T 3: Projekt ohne Anbindung

Das Terminal 3 hat einen Hauptfehler: Die Konzeption des „künftig grössten Flughafen Europas“ ist ohne Anbindung an eine zukunftsgerichtete Politik. Zudem fehlt es an der logistischen Anbindung: Das neue Terminal würde nur aus der Luft gut zu erreichen sein – am Boden müsste eine flughafengerechte verkehrliche Anbindung gegen erhebliche Widerstände in der Region erzwungen werden.

Die Anbindung des neuen Terminals ist in doppelter Hinsicht schwierig:

-Zum einen verursacht das Terminal erstmals eine Dezentralisierung der Abfertigung. Das Terminal 2 stellt noch weitgehend eine Einheit mit dem Altbau aus den 70ern dar. Um das weiter entfernte Terminal 3 an die bestehende Infrastruktur anzubinden, ist ein zeit- und kostenaufwändiger Shuttle-Verkehr notwendig. Eine Verlängerung der kapazitätsschwachen Sky-Line und ein paar Shuttle-Busse werden da nicht reichen.

-Zum anderen ist da die verkehrliche Anbindung über den Flughafen hinaus. Sicher wird es Ueberlegungen geben, im Terminal 3 vor allem jene Verkehre abzuwickeln, die kein schnelles flughafeninternes Umsteigen verlangen. Das wiederum dürfte den Quell- und Ziel-Verkehr gemessen am Gesamtpassiervolumen des neuen Terminals massiv steigern.
Die Abwicklung der Anfahrt und Abreise von jährlich 20 -40 Millionen zusätzlich geplanter Passagiere mit PKW und Bahn ist mit der gegenwärtig vorhandenen und planfestgestellten Verkehrsführung gar nicht zu schaffen.
Das Hauptproblem: Die gegenwärtige Strassenanbindung kann den Verkehr nicht aufnehmen. Schon heute gibt es Rückstaus im Berufsverkehr. Zwar ist eine massive Erweiterung des Verkehrsknotens Frankfurter Kreuz geplant – aber ohne den Bau mehrerer neuer Stadtautobahnen, ähnlich wie vom Stadion und Schwanheim zum Terminal 1, dürfte die Region nicht davonkommen. Dies betrifft vor allem den Osten und Süden des Flughafens, die Durchgangsverkehre aufnehmen müssten.
Auch eine neue Bahnanbindung wird mit grösseren Waldverlusten und hohen öffentlichen Kosten verbunden sein. Erste Planungen der Fraport, den Bahnhof Zeppelinheim für ihre Zwecke umzufunktionieren, hat die Stadt Neu Isenburg zurückgewiesen – sie wurde daran nicht beteiligt.
Zeppelinheim würde neben dem Verkehrsdruck zudem massiv unter Bodenlärm leiden. Ein ähnlicher Attraktivitätsverlust wie im Stadtteil Gravenbruch – der massiv von der Aenderung der Nacht-Anflugroute betroffen ist- wäre die Folge.

Es ist Zeit, die Planungen für das Terminal 3 aufzugeben – sie stammen aus einer anderen Zeit. „Nummer 1″ zu sein ist in der heutigen Zeit nicht zuvorderst eine Frage der Grösse. Das Gelände kann ja erstmal zur Wiese werden. Vielleicht werden dort irgendwann Oeko-Luftschiffe andocken . Die Bahnhofsbeschilderung „Lufthafen Rhein Main“ , die der Bahnhof Zeppelinheim einst trug ,als nicht nur geflogen, sondern auch gefahren wurde, lagert noch im Museum.


1 Antwort auf “T 3: Projekt ohne Anbindung”


  1. 1 vega -lounge 07. Dezember 2012 um 10:10 Uhr

    Das Terminal 3 lässt sich „schieben“, weil es als Kapazitätserweiterung erst benötigt wird, wenn die Aufnahmefähigkeit der bisherigen Anlagen erschöpft ist.

    Die hohe Zahl der Andockpositionen deutet darauf hin, dass es vor allem zur Aufnahme kleinerer Airlines und auch kleinerer Flugzeuge gedacht ist.

    Bei dem Flugsteig A-O war das anders. er hatte Priorität vor dem Terminal 3, weil ihn die Lufthansa als Preis für die Aufrechterhaltung ihres Drehkreuzes Frankfurt ultimativ und vehement eingefordert hat.

    Fliegen wird wieder ein kostbares, teures und mithin auch knappes Gut – wenn die Einsicht wächst, dass eine Verbilligung über ständige Rationalisierung und Kapazitätsausweitung nicht mehr funktioniert – weil die tatsächlichen Kosten berechnet werden.

    Dann stellt sich die Frage , welche Flüge es zu welchem Preis noch geben kann und soll, ob dies der Markt regulieren kann oder wie eine Verteilungsgerechtigkeit aussehen soll.

    Ist ein zwischenlandender 7 Uhr- Ostasien- A 380 aus Singapur, der nach New York weiterfliegt, -und chinesische Touristen mitbringt -als wichtiger einzuschätzen als ein 4 Uhr 45 -Urlaubsflieger nach Adana ( wo der Urlaub trotz Flug derzeit ibsgesamt billiger sein kann als die Lebenshaltungskosten daheim )- für Leute, die hier sonst nicht raus kommen ?

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