichtsfrat der Fraoprt AG gegen den Flughafenausbau gestimmt. Das hat sich vorher kein anderer grüner Vertreter der Stadt Frankfurt in diesem Gremium getraut.

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