Klimaparade in Stuttgart

Genau während diese Zeilen geschrieben werden, startet in Stuttgart die „Klimajugendparade“. Ein Bündnis aus DGB-Jugend und zahlreichen Umweltschutzverbänden ruft zur Demo im Vorfeld des Klimagipfels in Paris auf. Eine „noch direktere“ Aktion fand in Berlin statt, dort wurde ein Umladekran für die Kohleversorgung eines Kraftwerks blockiert.

Klimaparaden sind eine relativ neue Form der Umweltbewegung, mit der vor allem junge Leute angesprochen werden.
Sie kommen aus dem Aktionsfundus von „350 .org“ , einer US-amerikanischen Dachorganisation, die auf den Millionär und Aktivisten Bill Mc Kibben zurückgeht und sich zu Beginn vor allem gegen die Ausbeutung der tar sands wendete.

Es hat in Deutschland schon einige dieser Paraden gegeben, so in Berlin und Mainz, die als „silent climate parade“ durchgeführt wurden. Das heisst, die Demo war stumm – aber die Teilnehmenden trugen vom Veranstalter gestellte Kopfhörer , hörten darauf aufpeitschende Musik und tanzten.
Das Motto „Kochen, Tanzen, Pflanzen beinhaltete auch gemeinsames Essen-Teilen und die Präsentation eines“ mobilen Gartens“, dessen Erzeugnisse am Ende unter die DemoteilnehmerInnen verteilt wurden.

Das Selbstverständnis dieser Demos ist das einer „breiten Sammlungsbewegung“, es wirkt von oben organisiert und politisch wenig profiliert und zugespitzt. Es strahlt einen stark appelativen Charakter an die Mächtigen aus. Als wenn es deren charakterliche Bosheit wäre, die uns den Klimawandel beschert….

Zudem grenzt es sich stark von dem Aktionskanon der bisherigen Klimabündnisse ab.
Oder wie lassen sich solche Sätze sonst lesen? :

„Wo andere mit lauten Parolen skandierend durch die Strassen ziehen, wird hier für eine nachhaltige Zukunft getanzt – gemäss dem Motto der Silent Clima Parade: Gesellschaft verändern soll Spass machen.“

Die Stuttgarter Demo mit dem Motto “ its our fucking future“ dürfte allerdings recht laut werden. Und vielleicht ist sie ja auch Ausgangsbasis für manche, etwas mehr zu tun.

So wie am Freitag in einem östlichen Aussenbezirk von Berlin. Mit einem Banner „Kohle killt Klima“ besetzten zwei Robin Wood AktivistInnen einen Kran, mit dem Braunkohle aus dem Lausitzer Revier von Eisenbahnwaggons auf Binnenschiff-Schuten umgeladen wird. Sie unterbrachen den Umladeprozess für ca. fünf Stunden und beendeten die Aktion genau um 5 vor 12. Sie forderten einen sofortigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung.

Auch so eine Aktion , welche den Kohlestopp in die eigene Hand nimmt, kann Spass machen- auch wenn sie kein Tanz ist.