Turbulenzen auf Bodenhöhe…

…gab es bei der Premiere des Anti-Ausbau-Films „Der lange Atem“ im Naxos-Kino. Unterschiedliche Erwartungen, unterschiedliche Interessen verbanden Macher und Veranstalter. Der Konflikt war vorprogrammiert.

Im Naxos Kino gibt es eine ambitonierte Filmreihe, in deren Rahmen jeweils Dienstags außergewöhnliche Dokumentarfilme gezeigt werden. Im Anschluss gibt es ein Filmgespräch mit den ProduzentInnen und vom Naxos-Kino ausgesuchten Experten. Auch das Publikum erhält die Möglichkeit, sich an der Diskussion zu beteiligen. Das Ganze geschieht ehrenamtlich und auf Vereinsbasis.

Am 4.11. nun war der Flughafenausbau Thema. Das Naxos Kino hatte sich die IGF (Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms) ins Boot geholt. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Beamer-Bilder-Show machte Willfried Jaspers mit Martin Höcker einen rund einstündigen Film über 35 Jahre Protest, beginnend mit der Startbahn West. Das bewusst offen gehaltene Ende bilden erste Proteste gegen das Terminal 3 und die ungebrochene Montagsdemo-Bewegung.

Der Film begleitet – so die Information des Naxos über den Abend – „einen Vertreter der Bürgerinitiativen“ und einen Vertreter aus dem „militanten Spektrum“ über viele Jahre Protest.
Der Film bleibt dabei nicht bei einer historischen und journalistischen Aufarbeitung stehen, „um konstruktive Weiterentwicklung des Widerstandes zu streiten, das erscheint den Filmemachern wichtig“, so zitiert das Naxos die Filmcrew.

Etwas anders liegen die eigenen Interessen des Naxos. Ihm ist es ein Anliegen, ein“ganzheitliches Verständnis“ für politische Themen, Kunst und Kultur zu fördern, gewissermassen aus der Überparteilichkeit heraus eine Übersicht zu ermöglichen. Und zudem mit wichtigen Leuten die Bedeutung des eigenen Projektes zu fördern und ein bisschen Politik zu machen. Ein sicher legitimes Anliegen. Es erfordert aber gute Kenntnisse des jeweiligen Sujets. „Flughafen“ ist in der Frankfurt Kulturszene kaum noch ein Thema. Das sollte sich rächen.
Für das Filmgespräch versuchte das Naxos, die zuständigen Top- PolitikerInnen Frankfurts und Offenbachs aus dem Pro- und dem Contra-Lager zu gewinnen – angefragt wurden Tarek al Wazir und Petra Roth. Beide sagten aber ab, was das Naxos bewog, ihnen leere Stühle hinzustellen.
Dafür wurde ganz kurzfristig der Fraport-Lobbyist von der Antibürgerinitiative-Bürgerinitiative „Pro Flughafen“ Ernst Müller nachgeladen. Er sollte nun Ausgewogenheit und -vermeintliche- Meinungsvielfalt beim Filmgespräch garantieren.

Diese Polarisierung war aber nicht das, was sich IGF und die Filmemacher vorgestellt hatten. Das Naxos wollte die Veranstaltung zudem „auflockern“ indem es den Film in zwei Teile teilen und in der Zwischenpause Gerd Fischer aus dem Roman „Fliegeralarm“ lesen lassen wollte.
Was der Filmdramaturgie überhaupt nicht förderlich gewesen wäre.
Problematisch auch, dass nicht beide Filmautoren aufs Podium sollten (dabei gab es ja leere Stühle…). Und dazu die Präsenz eines Pro-Flughafen-Lobbyisten, der die Diskussion über den Film unweigerlich in eine allgemeine Debatte über das Pro und das Kontra des Ausbaus münden lassen würde.

Ziel des Filmgesprächs und der Diskussion sollte aber gerade sein, aus den unterschiedlichen Ansätze innerhalb des Protests nicht nur die Beteiligten, sondern auch ein interessiertes Publikum, das nicht so eingebunden ist, Schlüsse ziehen zu lassen.

Schon nach den Eingangsstatements entzündete sich Kritik an der Präsenz des Flughafen-Manns. Er sollte seinen Platz räumen. Das wollte das Naxos-Team aber nicht, das nicht nur sein eigenes Konzept in Frage gestellt sah. Es wollte auch nicht gegenüber dem Pro-Flughafen-Mann, den es ja selbst angeworben hatte, im eigenen Haus das Gesicht verlieren.

So gab es nun eine Diskussion über die Diskussion anstatt einem Filmgespräch, auch nachdem dann der Pro-Flughafen-Mann gegangen war.

Dem Filmprojekt selbst hat die Aufregung sicher am wenigsten geschadet. Publicity nützt…Vor allem dürfte jetzt auch einigen Kulturschaffenden wieder – wie es in „nostalgischen“ Startbahnzeiten schon mal war – klar sein, dass so eine Veranstaltung von den Beteiligten gemeinsam vorbereitet werden muss. Und es sollte einem irgendwie klar sein, wen man auf das Podium nebeneinander setzen kann – und mit welchen Risiken und Nebenwirkungen.