Das Beispiel RWE

In der Gemeinde Buir nahe des Braunkohletagebaus Hambach fand in der vergangenen Woche eine Film- und Diskussionsveranstaltung statt, die sich mit einem hochinteressanten Thema befasste: Wie lassen sich Leute, die passiv, vereinzelt und damit meist auch nicht besonders glücklich leben, motivieren, daran etwas zu ändern?

Eine Gruppe aus WiesenbesetzerInnen und der Buirer Bürgerinitiative hatte als Denkanstoss den Film „Die Kraft der Schmetterlinge“ ausgewählt. In der Dokumentation geht es um Selbsthilfeprojekte überwiegend indigener Gruppen in Lateinamerika. Mit einem neuen Selbstbewusstsein, mit Bildung und mit direkter Demokratie versuchen sie, grundlegend die Lebensbedingungen zu verbessern und Abhängigkeiten zu überwinden. Sowohl solche postkolonialer Art gegenüber transnationalen Konzernen, als auch solche aus gewalttätigen und lähmenden Sozialstrukturen.

Von diesen Auseinandersetzungen könnten auch die Menschen lernen und profitieren, die in den Ländern leben, wo diese problematische Art des Wirtschaftens herkommt.
Da in Buir und im gesamten Raum Düren der Konzern RWE der dominante Arbeitgeber ist, ging es um die Frage, wie es gelingen könnte, die Menschen für Alternativen zu der Abhängigkeit von der Braunkohlewirtschaft zu interessieren.
Gegenwärtig wehrten sich nur wenige Menschen gegen die Abbaggerung grosser Landstriche – im Gegenteil, sie fürchten das Auslaufen der Braunkohle. Um das zu ändern, müssten neue Formen vernetzter Ökonomie, der Nachbarschaftshilfe und der gegenseitigen sozialen Unterstützung gefunden werden.

Vor wenigen Tagen hat die RWE bekräftigt, dass sie ab jetzt jährlich 150 Millionen Euro in den Braunkohlerevieren einzusparen gedenkt, mit denen sie nicht zuletzt das soziale Leben gesponsort hat (ähnliches kennen wir ja auch von Fraport).
Trotzdem sollen die Kraftwerke weiterlaufen, sogar noch ein Neues gebaut werden. Man rechne nur damit, dass man künftig nicht mehr so viel an der Braunkohle verdiene, und um profitabel zu bleiben, müsse man sparen.

Ähnliches könnte uns auch in Rhein Main blühen – noch mehr Luftverkehr bei schlechteren Jobs und noch schlechteren Lebensbedingungen. Arbeit, die keinen Reichtum schafft. Denn wenn der umweltzerstörende Flugverkehr trotz knapper und teurer werdender Energie weiter wachsen will, wird es auf Kosten der Mittel für die Beschäftigten und die FlughafenanwohnerInnen gehen. Die Konkurrenz zwischen den Flughäfen und das Ausspielen der Standorte verschärft das Problem. Letztlich leiden „Gewinner“– wie „Verlierer“standorte. Sei es nun Istanbul, Amsterdam (vor dem uns immer Angst gemacht wurde) oder halt Frankfurt.

In Jülich haben die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein Westfalen und die Industrie- und Handelskammern das Zentrum IRR angesiedelt . Das heißt „Innovationsregion Rheinisches Revier“ und soll den Strukturwandel steuern: „Wir können nicht warten bis etwas (die Kohle) schließt, wir brauchen nachhaltiges Wachstum und Anschluss an die Hochtechnologie“.
Erste Maßnahmen liegen im Verkehrsbereich. Man baut zwar keinen Flughafen, aber verbesserte Pendlerinfrastruktur, die Zugverbindungen nach Köln sollen gestärkt werden.

Ob aber dieser Strukturwandel von oben gelingt, wenn sich nicht auch an der Wirtschaftsstruktur etwas ändert? Wenn die Menschen nicht mitgenommen werden und sich nur als Opfer der Entwicklung begreifen ? Welche Vorstellungen können die Menschen vor Ort selber entwickeln und durch viele kleine Schritte gegenseitiger Unterstützung Aufwand sparen?
In dem Film „Die Kraft der Schmetterlinge“ kommt ein Bauer zu Wort, der auf biologische Landwirtschaft umgestellt hat: Konventionell wirtschaften hieße: Zunächst viel Dünger, viel Ertrag, wenig Arbeit. Aber dann würde es zwangsläuig immer weniger. Alternativ hieße: Erst sehr viel Arbeit und wenig Ernte , aber dann immer mehr – und die Arbeit dabei würde auch weniger….