Stuttgart: Besetzter Kran und abgesoffene Demo

Beitrag vom 3. europäischen Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte

Nein, es wurde nicht nur theoretisiert in Stuttgart. Der Montag war -neben dem Abbau- für Aktionen vorgesehen. Da gab es so einige Überraschungen…..

Die Planung : Ab 6 Uhr dreissig sollte die Baustelle des unterirdischen Technikgebäudes für S 21 blockiert werden. Anschliessend waren „Spaziergänge zu Widerstandsorten in Stuttgart“ geplant. Und am Nachmittag sollte eine Demo von den Mineralbädern in Cannstatt durch Park und Stadtviertel die Verbindung zu der traditionellen Montagsdemo herstellen…

Die Blockade ließ sich ganz gut an, allerdings nahmen weniger Leute daran teil als erhofft – viele waren schon abgereist. Zu der Baustelle gibt es natürlich auch mehr als einen Zugang, so dass eine Vollblockade unrealistisch schien. Die Polizei wollte die Aktion betont tief stapeln und nicht mit starker Präsenz provozieren oder auch aufwerten. Was aber beispielsweise auch die Folge haben kann, dass Bauleute sich selbst mit dem PKW einen Weg durch die Menge zu bahnen erlauben wollen.
Die Polizeidichte erhöhte sich etwas, nachdem es zu einer kurzen, symbolischen Blockade einer der Hauptverkehrs-Innenstadt-Autobahnen, der Heilbronner Straße, gekommen war.

Qualität erhalten die Stuttgarter Dienstagsblockaden, die es schon seit über zwei Jahren gibt, durch die Beteiligung der Versorgergruppe, welche das Frühstück auf die Beine stellt, und durch die Trommelgruppe „Lokomotive“, die sich oft in kritischen oder langweiligen Situationen als gut gegen „Demo-ralisierung“ erwiesen hat .

Gegen 9 Uhr schien die Luft raus, das ist der Zeitpunkt an dem sich die Blockade normalerweise auflöst. Die vermeintliche Beruhigung nutzen 9 Leute und spazierten durch ein offenes Tor mit Transparenten auf die Baustelle. Dort ließen sie sich an und auf einem kleineren Autokran nieder.

Während sechs Aktive nach einiger Zeit das Gelände auf Drängen der Polizei verliessen, blieben ein französischer ZAD-Aktivist und zwei Stuttgart 21 Aktivisten stundenlang auf dem Kran. Die Letzteren wurden von einem SEK mit hohem Technik-Aufwand abgeräumt, auch wenn sie sich nur knapp 3 Meter über dem Boden befanden.
Einer der Schwarzvermummten SEKler: „Normalerweise sind wir für die richtigen Verbrecher da“.
Diese Aktiven gehen ein ziemlich hohes Kriminalisierungsrisiko ein, zumal die meisten schon „vorbelastet“ sind. Deshalb ist es bei solchen Aktionen wichtig, dass sie möglichst hohe Aufmerksamkeit und öffentliches Interesse erzeugen. Das wird dadurch erschwert, dass sie oftmals von den Medien verschwiegen werden. So weitgehend auch heute.
Es ist mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch zu rechnen, bei den letzten drei, die auf der Polizei landete, womöglich auch mit mehr.

Dann kam der Regen. Binnen vier Stunden fielen in Stuttgart 30 Liter/m.2 Niederschlag.
Ein Niederschlag auch für die Demo-Szene.
Die Anmelderin der Demo von den Mineralbädern in die Stadt sagte die Veranstaltung wegen „Unwetter“ kurzfristig ab. Es waren aber etwa 100 Leute gekommen, die dann auf eigene Faust und auf eigenen Wegen einen Demozug bildeten.
Auch die Montagsdemo hatte ihre Probleme. Die wird nämlich mit riesigem Technik-Aufwand durchgeführt, der wöchentlich etliche Tausend Euro kostet. Die Lautsprecherboxen werden mit einem Autokran in 10-15 Meter Höhe gehievt. Das alles ging bei dem Platzregen nicht, da ein Kurzschluss des Starkstrom-Anschlusses befürchtet wurde.
So kam es dass, wegen kleinerer Technik manche Teilnehmenden nix hören konnten, wofür sich die Verantwortlichen später wortreich entschuldigten.
Es gab einen gewissen Burgfrieden zwischen den „Forum-OrganisatorInnen“ und dem Veranstaltungsteam der Montagsdemo, welches Protestformen wie Blockaden traditionell skeptisch gegenüber steht („Wenns was nitze tät..und net nür die Bürga verprället hätt“). Auf der Demo konnte über das dritte Forum und die internationale Vernetzung berichtet werden – sofern es erhört wurde…