30 Jahre Startbahn West


Vor 30 Jahren wurde mit der Inbetriebnahme der Startbahn West ein neues Niveau an Lärm-, Abgas und Klimabelastung durch den Frankfurter Flughafen erreicht. Was schon damals jenseits des Zumutbaren lag, hat bis heute weiter rapide zugenommen und ist nach wie vor Grund für Proteste. 30 Jahre Startbahn West – dass war letztes Wochenende aber vor allem ein Anlass, auf die Geschichte von Protest und Widerstand gegen die Flughafenerweiterung zurückzublicken.

Der quasi offizielle Rückblick der Bewegung auf sich selbst, wurde am Freitagabend im Walldorfer Rathaus ausgerichtet. In dem von einem älteren Publikum gut gefüllten großen Saal, herrschte eine ausgesprochen familiäre Atmosphäre. Es war keineswegs nur nostalgischer Rückblick was dort stattfand. Der Bogen wurde von der Startbahn über die Kelsterbacher Waldbesetzung bis zu Montagsdemos, Sehring und der drohenden Rodung für das Terminal 3 im Treburer Wald geschlagen.

Einen Eindruck von der Veranstaltung, bereichert um persönliche Rückblicke, bietet dieses Video von Quer TV:

Der Rückblick auf Protest und Widerstand an der Startbahn war ambivalent. Selbstbewusst wurde in Richtung mancher neubetroffener BI-Aktiver verteidigt, nach dem Scheitern eines rein legalistischen Protests zu Methoden des Zivilen Ungehorsams gegriffen zu haben. Protestphasen und Widerstandsformen, die den Referenten (nur Männer) weniger angenehm waren, wurden dagegen weitgehend ausgeblendet. So kam der breit mitgetragene und facettenreich abgestufte militante Widerstand, auch aber keineswegs nur aus der autonomen Szene, praktisch nicht vor. Es entstand ein bisschen der Eindruck, zwischen der Inbetriebnahme der Startbahn und den Protesten gegen die Cargo City Anfang der 90er, sei außer den Schüssen nichts passiert.


Eine Ausnahme: Frisch enthülltes Diorama von Matthias Schmeier

Das zu diesem Jubiläum nur ein selektiver Rückblick auf Protest und Widerstand am Flughafen geleistet wurde, liegt aber auch daran, dass sich andere Akteure nicht öffentlich zu Wort gemeldet haben. Das geschah in diesen Tagen stattdessen auffällig oft in persönlichen Gesprächen. So auch am Sonntag an der Startbahn, wo sich wie immer ein kleines Grüppchen AusbaugegnerInnen traf und obenstehendes Foto entstand.