Archiv für Juni 2013

Das Attachinger Manifest – Lob, Gedanken und Kritik

Als Resultat der europaweiten FlughafenanwohnerInnenkonferenz, die am vergangenen Wochenende in Attaching bei München stattfand, wurde das Attachinger Manifest verabschiedet. Es kann unter anderem auf der BBI-Homepage eingesehen werden.

Das sich Initiativen gegen Flughafenausbau aus ganz Europa getroffen und auf ein gemeinsames Programm verständigt haben, ist ein schöner Erfolg! Noch besser wäre, wenn dem eine weitere Intensivierung von Solidarität, Erfahrungsaustausch und Koordination folgt, und so der Druck der Straße weiter erhöht werden kann.

Das Attachinger Manifest, dass die Lebensbedürfnisse der Menschen konsequent über das Wachstum des Luftverkehrs stellt, ist hierfür grundsätzlich eine geeignete Grundlage. Aber manche Punkte bleiben nebulös, andere sind für die kommenden Kämpfe nicht hilfreich oder sogar schädlich. Daher soll in diesem Beitrag auch die nötige Kritik formuliert werden – nicht als letzte Wahrheit, aber vielleicht ja als Denk- und Diskussionsanstoß.
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Grün trifft auf blau-silber

Eine Gruppe von etwa 50 RadlerInnen rief am Freitag auf dem LKW-Parkplatz der Cargo-City Süd Polizei und Fraport-Sicherheitsdienst auf den Plan. Als die sahen, um was für eine Versammlung es sich handelte, zogen sie sich wieder zurück. (mehr…)

Flughafenanwohnerkonferenz München

In Attaching bei Freising findet an diesem Wochenende eine europaweit ausgerichtete Konferenz von FlughafenausbaugegnerInnen statt – mit starker inhaltlicher Beteiligung des Rhein-Main-Protests. (mehr…)

Visueller Nachtrag zu 5 Jahre Waldbesetzung

Nachträglich noch zwei aktuelle Bilder der Landebahn:


An dieser Stelle wäre viele Jahrhunderte der Kelsterbacher Wald zu sehen gewesen, gegen Ende außerdem der Eingang zur Waldbesetzung, die ihn leider nicht retten konnte. Nicht nur der Einschnitt in den Naturraum, sondern auch die Privatisierung des öffentlichen Raums wird hier greifbar: Mensch beachte die Unmengen an Zäunen rechts, links und im Bildhintergrund.
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Vernetzungsdemo in Stuttgart

Am Samstag, den 15.6. findet im Stuttgarter Schlosspark eine Demonstration unter dem Motto „Stuttgart 21 ist überall – wehrt Euch, vernetzt Euch“ statt. Ein Tagesausflug nach Stuttgart könnte sich für Leute aus dem Rhein-Main-Protest aus mehreren Gründen lohnen. (mehr…)

5 Jahre Waldbesetzung

Wo heute die Flieger über die Landebahn NordWest donnern, wurde vor genau 5 Jahren und knapp 2 Wochen der Kelsterbacher Wald besetzt. Im Laufe des dreiviertel Jahres bis zur Räumung, verwandelten einige hundert Menschen die Handvoll Zelte und Baumplattformen in ein beachtliches Widerstandsdorf. Außer dem Fluglärm standen damals Themen wie der Klimawandel und eine allgemeine Kritik an Kapitalismus und Herrschaft auf der Agenda. Neben vielen anderem waren auch Besetzung, Blockade und Sabotage Formen der politischen Auseinandersetzung. Im Vergleich zu Heute war die Mobilisierung in der Region überschaubar, um die tausend Menschen nahmen nur einmal an einer Demo teil.
Hier ist weder Platz für Nostalgie, noch soll eine Bilanz ohne Diskussionszusammenhang dahinter gezogen werden. Die Zeit der Waldbesetzung haben wir ohnehin auf einer eigenen Unterseite dokumentiert.

Die Waldbesetzung war aber auch Namensgeber für diesen Blog, der sie überlebt hat, und weiter die Auseinandersetzung um den Flughafenausbau begleitet. Vor genau 5 Jahren erschien hier der erste Beitrag. Das ist der Anlass, 5 Texte aus dem Archiv zu holen, die an Aktualität für die Kämpfe heute nichts verloren haben:

Landebahnwahl? (2012)
„Wenn wir unseren Protest und Widerstand auf die Wahlfrage verengen, bringen wir uns um einen Grossteil unserer Chancen und unseres Einflusses. Wir müssen die Menschen erreichen, aber wir müssen für die Vorteile der Selbstermächtigung werben und nicht zum Verschieben eines Kreuzchens auf dem Wahlzettel. Und nur mit eigener politischer Handlungsfähigkeit und massenhaftem Gegendruck können wir Einfluss auf Wirtschaftsweise und Machtverhältnisse gewinnen. Die Landebahn lässt sich nicht einfach mal abwählen.“

Terminal 3 JETZT stoppen! (2012)
Geschildert wird die Expansion des Flughafens von der Startbahn West zur Landebahn NordWest, die Pläne für das Terminal 3, und die Gefahr die dahinter steht – der Bau einer weiteren Bahn im Süden des Flughafens.

Plädoyer im Berliner Baumbesetzungsprozess (2011)
Was hat Kapitalismus mit Flugbewegungen und Justiz mit Flughafenausbau zu tun? Anlässlich eines Gerichtsprozesses wegen einer Baumbesetzung, hat der dort Angeklagte versucht, Antworten zu geben.

Die Wirtschaftskrise (2009)
Schon früh wurde an dieser Stelle erkannt, was noch heute omnipräsent ist und wohl auch die nächsten Jahre prägen wird: Die größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Sie ist in ihrem Kern eine Überproduktionskrise, die auch das Fraport-Modell von immer mehr Wachstum und Lohndrückerei in Frage stellt. Der Text prognostizierte eine krisenbedingte Konzentration der Flugbewegungen auf Frankfurt, also höhere Belastungen gerade wegen der Krise. Es wäre spannend, das weiter nachzuverfolgen – bis zum Sommer rechnet die Fraport jedenfalls noch mit konjunkturbedingten Rückgang der Fluggastzahlen…

Das Drama mit der Linken (um nicht zu sagen allerlinkesten!) Bude… (2008)
Erinnert sich noch irgendjemand? Vor 5 Jahren gab es schonmal einen Landtagswahlkampf, im dem die LINKEN-Fraktion versuchte, sich durch Nähe zum außerparlamentarischen Flughafenprotest zu profilieren. Damals stellte sie sogar eine Hütte im Kelsterbacher Wald auf. Als dann aber deswegen das Projekt eine rot-rot-grünen Koalition zu scheitern drohte, war sie genau so schnell dabei, das Ding wieder abzubauen. Das das nicht sofort passieren konnte, lag einzig an einer List der WaldbesetzerInnen – woraufhin die LINKEN-Fraktion alles versuchte um sie umzustimmen, von Geldangeboten bis zum Schüren von Ängsten. Deshalb scheiterte die Koalition zwar nicht an Integrität der Linkspartei, sondern am Putsch des rechten SPD-Flügels. Wer heute aber überlegt, ein Protestkreuz bei Linkspartei zu setzen, sollte die Geschichte kennen.

Rheinhessin erlebt „ungeheuerliche“ Demo

Die Rhein-Zeitung schilderte am Mittwoch die Erfahrungen einer Montagsdemonstrantin, die sich dem Flughafenausbau-Block auf der Blockupy-Großdemo am Samstag angeschlossen hatte, und von Polizeigewalt betroffen war. Lesenswert!

Blockupy, Flughafen, Flughafenausbau

Auf der letzten Montagsdemo änderte die Polizei ihre Gangart gegenüber den AusbaugegnerInnen radikal: Die Demo sollte verboten werden, das Verwaltungsgericht entschied aber kurzfristig, das ginge zu weit. Trotzdem wurde alles getan, um den lärmgeplagten Menschen das Kundtun ihrer Ansichten so sehr zu erschweren wie irgendwie möglich. So wurde etwa Höhe und Breite von Fahnenstangen genauso begrenzt wie Länge und Abstand von Transparenten, vor allem aber wurde entschieden, dass nur 200 Personen an der Demo teilnehmen dürfen. Anscheinend herrscht bei der Polizei mittlerweile die Überzeugung vor, mehr wäre der Fraport nicht zumutbar.
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