Piloten und Nichtflieger- ein Interesse

Erneut haben die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa die Langstrecke bestreikt, was die Flughäfen in Frankfurt und München besonders trifft. Mit einem kurzfristigen weiteren Streik am Donnerstag wurde es der Unternehmensführung erschwert, kurzfristig Freiwillige in die Dienstpläne zu schieben. Zudem wurde damit auf die Ankündigung der Lufthansa reagiert, eine Long-Distance -Low-Cost-Marke zu etablieren – irgendwann auch in Frankfurt. Da macht das Terminal 3 auf einmal Sinn – aber nicht für uns….

Neulich in der S-Bahn: Zwei Mittzwanziger steigen zu. Der eine schiebt ein schickes Mountainbike, auf den zweiten Blick aber als billiges Nachahmerprodukt identifizierbar.
Sie unterhalten sich über ihre letzten Unternehmungen: Sauftouren, Wochenendausflüge, Städtereisen.

„Womit biste da geflogen ?“
„Lufthansa.“
(der andere lacht) „die ist wirklich geflogen ?“
„An dem Tag schon.“ Man, diese Piloten. Die sind total überbezahlt, die tun doch heute fast nix mehr. Treiben nur die Preise hoch“.

Weiter geht das Gespräch über Alternativen zur Lufthansa. Nur alles nicht so bequem, weil weiter entferntere Abflugorte.

Fest steht: Die sind für die Montagsdemo verloren.

Es gibt hingegen eine erstaunlich große Schnittmenge bei den Interessen der PilotInnen und der AusbaugegnerInnen. Der Arbeitskampf der Gewerkschaft Cockpit verdient kritische Solidarität und Unterstützung. Damit Fliegen nicht noch mehr zum Billigprodukt wird. Bei dem der Region nur die Belastungen bleiben, aber keine Einnahmen.

Wie war die Parole auf einer Flughafen-Demo vor gut 10 Jahren:

Geld und Arbeit fliegen weg
was uns bleibt ist Lärm und Dreck

Natürlich werden Pilotinnen und Piloten mit der Erzeugung von Krach identifiziert. Aber gerade die Lufthansa bietet heute noch überwiegend Nicht-Krach-Mach-Jobs, mit der Menschen in der Region ihr Geld verdienen.
Aber gerade das ist das Problem der Lufthansa. Um die Kosten zu senken und das Fliegen billiger machen, muss sie viel „Bodenpersonal“ loswerden und sich auf das eigentliche Fluggeschäft konzentrieren, wie das Billigflieger a la Ryanair vormachen, die 40 Prozent günstiger produzieren. Und muss noch mehr Fluggäste gewinnen. Und dann noch mehr…..

Wer gedacht hätte, die Bundesregierung würde eine Beschränkung der Zuwachsraten im Flugverkehr als ein Klimaschutzziel anvisieren, sah sich diese Woche getäuscht.
Im Gegenteil, das möglichst billige Verschieben von Menschen und Fracht -solange es im politischen und wirtschaftlichen Europainteresse ist – soll weiter gestärkt werden.
Dafür wird auch das Ruinieren einer Region in Kauf genommen.

Auch das Terminal Drei mit seinen amtlich planfestgestellten Unzulänglichkeiten macht Sinn, wenn es vorrangig als abgetrenntes Billigflugterminal betrieben wird. Auch für Papierkraniche wie Eurowings.

Ein Problem des Pilotenstreiks ist, dass es keine Interesseneinheit mit den übrigen Beschäftigungsgruppen im Lufthansakonzern gibt. Konkurrenz und Gegeneinander unterschiedlich starker Beschäftigungsgruppen schadet letztlich allen – es erlaubt das gegenseitige Ausspielen.
Und es geht fast nur um Lohn-Verteilungskämpfe, aber nicht um einen (gewerkschafts) politischen Widerstand gegen die Aufteilung des Fliegens in ein kleines Luxus- und ein großes Billigsegment.

Und da sind auch die Kundinnen und Kunden gefragt.
Echt problematisch die Ökos. die beispielsweise mit Emirates („schön billig“) an den Golf und von dort weiter nach Australien fliegen. Die Umstände werden ausgeblendet.

Wie hieß es auf einer Demo im Kelsterbacher Wald:

Billigflug und Niedriglohn
sind Betrug an der Region.