Umwelt-Haus Kelsterbach: Der Flughafen steht im Mittelpunkt, nicht die Region

Wenn die Bewohnerinnen von Rhein Main das „Casper“ Flugspur-Monitoring des Umwelthauses anklicken, sehen sie zunächst immer eins: den Flughafen im Mittelpunkt. Das hat System, und zwar mehr als uns lieb sein kann. Gleiches gilt auch für die Dauerausstellung im neuen Informationszentrum, die mit einem „Tag der offenen Tür“ am 20.4. von 10 bis 16 Uhr an den Start geht.

Die 68er Bewegung kannte den Spruch: „We don`t need a weatherman to know from where the wind blows“. Uebertragen auf uns könnte das heissen: Wir brauchen kein „Casper“ um zu wissen, aus welcher Wind- und Flugrichtung der Lärm kommt.
Den Lärm gibts in Echtzeit, die Flugnummer und den aufgezeichneten Dezibelwertn dann im Internet eine runde Stunde später. Schön ist das Angebot des Umwelthauses, sich anhand der Windrichtungsprognose den Termin für die nächste Grillparty aussuchen zu können. Oder sich auf dem zur Verfügung gestellten Blog emotional erleichtern zu dürfen .

Emotionen sind wichtig, das haben die Betreiber des Umwelthauses erkannt. Noch wichtiger ist es ihnen, sie unter Kontrolle zu bringen oder sie gar zu steuern.

„Vertrauensbildung- Transparenz-Dialog“ war ein Motto des regionalen Dialogforums. Jetzt heisst es in der neuen Ausstellung: „Protest-Mediation-Dialog“. Man will aufklären, bilden und auch erzieherische Wirkung entfalten. „Gegenseitiges Vertrauen schaffen“ steht als Intention hinter dem Kabinettbeschluss des Landtages zur Gründung der gemeinnützigen Umwelthaus mbH.

Wer sich die Konzeption der Ausstellung ansieht, merkt dass der Flughafen im Mittelpunkt steht. Nicht etwa dessen „Umwelt“. Als „Flughafen zwischen den Fronten“ wird die die Konzeption beschrieben. In mehreren Themenräumen sollen der Flughafen und seine Auswirkungen erfahrbar werden. Da gibt es etwa eine nachgebaute Flugzeugkabine und ein Schall-Labor. Abgeleitet von scheinbaren, normierenden Fakten werden scheinbar neutral Emotionen , welche der Flughafen auslöst, gegenübergestellt – die Faszination des Fliegens und die Zufriedenheit über einen sicheren(?) Job auf der einen Seite, die Aufregung über den Fluglärm auf der anderen Seite.
Das Dilemma: Man verkörpert den Anspruch, objektiv zu informieren. Man weiss aber gut genug, dass es eine subjektive Sicht frei von Emotionen auf die Dinge nicht gibt. Also bezieht man sich auf „gleichwertige“ Emotionen des Publikums, um über „Dialogangebote“ neue Emotionen zu erzeugen. Nach dem Motto: „Entweder-Oder Entscheidungen zum Flughafen gibt es nicht, wir müssen letztlich froh sein dass wir und wie wir ihn haben.“

Es ist eine Frage des Standpunkts, welche Sicht auf die Dinge in den Mittelpunkt gestellt wird. Einen solchen Kontrapunkt zu setzen, war 2008 auch Intention des Waldcamps. Es ist höchste Zeit, dass wieder ein Gegengewicht gesetzt wird: Eine Ausstellung im Restwald an der Bahn. Wo das Erfahren des Flughafens aus einer anderen Perspektive möglich ist.


1 Antwort auf “Umwelt-Haus Kelsterbach: Der Flughafen steht im Mittelpunkt, nicht die Region”


  1. 1 Umwelthaus Kelsterbach – Wenn Aktionäre informieren « Waldbesetzung Pingback am 26. August 2013 um 8:32 Uhr
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