Ab nach Kassel (?)

Morgen startet der Normalbetrieb des neuen Flughafens in Kassel-Calden. Es lohnt sich, nachzuschauen und nachzuzählen, wer da zur Eröffnung anreist. Es dürfte nicht leicht fallen, öffentlich zu feiern. Neben „BER“ oder „Stuttgart 21″ als entgleiste Planungsruinen gilt Calden längst bundesweit als Synonym für eine planmässige und politisch ausdrücklich gewollte Verschwendung öffentlicher Gelder.

Genau in diese bürgerliche Kerbe hauten die Grünen bei den Koalitionsverhandlungen mit Andrea Ypsilanti im Oktober 2008. Sie vereinbarten eine Landesfinanzierung des Projektes unter der Bedingung, dass sich anteilig zu den öffentlichen Zuwendungen private Investoren fänden.

Das wäre das praktische Aus für Calden gewesen, auch die nordhessische Bauwirtschaft dürfte ihren Anteil am Sturz Ypsilantis gehabt haben.

Nun geht der -zugegeben, optisch sehr ansprechende- Bau in den Normalbetrieb. Das sind vor allem Billigflüge auf die Balearen. Die politisch festgestellten Kosten, einstmals so um die 160 Millionen Euro, wurden nach festgestellter Unumkehrbarkeit an den Betrag angepasst, der das gute Auskommen der Baufirmen sichert. Das mögen jetzt so etwa 270 Millionen Euro sein.

Schon gibt es Stimmen, welche die Verlagerung von Charterverkehr aus Frankfurt nach Kassel verlangen. Eine ordentliche Anbindung des Flughafens an das Schienen- und Autobahnnetz würde aber nochmals 50 Millionen Euro kosten. Damit hat der Airport ein ähnliches Problem wie Hahn, das zahlreiche Verkehre an Köln-Bonn verloren hat. Dieser Flughafen ist besser angebunden und zudem näher an den solventen Zielgruppen, welche eher aus Verdichtungsgebieten kommen.

Reine Effizienzargumente gegen Calden und Hahn sind oftmals Ausbauargumente für FRA und Köln. Was benötigt wird, ist eine generelle Bestandsaufnahme, welche Verkehre künftig noch in der Luft abgewickelt werden.