Gemischte Geschichte…

Das war sie also, die mit so viel Spannung erwartete hundertste Montagsdemo. Letztlich war alles wie immer….

Nur ein bischen grösser. Die Polizeipräsenz (es gab das volle Aufgebot mit BFE und Kommunikatoren). Die Beteiligung von Politikern (Erstaunen erregte vor allem die SPD, mit der Teilnahme von Frankfurts OB Peter Feldmann und den taktisch-flughafenkritischen Tönen von T. Schäfer-Gümbel). Die Zahl der Demonstrierenden ( statt – wie zuletzt um 7oo kamen geschätzte 3000 Menschen)
Grösser auch die Erwartungen. Und die internen Querelen, wie „politisch“ die Montagsdemo sein darf.

Hierfür kann es hilfreich sein, mal einen Blick darauf zu werfen, wie die erklärte Gegenseite -also die Fraport-Leute- auf die Demo reagiert haben. Offiziell gibt es wenig direkte Reaktionen. Noch. Ahnlich wie in den Reihen der Bürgerinitiativen will man vermeiden, dass interne Auseinandersetzungen nach außen dringen.
Deutlicher sind da schon die Fraport-MitarbeiterInnen, die sich rege an der Kommentierung von Pressebeiträgen zur Demo beteiligen.

Da schreibt User „Sachlichkeit“: „CDU und Grüne wollen das Terminal 3″. Das sei beschlossen, Demos seien das eine, Koalitionsverträge das andere.
Hintergrund: Was tatsächlich bald ansteht, ist die Entscheidung über den Baubeginn des Terminal 3. Da wird es von den Flughafenangestellten nicht gern gesehen, dass sich Regierungspolitiker auf die Seite der Demonstranten stellen. Wer aufmerksam die Statements der Politiker anhört, wird aber feststellen, dass sie nur an der Seite stehen und immer von „Dialog“ reden. Also eben nicht die Positionen der Bürgerinitiativen vertreten. Das ist ja auch der Grund, warum es nicht sinnvoll ist, sie sich als eigene RednerInnen aufs Pult zu stellen.
Und warum Aktionen der BI nötig sind, um das Terminal doch noch zu stoppen.

Ein anderer schreibt: „Die Demos sind purer Egoismus. Die Demonstranten wollen eine tote Wirtschaftsregion, mehr Arbeitslose, dass die Firmen wegziehen“.

Die Fraport hat in den letzten Jahren alles in ihrer Macht stehende getan, die Wirtschaftsstrukturen der Region an ihre Bedürfnisse anzupassen. Für die oftmals prekarisierten Arbeitsplätze, die sie geschaffen hat, sind viele andere weggefallen. Vor allem in der Produktion. Das hat nicht die Fraport bewirkt, so mächtig ist sie ja auch nicht. Die Ursache liegt in veränderten globalen Wirtschaftsbeziehungen. Es ist aber auffällig, wie hierfür Privat- und Staatswirtschaft verknüpft wurden. Das geht beim Kampf um „Standortvorteile“ bis in die Kommunen.
Die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben teilweise zu verstärkter Konkurrenz, Entsolidarisierung und Abstiegsängsten geführt – Entwicklungen, gegen die -ob es ausgesprochen wird oder nicht- montags von dem meist bürgerlichen Publikum demonstriert wird.
Demonstriert wird also auch gegen „Egoismus“, die Demo ist eine soziale Veranstaltung. Und das ist auch wieder ein Grund, warum sie von den dabei ausgegrenzten Flughafenbeschäftigten als „egoistisch“ wahrgenommen wird.

In den Blogs steht auch: „Das waren keine 4000 Leute, sondern nur 2300.“ Es wäre wie in Stuttgart, dort hätten die Demonstranten bis zum Volksentscheid auch gedacht, sie sind die Mehrheit, in Wirklichkeit aber eine Minderheit .

Tatsache ist, dass es nur eine Minderheit ist, welche demonstriert. Viele stammen aus der Generation, die ab den 60ern politisiert worden ist. Gerade unter Jüngeren ist es schwer, Anhänger zu gewinnen. Zu beobachten ist ein Schulterschluss Unterdrückter mit den Unterdrückern. Wer von Fraport abhängig ist und sich mit der Situation arrangiert hat, wird nicht in seinem Brötchengeber, sondern in den Anti-Wachstums-Demonstranten seinen Gegner sehen. Fraport versucht möglichst alles, Mehrheiten hinter sich zu schaffen und sich damit zu legitimieren. Am besten geht das über Abhängigkeiten.

Die Auseinandersetzung ist höchst politisch. Auch wenn es „nur“ um Lärm geht. Manche bei der BI und bei den Grünen versuchen die Widersprüche aufzulösen, indem sie bestreiten, dass diese überhaupt existieren.
Heraus käme dann keine Reduzierung des Luftverkehrs durch und mit einer sozial gerechten Gesellschaft, sondern eine „rechte“ Gesellschaft mit hochmobiler Oberschicht, denen die Mehrheit zuarbeitet.