Streik: Flughafenmanagement legt Flughafen selbst still


Im Vorgriff auf mögliche Streikauswirkungen hat die Fraport den Flughafen weitgehend eigentätig geschlossen. Die Streikenden waren darob zufrieden. Allerdings hielt sich die Streikbereitschaft stark in Grenzen.

Etwa 400 Menschen beteiligten sich an einem Protestmarsch von der Aktionsbühne nahe der Fraport-Hauptverwaltung zum Terminal 1. Insgesamt sollen sich 1500 Mitarbeiter -Schwerpunkt bei den Bodendiensten- an der Aktion beteiligen. Aufgewertet wurde der Demozug durch zwei Großfahrzeuge der Feuerwehr.

Hauptparole war „Mehr Geld“. Der Verkehr auf den östlichen Zufahrten kam für ca. eine halbe Stunde zum Erliegen.

Es gehört durchaus Mut dazu, sich bei der Ver.Di Aktion öffentlich zu zeigen – gerade angesichts der relativ milden Forderungen. Das Management wird versuchen, die Streikkosten den Lohnforderungen gegenzurechnen. Allerdings hat der Streik der FluggastkontrolleurInnen gezeigt, dass eine offensive Strategie wirksam ist.
MitarbeiterInnen diskutierten , inwieweit VerDi nicht selbst mitschuldig an einem Klima der Segmentierung, Isolierung und Entsolidarisierung ist, wo viele sich überlegen, ihr Gesicht zu zeigen. Ver.Di hat die Strategie der Aufgliederung des Unternehmens aktiv mitbetrieben. Nun muss sich die Gewerkschaft neu positionieren und wieder eine einheitliche Linie für möglichst alle Beschäftigen finden. Mit der Forderung nach mehr Geld wird es nicht getan sein.

Für die AnwohnerInnen in den Lärmschneisen bedeutet der Ausfall von 55o Flügen eine deutliche Anhebung der Lebensqualität. Ein Kommentar: „Die Gewerkschaft hat sich um Lärmschutz und Klimaschutz VER.DI ent gemacht!“ Das dürfte sich aber schon am späten Abend, wenn die nächste Ausnahmegenehmigung wegen der nötigen Ausbalancierung der Flugpläne droht, ändern.
Insgesamt ist es begrüssenswert, wenn die Löhne am Flughafen steigen. Fliegen könnte dann teurer werden und die Verarmung des Umlandes gebremst. Auf der anderen Seite ist mit massiven Personaleinsparungen zu rechnen, der Neubau von personaleinsparenden Logistiksystemen -auch im Zuge eines Terminal 3- wird für die Arbeitgeber attraktiver. Mit Lohnsteigerungen wird die Ausbeutungsspirale von Mensch und Umwelt nicht gestoppt, eventuell wird sie teilverlagert. Es ist für die Region auch nicht unbedingt wünschenswert, dass der Flughafen als Arbeitgeber noch attraktiver und wichtiger wird. Schon heute ist er in der Lage, die Wirtschaftsstrukturen im Umland an sich auszurichten.