Piloten wieder „inpolite“

Gegenwärtig läuft die bereits 13. Streikwelle der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit gegen den Lufthansa Konzern. Es ist nicht nur ruhiger und die Züge sind besser gefüllt – auch die Ziele des Streiks dürften die meisten AusbaugegnerInnen begrüssen. Der Streik hat eine politische Dimension, die auf die Zustimmung durch die „Mobilitätsgesellschaft“ zielt – und auch auf deren Kundenverhalten .

Nach dem Scheitern der Schlichtungsverhandlungen im Sommer geht es jetzt offiziell vor allem um den Streitpunkt der Übergangsrenten – mit dem Hochsetzen des offiziellen Austrittsalters auf 62 Jahre möchte Lufthansa die Pensionslasten drücken, die Cockpitbesatzungen sollen einen Beitrag zur Kostensenkung leisten.
Gescheitert ist die Lufthansa mit dem Versuch, den Streik verbieten zu lassen, zumindest in erster Instanz.

Die UFO, ebenfalls eine Spartengewerkschaft, die der FlugbegleiterInnen, hat den Streik als existenzbedrohend scharf kritisiert. Interessant daran ist, dass sich UFO bei den eigenen Streikaktionen wenig um die Belange des Bodenpersonals gekümmert hat – hier zeigt sich der klare Nachteil von Spartengewerkschaften, was die interne Solidatität angeht.

Einer der Antriebe des Streiks ist die Unzufriedenheit mit der Unternehmenspolitik. Lufthansa steht vor einem Systemwechsel und einer Konzerndiversifikation, ähnlich wie beim Übergang von Flughafen AG zu Fraport oder der Hoechst AG zu Intraserv.

Das fällt unter unternehmerische Freiheit und damit nicht unter das deutsche Streikrecht – da aber auch ein Tarifstreit politische Dimensionen hat, geht es hier durchaus auch um gesellschaftliche Akzeptanz, die mitentscheidet ob ein Streik Erfolg hat.

Die Zeiten, wo Lufthansa damit Werbung machte, sie habe die bestausgebildetesten, erfahrensten und eben auch bestbezahlten PilotInnen (Sicherheit hat ihren Preis) sind lange vorbei. Damit gewinnt man heute keine KundInnen mehr – beim Massenprodukt „Fliegen“ zunehmend nur noch über Gesamtleistung und Ticketpreis.
Lufthansa handelt im Sinne der kapitalistischen Logik durchaus vernünftig.

Mit dem Übergang zu Eurowings auch auf vielen Langstrecken will die Lufthansa ihre Maschinen praktisch „ausflaggen“ und Arbeitsplätze künftig flexibel ins Ausland verlagern können.

Niedrigere Löhne bedeuten weniger Kaufkraft und damit Verarmung im Flughafenumland.

Dabei ist die Senkung des Anteils der Personalkosten am Gesamtprodukt durchaus begrüssenswert – aber nicht durch Senkung der Löhne, sondern durch Anhebung der Gesamtkosten, nämlich um den Preis, den die Flüge durch CO.2 Ausstoß und beispielsweise Lärmbelästigung gesamtgesellschaftlich tatsächlich verursachen. Das reduziert den Kostenvorteil der Billigairlines, die der Lufthansa das Leben so schwer machen.

Gemeinsam im Interesse mit den PilotInnen ist, dass Fliegen seinen Preis haben muss – mag es den PilotInnen um einen komfortablen Ruhestand gehen und uns um eine komfortable Umwelt auch für die nächsten Generationen.