Vor 30 Jahren: Waldbesetzung Wackersdorf geräumt

Am 7. Januar 1986 räumten Kräfte der Landespolizei Bayern und des Bundesgrenzschutzes die WAA-Bauplatzbesetzung im Taxöldener Forst im Umland von Schwandorf/Oberpfalz. Damit ging eine der erfolgreichsten Waldbesetzungen zu Ende- sie führte zu einem Anwachsen des Widerstandes gegen die Atomenergie.

Mehrere Monate -erst als Mahnwache, dann als Waldcamp und schliesslich als Hüttendorf- gab es eine Dauerpräsenz auf dem Bauplatz der Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Kernbrennstoffe (WAA). Es dauerte mehrere Wochen, bis das über 20 Hektar grosse Gelände gerodet und eingezäunt war. Dann nahm der Widerstand gegen das Projekt an Vehemenz und Militanz noch zu.
Der Bau der WAA wurde 1987/88 abgebrochen -eine Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl, einer veränderten Politik der bayerischen Landesregierung in der Post-Strauss-Aera und des Nukem-Alkem-Skandals. Und vor allem des massiven Widerstands aus der Bevölkerung.

Die Vorgeschichte:

Eigentlich wollte das Energiekartell aus Politik,, Behörden und Privatfirmen die WAA nicht in Bayern errichten. Die projektierten 50 Atomkraftwerke in der BRD sollten von einem zentraleren Ort aus ent- und versorgt werden: Dafür waren 1980 zwei Standorte in Nord- und Mittelhessen im Gespräch: Merenberg im Westerwald und Frankenberg im Waldecker Land. WAAs galten aber dank der Aufklärung durch Anti-Atom Gruppen in der breiten Bevölkerung bereits in den späten 1970ern als technisch unbeherrschbare Strahlenschleudern, die mehr Material kontaminierten als sie aufbereiteten oder beseitigten…..
Der Widerstand in den betroffenen Orten nimmt Anfang 1980 beeindruckende Ausmasse an: Zu einer Demo in Bad Hersfeld kommen am 19. April etwa 2000 Menschen, beim FDP-Parteitag in Darmstadt wenig später 1500 Menschen. MP Holger Börner wird bei der 1.Mai-Kundgebung in Borken (Braunkohlestandort) von 1500 wütenden DemonstrantInnen empfangen. Beim SPD-Parteitag am 10.5.1980 demonstrieren in Friedberg 1200 Menschen, überwiegend Jusos.

Auf diesem Parteitag beschliesst die SPD-Führung in einem Kompromissantrag ein Moratorium , das eine Entscheidung bis Anfang 1985 aussetzt – ein faktischer Erfolg der Atomgegner. Widerstand, so hat sich wieder einmal gezeigt, lohnt sich.
Nicht zuletzt dem Anti-WAA-Protest ist es auch zu verdanken, dass 1982 in Hessen die Wende zu CDU/FDP ausblieb.
Damit waren die Standorte politisch erledigt.
Darauf bringt die Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) die Alternative Dragahn ins Spiel -das Wendland soll ein gigantischer „integrierter Entsorgungspark“ werden. Aber auch dieser Standort -inzwischen der neunte- wird durch erbitterten Widerstand zu Fall gebracht.
Die DWK wendet sich an Franz-Josef-Strauss, der seit den 50ern als Verfechter eines kombinierten zivil-militärischen Atomprogramms bekannt ist.
Er macht die Durchsetzung der WAA zu einer persönlichen Entscheidungssache. Bei der Standortsuche wird man in „Bayerisch-Sibirien“ fündig: Das Schwandorfer Umland, nach dem Auslaufen der Braunkohlenförderung von Strukturschwäche bedroht, soll die WAA aufnehmen.

Der Widerstand im Vorfeld der Platzbesetzung

Neben den bundesweiten Anti-AkW-Zusammenhängen (viele kennen sich von der Startbahn West…) sind es im Jahr 1985 die Bayern-SPD, mehrere Naturschutzverbände, einige Bürgermeister , ein Landrat und flächendeckende vor-Ort-Bürgerinitiativen, die an den Entscheidungsprozessen zum Protest gegen einen Baubeginn mitwirken. Im Sommer wird die dafür notwendige erste Teilerrichtungsgenehmigung erteilt .

Als wichtig -auch aus den Erfahrungen an der Startbahn- wird eine Verzahnung von bundesweiten und regionalen Initiativgruppen gesehen: Anti Atomgruppen von auswärts übernehmen Partnerschaften für regionale BIs, für den August wird das jährliche Sommercamp bundesweit beworben, es soll Aufklärungsarbeit und eine „Schnupper-Platzbesetzung“ organisieren . Denn es ist erklärtes Ziel, den Bauplatz bei Baubeginn im Rahmen einer Grossdemo zu besetzen. Für den 12.Oktober wird eine überregionale ,politisch ausgewogene Mobilisierungs-Demo in München angesetzt (über die es im Vorfeld und im Nachklang natürlich wieder Streit gibt…)

Die Forderungen der Demo, die dann stark unter dem Zeichen des Todes von Günther Sare steht:

-Stilllegung aller Atomanlagen
-Einsetzung der WAA-Milliarden für gesundheitlich sichere und sozial sinnvolle Arbeitsplätze
-eine ökologisch ausgerichtete Produktion
-eine gesicherte, dezentrale und kommunal verwaltete Energieversorgung, Einsparung von Energie statt Verschwendung sowie
die Nutzung erneuerbarer Energie

Im betroffenen Taxöldener Forst wird nach Beginn der Rodungssaison unter einem Kruzifix eine Mahnwache eingerichtet, die den Wald beobachtet- und Auswärtige einlädt, sich vor Beginn der Rodung doch mal ein Bild von den geographischen und politischen Verhältnissen hier vor Ort zu machen….

11.Dezember: Es geht los:

Trotz Auslösung der Alarmkette und einer Verstärkung der Mahnwache am „Roten Kreuz“ gibt es erstmal Verwirrung: Gegen 11 Uhr verkündigt der Bauherr der WAA , die DWK, auf einer Pressekonferenz, dass gerade die ersten Bäume gefällt wurden. Daraufhin machen sich Demonstranten auf die Suche und stossen tatsächlich im östlichen Teil des Geländes auf Holzfäller und Polizei. Die wenigen menschen, die sich dann in den Weg stellen sind kaum mehr als die Pressevertreter. Vor den Kameras veranstaltet die Polizei eine sogenannte „Bilderbuchräumung“

Tagebuch, Donnerstag 12.12.1985

Ich bin gestern abend eingetroffen, die Polizei zog gerade ab. Das gefällte Areal ist klein, problemlos mit der Taschenlampe auszuleuchten. Wir haben mit zehn Leuten auf dem Platz geschlafen.
Heute früh haben wir zu zweit Bäume besetzt. Ich habe meine Aktion abgebrochen und bin trotzdem verhaftet worden, weil ich mich geweigert habe das Gelände zu verlassen.
In der Gefangenensammelstelle von Neunburg schimpfte der Kripo-Mensch über das Festnahmeprotokoll, weil da „Nötigung“ eingetragen wäre, aber das wäre doch nun wirklich keine…
Ich bekam die Nummer 0002. Die 0001 war Jutta Ditfurth, die sich lautstark über ihre Festnahme beschwerte. Die Gründe waren tatsächlich fadenscheinig.
Nach einer halben Stunde war ich wieder draussen, Die Eisenbahn hier fährt nur noch fürs Militär, aber Trampen ging gut, solange es Strassen gab. Dann Fussmarsch. Am Baugelände sind jetzt ein paar hundert Leute, Etienne von der Mutlangen-Gruppe liegt auf der Strasse und blockiert einen Bagger…
Lange passiert nichts, dann kommt ein Polizeipsychologe in blauer Bomberjacke mit dem Spruch „Leute, seid doch vernünftig“. Dann kommt die Räumung, und er wird zwischen den Fronten eingequetscht. Ein bezeichnendes Bild.
Es wird viel festgenommen, aber nicht geprügelt.

Tagebuch, Freitag 13.12 1985

mein Fahrrad ist am Arsch. Holzfäller haben gezielt zwei Bäume drauf gefällt -der Rahmen ist nur noch Salat.
Dabei hatte es gut angefangen. Am Morgen gab es Polizei-Kaffee und Suppe (eine „Rewanche“ für die Blockade in Neu-Ulm, wo ihr unsere Leute versorgt hattet, so die Polizei. Sie sind aber blitzartig abgehauen, wo sie die Scheinwerfer von dem Auto des Chefs gesehen haben…
Danach wieder auf die Bäume, diesmal mit mehr Durchhaltewillen. Neben mir, der Kletterer, ist professionell ausgerüst. Er ist bei Greenpeace, aber hier ist er privat. Greenpeace hat Angst vor Gewalt und dem entsprechenden Imageschaden, deshalb treten sie hier nicht auf.
Es passiert gar, nix, sie lassen uns sitzen und fällen mit einem Harvester auf der anderen Seite. Da wo mein Fahrrad parkt….
Petra hat eine Anzeige wegen Körperverletzung gekriegt, bei der Auflösung einer Blockade soll sie einen Polizisten getreten haben. Petra ist erst 16. Normal macht kein Bulle so eine Anzeige , weil er sich geniert. Es scheint hier aber Strategie von oben zu sein, möglichst viel anzuzeigen…
Auch eben hatten wir wieder Besuch am Lagerfeuer von der Polizei. Nicht dienstlich, sondern privat, sie hatten sich abgesetzt. Zumindest mal für kurz
.

Das Wochenende im Wald

Am Samstag findet eine Grossdemo mit 15000 Menschen statt. Mit dabei der Bundesparteitag der Grünen . Jutta Ditfurth, die eigentlich auf der Abwahlliste der Realos stand, wird nach ihrer Wackersdorf-Verhaftung mit überwältigender Mehrheit als Sprecherin wiedergewählt. Für sie hat sich das offenbar ausgezahlt.
Die Demo erreicht -von Verkehrskontrollen abgesehen- unbehelligt den Rodungsplatz. Dort wird sofort mit dem Bau von Hütten begonnen, eher Verschläge, fast ohne Werkzeug. Es entstehen aber auch mit Plastikplanen abgedeckte Gemeinschaftshütten.
Ueberall bissiger Qualm durch die Lagerfeuer, sieht aus wie ein Goldgräberlager…

Tagebuch, Sonntag 15.12.1985

Heute morgen gab es Alarm. Polizei zieht an der Ostbarrikade auf. Etwa vierzig Leute vermummen sich und wollen die Barri verteidigen. Darüber gibt es massiven Streit. Zum Glück hat sich das Ganze dann in Wohlgefallen aufgelöst, weil sich die Polizei wieder zurückzog. Grosses Thema:Strukturen. Ich bin in der Versorgergruppe gelandet. Wir sind über tausend -hungrige- Menschen, und es ist kommen weniger Lebensmittel rein als wir rausgeben könnten und müssten. Also wird aufgepasst, dass nicht auf Vorrat abgegriffen wird. Genau von den Leuten, die das gerne täten und nicht tun können kommen dann die Vorwürfe:
Wir würden horten, besonders edle Lebensmittel verschieben, das Beste selbst wegfressen, Alkohol und Zigaretten unter der Theke verschieben.
Uebergriffig (Wachgruppe?) wurde niemand. Die Leute haben auch keine Lust, sich selbst hinter die Theke zu stellen, da bleibt es bei Gemotze.

Räumung des Camps

Am Montag, den 16.12 wird die erste Platzbesetzung geräumt. Mittags umstellten ca. 1000 Polizisten die Besetzung und verhaften alle Anwesenden. Wegen geringer Transportkapazitäten zieht sich der Abtransport bis um 22. Uhr in die Länge. Nach Verhandlungen mit dem Polizeipsychologen wurde die Versorgung mit Lebensmitteln zugelassen – aber erst, nachdem es soviel Unmut gab, dass Ausbruchs- oder Befreiungsversuche drohten. Insgesamt wurden etwa 800 Leute vorübergehend festgenommen.

Tagebuch, Dienstag ,den 17.12.1985.

Bin jetzt im Ausweichquartier an der Mahnwache. Wir haben so viel Lebensmittelspenden, das wir nicht mehr wissen wohin damit.Die Räumung gestern war die beste, die ich bisher mitgemacht habe. weil sie keine demoralisierende, oder einschüchternde Wirkung hatte, im Gegenteil. Der häufigste Sprechchor war: „Wir kommen wieder!“. Nach jedem Abgreifen formierten sich die Leute neu. tanzten und sangen.
Unseren Erfolg hätte die Polizei mindern können, wenn sie eine weniger starre Einsatzkonzeption gehabt hätte. Gegen 16 Uhr verlangten 3/4 der Eingeschlossenen Verhandlungen mit der Polizei über einen freien Abzug.
Mir war schon die Schlagzeile im Kopf:“Demonstranten verlassen freiwillig den Platz“ Das war eine gute Möglichkeit der Polizei, in „Weiche“ und „Harte“ zu spalten, die sie nicht genutzt hat.
Ich war in der BGS-Kaserne in Nabburg und wurde von BI`lern abgeholt und zurückgefahren. Heute haben wir mit 60 Leuten auf dem Platz Erdarbeiten behindert und wurden dann einfach nur aus Prinzip abgeräumt. Ich erhielt einen Tritt von einem Polizisten-von hinten. Das wirklich Aussergewöhnliche daran ist, dass es sich später dafür entschuldigte

Das 2. Hüttendorf entsteht

In der Woche vor den Weihnachtsferien beginnt eine Rodungspause. Parallel zu der Meldung heisst es: es werden bereits wieder neue Hütten gebaut.
Die neue Besetzung „freies Wackerland“ (in Anlehnung an die Gorleben-Besetzung „Republik freies Wendland“) entwickelte sich in atemberaubenden Tempo vom Plastikplanen- und Zeltbahnen-Camp zum stattlichen Hüttendorf. Die Zufahrtswege waren oft auf über 500 Metern zugeparkt- ein Beweis, wie stark das Dorf von der Bevölkerung angenommen worden war. Nach anfänglicher Skepsis hatten auch fast alle Umland-Bürgerinitiativen den Reiz der Aktionsform entdeckt und bastelten ihre eigene Hütte.
Unterschiedlicher als in diesem Dorf konnte eine Bevölkerung kaum sein. Während eine regionale Gruppe ein riesiges Kruzifix errichtete, stellten Autonome diesem das „Lym“ entgegen – eine ebenso riesige Stele mit revolutionärem Stern und Kraakerzeichen. Beide standen dann einträchtig nebeneinander.

Tagebuch Donnerstag,2.1.1986

Es hat ziemlich viel Zoff gegeben. Da war eine Feuerwerksrakete, die in Richtung auf einen Polizeihubschrauber abgefeuert wurde. Traf nicht, wurde aber von Innenminster Hillermeier zum gefährlichen Zwischenfall hochstilisiert. Der behauptet auch, wir bekämen Geld aus Moskau. Wusste nicht, dass Moskau in Bayern liegt…
Schlimmer waren andere Sachen, das ganze Zeug, an das sich später niemand mehr erinnern will und wird…
Etwa die Aktionen gegen die Bahnlinie. Einige Leute meinen, dass sie deshalb von Polizei und BGS bewacht wird, weil die Polizei mit einem Sonderzug zur Räumung kommt, überfallartig. An Sylvester haben sich Leute betrunken und wollten die Polizei aufmischen, die das Gleis bewacht. Die haben sich aber tief in die Büsche zurückgezogen und die Bahn war unbewacht. Einige Leute haben das genutzt und haben sich an den Schienen zu schaffen gemacht. Zum Glück wurden sie von zwei Autonomen (!) erwischt und als gegen vier Uhr nachts wieder der erste Güterzug über die Strecke donnerte war keine Gefährdung. Dann wurden auch noch Signale beschädigt. Es gab jetzt eine Aussprache mit der Polizei und dem Landrat Schuierer. Die Bahn ist Demarkationslinie, also gewissermassen unsere Aussengrenze. Von der einen Seite passen unsere Nachtwachen auf die Bahn auf, von der anderen die Polizei. So
eine Lösung geht nur, weil nicht nur der Landrat, sondern auch der Chef der Schwandorfer Bahnpolizei Atomgegner ist.

Tagebuch, Sonntag,der 5.1.1986

Es ist tierisch kalt geworden, alles gefroren,und ich bin beim Hüttenbau in einen vom Schnee bedeckten Nagel getreten. Dann nach Schwandorf ins katholische Krankenhaus, die haben geguckt, den Kopf geschüttelt und sauber ihre Arbeit gemacht.(Tetanus). Ich kam bei einer Familie zum Duschen und Wäschewaschen unter.
Manchmal passieren aber auch wirklich lustige Sachen. Wie das Plenum in der Günther Sare-Hütte.
Vorgeschichte: Unser Plenum hatte einen Mann von der Infogruppe beauftragt, ein Flugblatt zu schreiben, dass in den Gemeinden der Umgebung für das Dorf werben könnte. Nun waren die ersten Exemplare da. Die Stimmung geht bei einigen in Wut über: Das Flugblatt muss weg, es muss aufs Plenum.
19 Uhr, im Plenum. Alle sind da, aber wo bleiben die Autonomen?
Zu hören sind sie dann schon . Sie skandieren Hass-Hass-Hass-Hass- und nehmen ihre Plätze ein. Einer der 2Schwarzkittel“ zieht eins der Flugblätter aus der Tasche. Die anderen intonieren wieder Hass Hass Hasshasshashas… in immer schnellerer Abfolge.Der „anklagende“ Autonome blickt grimmig in die Runde. „Wer hat das Ding verzapft?“
Natürlich meldet sich keine(r).
Der „Ankläger“ beginnt vorzulesen: „Machen sie Abenteuerferien im freien Wackerland“ (Pfiffe) „Wir haben hier trockenen Schlafraum für 2000 Menschen…Je eher sie kommen, desto schöner und gemütlicher wird ihre selbstgebaute Widerstandshütte“

Die Autonomen rufen: „Necker-mann! Necker-mann! Necker-mann! Und dann kommen sie zum politischen Teil: Unter dem Flugblatt steht: Verantwortlich: Presse- und Infogruppe.
Der Vertreter der Infogruppe, ein gestandener Gewaltfreier, beteuert daraufhin, sie hätten von dem Flugblatt nichts gewusst und hätten damit auch nichts zu tun. Im übrigen distanziere man sich davon, das Dorf sei kein Urlaubs- sondern ein Widerstandsort.
Alle sind sich einig. Einig?
Ein Autonomer: Die Dinger werden jetzt verbrannt!
Ein etwas weniger Autonomer: Nö. Für die Bevölkerung sind sie doch echt brauchbar!
Es folgt disziplinloses Geplänkel, bis endlich eine anderes Reizthema aufgemacht wird: Die SPD.
Die Flugblätter liegen unten im Regal immer noch herum.

7.1.1986: Die Räumung

Nach Dreikönig wird das Dorf geräumt. Ein SEK räumt in einer ebenso gefährlichen wie spektakulären Abseilaktion ein Baumhaus. Die ca. 1500 Menschen bilden Ketten. Es sind deutlich mehr Einheimische dabei als im Dezember, etliche Autonome sind abgereist. Viele BesetzerInnen werden gar nicht festgenommen, sondern einfach herausgeleitet.

Tagebuch, Mittwoch 8.1.1986

Es steht ein Qualmpilz über dem Gelände, die Polizei hat alles mit Bulldozern zusammengeschoben und angezündet. Es war ein Erfolg, dass so viele Einheimische trotz Strafandrohung auf dem Platz geblieben sind. Sie sind meist aussortiert worden, haben die Willkürlichkeit aber auch voll mitbekommen. Ich bin auch einfach rausgesetzt worden.
Meine Hütte ist in der Nacht vor der Räumung noch fertig geworden… Bezogen hat sie dann die Polizei als eine Art Kommandobrücke. Hänge dein Herz nicht an Materielles…