Kommentar: Na dann bis neulich im Wald

Die Grünen in Hessen sind ein „Kind“ der Startbahn West. Ihr politisches Gewicht zogen die ersten zwei Fraktionen aus dem bruchstückhaften Verhandeln und Bröckelns des Forderungskatalogs der Bürgerinitiativen. „Real“politik nannte sich das. So auch wieder beim Terminal 3. Nur diesmal mit einer wesentlich schwächeren Bürgerinitiative (im Rücken oder gegenüber?).

Was von Tarek Al Wazir kam, war in seiner politischen Konsequenz kläglich, aber vielleicht entspricht das auch dem kläglichen Bild, das wir als BI Bewegung abgeben. Für den Koalitionsfrieden riskiert Al Wazir nicht einmal ein inhaltliches Widerwort.
Die „Empfehlung“ Alternativen zu prüfen, dient wohl nur der Gesichtswahrung. Das weiß der Realpolitiker.
Wirklich aufregen kann das nicht, da für Aufregung die Erwartungshaltung gegenüber den Grünen höher gewesen sein müsste. War sie aber nicht.
Jetzt geht es darum, endlich selbst initiativ zu werden und Grüne, vor allem aber die Landesregierung , politisch zu fordern. Es kann nicht sein, dass die Koalition so tut, als liesse sie sich von der Fraport ihre Flughafenpolitik machen . Sie können sich nicht um politische Beschlüsse zum T 3 drücken und behaupten, sie hätten damit nix zu tun.
Jede(r) die vor 35 Jahren „im Wald war“ wusste, dass die Landesregierung und die Bundesregierung die Startbahn West jederzeit hätten stoppen können.
Wenn sie gewollt hätten. Realpolitik.
Das gilt auch heute.
Landesregierung und Stadt Frankfurt könnten Fraport anweisen, wenn sie wollten.
Die ökologische und regionalpolitische Notwendigkeit ist da.
Die politischen Gewichte haben sich in den Realitäten des neoliberalen Zeitalters verschoben, zu unseren Ungunsten.
Viele Kleinstrukturen, die sich gegen den Strukturwandel stemmten, sind aufgelöst und als Bündnispartner verloren.
Politischer Widerstand gegen als feindlich empfundene Wirtschaftsinteressen ist komplexer und schwieriger geworden, da wir sozial in den Unterdrückungs- und Zerstörungsmechanismen zunehmend bewusst eingebunden und davon abhängig sind. Entsprechend der verbreiteten Entsolidarisierung sind Mehrheiten „dagegen“ schwer zu gewinnen und zu mobilisieren. Diese Erfahrung musste nach der Gewerkschafts- auch die Umweltbewegung machen.
Dass es auch punktuell anders geht, zeigt der AntiPegida Protest.
Die politische Notwendigkeit und auch die Verantwortung, sich weiter gegen den hemmungslosen Ausbau des Flughafens zu stellen,bleibt da. Sie wächst in dem Maße, in dem Alternativen zur „Kapitalmobilitätsdrehscheibe“ Rhein Main dringlicher werden.

Der Widerstand wird weiter gehen. Das im doppelten Sinne. Es geht weiterhin, Widerstand zu machen. Und: Der Protest muss sich weitere Verbündete und weitere Aktionsformen suchen, wenn er mehr sein will als ein Ritual oder ein Veteranengedenken.
Es geht um mehr. Um Realpolitik.
Wir sehen uns in der Stadt, auf der Baustelle, im Wald.