Wieder Streik am Flughafen

Am Montag fand ein bundesweiter Warnstreik der bei Ver.Di organisierten LuftsicherheitsassistentInnen statt. Mancherorts verstärkte der Streik die Auswirkungen der wetterbedingten Flugausfälle – anderenorts, etwa in Frankfurt, ging er darin unter….

Hintergrund des Streiks ist das Scheitern von Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag zwischen Ver.Di und dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. In dem Tarifvertrag geht es um Arbeitsbedingungen, nicht um die Lohnhöhe. Etwa darum, die Arbeit auf Abruf einzuschränken und einer Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse entgegenzuwirken. In dem Bereich wird oft nur saisonal, also auf Zeit, eingestellt, die Löhne variieren regional sehr stark.
Beherrscht wird das Gewerbe in Deutschland von der Firma FIS, die Bestandteil des Global Players „ICTS Europe“ ist. Die FIS sitzt in Kelsterbach. Die Ueberwachungsfirmen, die immer mehr staatliche hohheitliche Aufgaben übernehmen, sind inter- und „über“national organisiert. Neben der Flughafensicherheit ist die „Sicherheit für kritische Infrastrukturen“ ein Hauptgeschäftsfeld. „Unsere Kompetenz besteht dabei in der Fähigkeit, grosse Menschenmengen innerhalb kürzester Teit kontrollieren zu können“, schreibt ICTS auf seiner Website.

Zusammen mit der Fraport hat FIS in Phase der Privatisierung der Flughafen AG die Firma „FraSec“ (FraSec Fraport Sicherheit GmbH) gegründet, die zu 100 Prozent der Fraport gehört und heute 3500 MitarbeiterInnen hat.
Generell gilt in dem Gewerbe: Hohe Manager- und niedrige Grundgehälter.
Zudem ein scharfer Arbeits- und Ueberwachungsdruck. Die „Luftsicherheitsassis“ arbeiten unter Aufsicht und Kontrolle der Bundespolizei – die führt immer wieder gerne verdeckte Kontrollen durch. Auf einem Blog für Security-Leute schreibt ein Blogger:

„Ihr müsst durch eine Zuverlässigkeitsüberprüfung kommen. Nach der Ausbildung erfolgt eine „Beleihung“ durch die Bundespolizei. Das ist so etwas wie ein Amtseid für Arbeiter.
Die Arbeitszeiten variieren, auf eine Art, an die man sich nicht gewöhnen kann. Mit etwas Glück hat „Dein“ Flughafen ein Nachtflugverbot. Das bedeutet, dass der Arbeitsbeginn in der Regel zwischen 4 und 5 Uhr morgens liegt – sonst oft um 1 Uhr 30.“

In Frankfurt gibt es einen Haustarifvertrag, dort ist die Streikneigung derzeit nicht so hoch wie in reinen FIS- Standorten wie Stuttgart oder Hamburg.

In Strassburg fand Montag eine Demo von 3000 ArbeiterInnen gegen eine weitere Liberalisierung der Bodendienste an Flughäfen statt. Auch viele Beschäftigte aus frankfurt nahmen teil. Die EU-Kommission will die Ausschreibepraxis und den Konkurrenzdruck weiter verschärfen. Bereits heute sind die Bodendienste der schlechtbezahlteste und der körperlich belastenste Arbeitsbereich am Flughafen.
Am Mittwoch wird über die Vorlage vom EU-Parlament abgestimmt. Aufgerufen zu der Demo hatte die Europäische Transportarbeiter-Föderation mit Sitz in Brüssel.