Vom Josephsplatz nach FRA in 5 Minuten

München-Schwabing am Donnerstag: Der gutbürgerliche Stadtteil erlebt einen der ersten warmen Frühlingstage, und an kaum einem anderen Ort geht es so lebhaft zu wie am Josephsplatz. Eigentlich sollte der schon längst für den Bau einer Tiefgarage aufgerissen worden sein, aber nachdem eine Baumbesetzung die hierfür nötigen Rodungsarbeiten stoppen konnte, wurde von der Stadt ein Baustopp verkündet. AktivistInnen und Kinder improvisierten einen neuen Spielplatz an Stelle des bereits abgerissenen, und am Donnerstag war dieser so gut besucht wie kein anderer in der Umgebung. Kids toben umher, einige ältere bauen weiter an den Spielgeräten, Grüppchen von Erwachsenen stehen mittendrin. Ein Aushängekasten der örtlichen BI informiert über die drohende Lärm- und Abgasbelastung, die das Bauprojekt mit sich bringen würde (und der Beobachter fühlt sich unwillkürlich ins Rhein-Main-Gebiet versetzt), aufgerufen wird zu einem Ideenwettbewerb, wie die Mittel für das Projekt in einen menschen- und umweltfreundlicheren Personenverkehr fließen können.

Nichteinmal 24 Stunden später, im Morgengrauen des Freitags, lässt die Stadt den neuen Spielplatz kurz und klein schlagen, errichtet einen Bauzaun um den Josephsplatz und lässt einen privaten Sicherheitsdienst (teils mit Hunden) aufmarschieren, auch die Bereitschaftspolizei behält die Situation im Auge.
Grüppchen von AnwohnerInnen treffen ein. Ihr Protest gegen die drohenden Schäden an Gesundheit und Lebensqualität, ihre krasse Verbitterung gegenüber der Obrigkeit aber auch die ansonsten bürgerliche bis wertkonservative Grundhaltung Vieler, das alles erinnert schon sehr an die Montagsdemos im Terminal.