Rückbau statt Ausbau-warum?

Kernforderung und Motto des Sommercamps im Treburer Oberwald ist die Forderung nach einem Rückbau des Flughafens. Bisher war von AusbaukritikerInnen oftmals die Position vertreten worden, dass sich der Flughafen in seinen jeweils erreichten Grenzen „optimieren“ kann. Warum dieser Strategiewechsel ?

Regionale Aspekte

Wir fordern Rückbau,

- weil die bei der Mediation um das Jahr 2000 beschlossene Ausbaustufe mit Nordwestbahn und Terminal 3 gegen politische Absprachen und einen nach dem Startbahn-West-Bau erreichten Konsens durchgedrückt wurde. Das BI-Bündnis hat diesen Ausbau nie akzeptiert und verlangt eine Rücknahme der Entscheidung.
Die in der Planfeststellung zugestandene Erhöhung der Zahl der Flugbewegungen lehnen wir strikt ab.

- weil in der Logik des Ausbauprozesses nach jeder Ausschöpfung der durch die letzte Ausbaustufe geschaffenen Reserven, die Forderung -und auch Notwendigkeit aus der Sicht des Flughafens- nach einer neuen Erweiterung kommt.

- weil der Ausbau ein ständiger Prozess ist -neue Gewerbegebiete, neue Straßen, Vernichtung gewachsener Gewerbestrukturen, die dem Anpassungsdruck an den Flughafen nicht mehr gewachsen sind….

-weil die Arbeitsplätze, die der Flughafen schafft, oftmals „schlechter“ sind als die, welche er verdrängt. Es ist klar: Wenn Fliegen billig sein muss, können die Löhne der FlughafenmitarbeiterInnen nicht hoch sein- oder viele Jobs werden wegrationalisiert.

- weil die zunehmende wirtschaftliche Abhängigkeit vom Flughafen die Region von dessen Wohlergehen abhängig macht – und dahinter steht ein grosses Fragezeichen (siehe unter „globale Aspekte“…..)

Globale Aspekte

Wir fordern Rückbau,

- weil der Verkehrssektor die Klimaschutzziele in Deutschland ( 40 % CO.2- Einsparung gegenüber 1990) noch stärker verfehlt als der Gebäude- und der Energiesektor.
Im Mobilitätsbereich müssen in den nächsten 7 Jahren 7-10 Millionen Tonnen C0.2 eingespart werden, um die Vorgaben einzuhalten.
Die Einsparungen durch Effizienzsteigerung wurden im Strassen- und Luftverkehr durch den Trend zu grösseren PKW, durch Verlagerung des Güterverkehrs vom Binnenschiff und der Schiene auf die Strasse und durch den Trend zu häufigerem und billigerem Fliegen mehr als ausgeglichen.

- weil das ständige Wachstum der Mobilität ohne Mehrnutzen keine Zukunft hat:
So wie der Hafen Hamburg für den Wasser-Land-Umschlag führend ist, so ist der Flughafen Frankfurt Marktführer im Luft-Land-Umschlag. Das ist die energieintensivste Form der Warenmobilität.
Während im Kraftwerksbereich eine Umstellung auf regenerative Energien zumindest mittelfristig möglich erscheint, ist dies im Verkehrsbereich, besonders im Luftverkehr, nicht der Fall. Das Flugzeug stösst an seine Optimierungsgrenzen – so wie einst die Dampflokomotive. Die arbeitsteilige globale Warenlogistik, die von hoher Warenmobilität abhängt, ist ein Kernbereich des kapitalistischen Wirtschaftens. Hier hilft nur ein Systemwechsel, weg von der gegenwärtigen ungerechten Form der Warenproduktion und -konsumption.

- weil Fliegen eine besonders umweltbelastende Form des Reisens und die krasseste Form der weltweiten Verteilungsungerechtigkeit in Sachen Personenmobilität ist. Im Vergleich zum Warenbereich gibt es noch weniger Freizügigkeit. Den Nutzen haben wenige, die Umweltfolgen tragen alle – ganz zum Schluss auch die gegenwärtigen vermeintlichen Profiteure des Systems.
Die oft menschenverachtende Politik für billiges Öl, die zunehmende Unbewohnbarkeit ganzer Grossregionen schafft Flucht- und Kriegsgründe – und wird auch die „Urlaubskultur“, wie wir sie heute kennen, zur Vergangenheit machen.

Deshalb sollte der Flugbetrieb nicht weiter wachsen und muss auf seine wichtigsten Bereiche beschränkt werden. Es muss erst Druck geschaffen werden, damit nach Alternativen in Sachen Mobilität gesucht wird – bevor es zu spät ist…