„Fliegen ist wie Busfahren“

„Fliegen ist für mich wie Busfahren“ – dies sagte vor einigen Wochen eine junge Frau zu ihrer Freundin in der S Bahn auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt. Sie erwartet höchste Sicherheit, Zuverlässigkeit und Service zu einem Taschengeldpreis. Wie wohl solche Leute auf den Airbus-Absturz reagieren ?

Zuerst und mit tiefer Betroffenheit hat (neben den Angehörigen) das Personal von Lufthansa und Germanwings auf den Absturz reagiert. Viele gehen von einem technischen Versagen aus. („Es hätte mich genauso treffen können“). Das Unternehmen befindet sich gerade in einer massiven internen Auseinandersetzung um seine künftige Ausrichtung. Teile der Lufthansa und der komplette Germanwings-Ableger sollen in eine künftige Billiggesellschaft „Eurowings“ übergehen. Dort sollen die bisherigen Sozialstandards nicht mehr gelten, eine massive Arbeitsintensivierung wird erwartet – Bedingungen, welche nur wenige Jahre durchzuhalten sind und dann konsequenterweise zu einem Auswechseln der Belegschaft führen. Direkt (oder zumindest indirekt) wird auch eine Absenkung der Sicherheit befürchtet – schon aus der ständigen Anspannung heraus, die Standards unter den verschärften Ausbeutungsbedingungen nicht mehr einhalten zu können.

Fliegen soll nach der Massgabe der EU-Kommission und ihrem Konzept des „Zusammenwachsens“ der Gemeinschaft und des Wirtschaftswachstums immer billiger werden. Der neue Name „Eurowings“ ist dabei Programm. Das Benutzen des Fliegers soll tatsächlich so selbstverständlich werden wie Busfahren. Fernbuslinien innerhalb von Europa gehören -ähnlich wie die Euro-Nachtzugverbindungen- zunehmend der Vergangenheit an. Sie sind nicht mehr konkurrenzfähig, die Gestehungskosten zu teuer, die Fahrzeiten zu lang. Ausgeblendet werden die Risiken des europäischen Massenflugkonzeptes für Umwelt, Anwohner, Beschäftigte und auch für die NutzerInnen. Das Billigflugkonzept ist weder umwelt- noch menschengerecht.

Wie werden jetzt die jungen „Intensivfliegerinnen“ reagieren? Werden sie nach einer Tages-Bahnverbindung nach London oder Barcelona (durchaus machbar) suchen oder ihr Mobilitätsverhalten generell überdenken?
Es muss immer weiter und immer schneller gehen, zwischen den „Metropolen“ kann über die Woche oder sogar über den Tag gependelt werden. Was dazwischen oder darunter liegt, wird an- oder auch abgehängt.
Wie- normalerweise- die Naturlandschaft, in der die Maschine abgestürzt ist. Sie erschliesst sich dem Menschen nur zu Fuss. Wer dort wandert oder klettert, schafft ein Tagespensum von vielleicht zehn Kilometern. Im Flugzeug geht es in dieser Zeit von Frankfurt nach New York und auch wieder zurück….


1 Antwort auf “„Fliegen ist wie Busfahren“”


  1. 1 vega -lounge 27. März 2015 um 10:09 Uhr

    Interessant ist die sehr schnelle öffentliche Schuldzuweisung an den Copiloten, normalerweise werden offizielle Wertungen erst mit dem abschliessenden Untersuchungsbericht getätigt. Ob die Hintergründe nach dem Statement der Staatsanwaltschaft jetzt noch weiter aufgeklärt werden und ob es dafür bei den Beteiligten ein Veröffentlichungs- und Erkenntnisinteresse gibt – mal sehen.

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