Mahnwache gegen Fluglärm ?

Am Montag , den 5.8. waren die FahrradfahrerInnen der „Tour de Natur“ im Terminal zu Gast. Es gab einiges gutmütiges Chaos.

Schwer aufgeregt war die Polizei „Auflagen nicht eingehalten“! Es hatten sich mehr als die erlaubten fünf Fahrräder in die Abflughalle gemogelt. Und dann blockierte auch noch der „Besenwagen“, ein ASTA-Kleintransporter, die Vorfahrt. Verkehrstechnisch zwar unproblematisch, aber sicherheitstechnisch unerlaubt.

Nachdem die Polizei schon angeregt hatte, den Wagen mit etwa zwanzig Leuten zur Seite zu schieben, fand sich der Schlüssel im Laderaum, wo er im Eifer der Ankunft liegengeblieben war.

Die Tour de Natur ist ein munteres Völkchen, von der Familie bis zur Althippie. Ihnen allen gemein ist eine enorme Wertschätzung der Fortbewegung per Fahrrad. Und der Eisenbahn. Sie wünschen eine ökologisch ausgerichtete Eisenbahn als Grundlastträger des öffentlichen Verkehrs. Unter dem Gesichtspunkt der Revitalisierung der ländlichen Kultur. Manche hätten gern den knallroten, knatternden Schienenbus („Bauernexpress“) zurück. Nur mit Niederflureinstieg halt.

Eine Kernforderung der Tour de Natur ist der Erhalt eines flächendeckenden Schienennetzes, damit auch abgelegene Orte ohne Auto erreichbar bleiben. Man freut sich über die Reaktivierung von Bahnstrecken. Aber die alte Bahn kommt ebensowenig zurück wie die alte Gesellschaft, und die Spaltung „Böses Auto-Gute Bahn“ passt auf neue Entwicklungen nicht mehr. Reaktivierte oder neue Bahnlinien sind heute im allgemeinen strategisch entwickelte Infrastruktur- und Raumgestaltungsprojekte, die der Vernetzung von Wohn- und Wirtschaftszentren dienen. Sei es Regionaltangente West oder die Weiltalbahn. Auch die Neubaustrecke Frankfurt-Köln (die lärmenden Güterzüge fahren weiter am Rhein) fällt darunter. Vom Bau dieser -öffentlich finanzierten- Piste hat der Frankfurter Flughafen enorm profitiert. Sinnbild dafür ist das „Squaire“, unter dessen eindrucksvoller Fassade die Radtouristen auf der eigens gesperrten B 43 einrollten. So sehen die Herrschaftsbauten der Neuzeit aus.

Im Terminal 1 trafen nun die etwa 120 RadlerInnen auf nicht ganz 100 MahnwachenbesucherInnen. Rosemarie Heilig begrüsste die Fahrradtour. Es wurde aber nicht ganz klar, in welchem Maße dies in offizieller Funktion als Stadträtin oder als Privatperson (betroffene Bürgerin) erfolgte.
Leider sprach die Pressesprecherin der Tour de Natur im Nachklang der Veranstaltung von einem Treffen mit „Fluglärmgegnern“. Eine solche Wortwahl und auch Reduzierung des Anliegens der Montagsdemos zeigt, dass die Tour de Natur weiter in erster Linie eine Pro Fahrrad-Anti-Auto Initiative ist. Vielleicht wurde aber auch von uns FrankfurterInnen so ein Eindruck gefördert? Beim Anti-Flughafen-Ausbau-Protest geht es aber auch um grundsätzliche Fragen gesellschaftlicher Entwicklung. Schließlich wären ja die RadlerInnen berechtigt sauer, wenn ihr Protest gegen die heutige Massenmobilität auf Autobahnlärm eingegrenzt würde.
Dass VCD -Mitglieder vor den Tour-MitradlerInnen unwidersprochen Referate über eine Dezentralisierung des Luftverkehrs als Grundlage einer weiteren Ausdehnung halten („A 35o statt A 380″) , -denn dann könnte Verkehr aus Frankfurt abgezogen werden- ist das nicht besonders zielführend. Ein Ausstieg aus der Wirtschaftslogik, die ein Drehkreuz in Frankfurt braucht, ist nicht mit ein paar mehr Direktverbindungen in Düsseldorf oder Stuttgart zu erreichen.

Am Dienstag dann konnten die Tour de Natur Mitglieder erleben, dass Frankfurt am Main kein Fahrradwegekonzept hat, sondern nur verkehrsberuhigte Zonen in den „besseren“ Stadtvierteln und radiale Verbindungen zu den Büroarbeitsplätzen in der City.

Für die Grünen brachte der Dienstag neue Sorgen: Die Nachbesserung am Squaire, die Anbindung eines Parkhauses mittels Seilbähnchen, brach im Gewittersturm zusammen.

Diese Chaos war -auch für die Flughafenpolizei- nicht mehr gutmütig.


1 Antwort auf “Mahnwache gegen Fluglärm ?”


  1. 1 vega -lounge 09. August 2013 um 15:49 Uhr

    Das „Squaire“, das aussieht wie ein trockengelegter Wal, dem das Wasser drumherum entzogen wurde,steht auch sinnbildlich für die Krise von Herrschaft(sarchitektur).
    Die Mehrheitseigentümerin und Bauherrin, die IVG Immobilien GmbH , ist so gut wie pleite. Sie kann die Kredite, die sie u.a. für die Realisierung des Squaire aufgenommen hat, nicht mehr bedienen und verhandelt fieberhaft über einen Schuldenschnitt und über Geldtransfusionen.
    Vermarktet wird das Squaire über die Tochtergesellschaft „The Squaire Verwaltungsgesellschaft GmbH“.
    Die Vermietung des Squaire lief -und läuft- schleppend. Weil potentielle KundInnen fehlende Parkplätze monierten, wurde dieses Vermarktungshindernis über ein Grossparkhaus gelöst, mit dessen Bau und Finanzierung die Anteilhaber der Fraport dem klammen Investor unter dier Arme griffen. Die Frankfurter Grünen hatten die baurechtliche Zustimmung zu dem (Fast-)Milliardenprojekt ursprünglich davon abhängig gemacht, dass es möglichst keinen neuen Autoverkehr erzeuge. Das Sqaire sollte das absolute Hochpreis-Immobilien-Segment („der Welt längstes, verkehrsgünstigstes Hochhaus“) bedienen. Da hat man -zumindest bislang- den Standort überschätzt, zumal man mit der Airport City direkte Konkurrenz geschaffen hat.
    Schon bald könnte das Squaire-“Walfilet“ einem neuen Vermarkter als Schnäppchen zum Frass angedeihen. Was den armgewordenen Real-Investor angeht: Zum Ueberleben hilft nur eins, Bauen, bauen auf Teufel komm raus bauen, wenn irgend möglich staatlich abgesichert…
    So wie es Max Bögl macht(die Firma, die einen Grossauftrag beim Bau der Nordwestbahn -Untertunnelung Okrifteler Str- hatte). Die haben jetzt einen Grossauftrag für die Betonarbeiten am Fildertunnel in Stuttgart (Herzstück des S 21-Projekts) bekommen.
    Ob der Tunnel jemals kommt ist unklar, der Scheck an die Baufirma kommt -notfalls zivilrechtlich eingefordert- ganz sicher…

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