5 Jahre Waldbesetzung

Wo heute die Flieger über die Landebahn NordWest donnern, wurde vor genau 5 Jahren und knapp 2 Wochen der Kelsterbacher Wald besetzt. Im Laufe des dreiviertel Jahres bis zur Räumung, verwandelten einige hundert Menschen die Handvoll Zelte und Baumplattformen in ein beachtliches Widerstandsdorf. Außer dem Fluglärm standen damals Themen wie der Klimawandel und eine allgemeine Kritik an Kapitalismus und Herrschaft auf der Agenda. Neben vielen anderem waren auch Besetzung, Blockade und Sabotage Formen der politischen Auseinandersetzung. Im Vergleich zu Heute war die Mobilisierung in der Region überschaubar, um die tausend Menschen nahmen nur einmal an einer Demo teil.
Hier ist weder Platz für Nostalgie, noch soll eine Bilanz ohne Diskussionszusammenhang dahinter gezogen werden. Die Zeit der Waldbesetzung haben wir ohnehin auf einer eigenen Unterseite dokumentiert.

Die Waldbesetzung war aber auch Namensgeber für diesen Blog, der sie überlebt hat, und weiter die Auseinandersetzung um den Flughafenausbau begleitet. Vor genau 5 Jahren erschien hier der erste Beitrag. Das ist der Anlass, 5 Texte aus dem Archiv zu holen, die an Aktualität für die Kämpfe heute nichts verloren haben:

Landebahnwahl? (2012)
„Wenn wir unseren Protest und Widerstand auf die Wahlfrage verengen, bringen wir uns um einen Grossteil unserer Chancen und unseres Einflusses. Wir müssen die Menschen erreichen, aber wir müssen für die Vorteile der Selbstermächtigung werben und nicht zum Verschieben eines Kreuzchens auf dem Wahlzettel. Und nur mit eigener politischer Handlungsfähigkeit und massenhaftem Gegendruck können wir Einfluss auf Wirtschaftsweise und Machtverhältnisse gewinnen. Die Landebahn lässt sich nicht einfach mal abwählen.“

Terminal 3 JETZT stoppen! (2012)
Geschildert wird die Expansion des Flughafens von der Startbahn West zur Landebahn NordWest, die Pläne für das Terminal 3, und die Gefahr die dahinter steht – der Bau einer weiteren Bahn im Süden des Flughafens.

Plädoyer im Berliner Baumbesetzungsprozess (2011)
Was hat Kapitalismus mit Flugbewegungen und Justiz mit Flughafenausbau zu tun? Anlässlich eines Gerichtsprozesses wegen einer Baumbesetzung, hat der dort Angeklagte versucht, Antworten zu geben.

Die Wirtschaftskrise (2009)
Schon früh wurde an dieser Stelle erkannt, was noch heute omnipräsent ist und wohl auch die nächsten Jahre prägen wird: Die größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Sie ist in ihrem Kern eine Überproduktionskrise, die auch das Fraport-Modell von immer mehr Wachstum und Lohndrückerei in Frage stellt. Der Text prognostizierte eine krisenbedingte Konzentration der Flugbewegungen auf Frankfurt, also höhere Belastungen gerade wegen der Krise. Es wäre spannend, das weiter nachzuverfolgen – bis zum Sommer rechnet die Fraport jedenfalls noch mit konjunkturbedingten Rückgang der Fluggastzahlen…

Das Drama mit der Linken (um nicht zu sagen allerlinkesten!) Bude… (2008)
Erinnert sich noch irgendjemand? Vor 5 Jahren gab es schonmal einen Landtagswahlkampf, im dem die LINKEN-Fraktion versuchte, sich durch Nähe zum außerparlamentarischen Flughafenprotest zu profilieren. Damals stellte sie sogar eine Hütte im Kelsterbacher Wald auf. Als dann aber deswegen das Projekt eine rot-rot-grünen Koalition zu scheitern drohte, war sie genau so schnell dabei, das Ding wieder abzubauen. Das das nicht sofort passieren konnte, lag einzig an einer List der WaldbesetzerInnen – woraufhin die LINKEN-Fraktion alles versuchte um sie umzustimmen, von Geldangeboten bis zum Schüren von Ängsten. Deshalb scheiterte die Koalition zwar nicht an Integrität der Linkspartei, sondern am Putsch des rechten SPD-Flügels. Wer heute aber überlegt, ein Protestkreuz bei Linkspartei zu setzen, sollte die Geschichte kennen.


2 Antworten auf “5 Jahre Waldbesetzung”


  1. 1 HARALD 11. Juni 2013 um 20:53 Uhr

    Danke für den tollen Rückblick!
    Danke für die unermüdliche Berichterstattung.
    Ich habe am 09.06 einen ganz besonderen Erinnerungstag durchlebt. Es fällt mir schwer so alleine duch die Wälder zu ziehen und mir dieses Unrecht anzusehen. Ich vermisse das Waldcamp sehr. Die Erinnerungen sitzen so tief. Nie werde ich diese Zeiten vergessen. Niemals. Weiter so!!

    Gruß,
    Harald

  2. 2 Administrator 28. Juni 2013 um 16:20 Uhr

    Hallo, wenn Du die Person bist die unter diesem Namen im Wald war dann kannst Du Dich unter der in der Rubrik „Meta“ angegebenen Adresse für einen Emailverteiler anmelden.

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