Al Wazir gründet „AG Nahmobilität“

Diesen Donnerstag findet im House of Logistics and Mobility am Flughafen die feierliche Inauguration der vor zwei Jahren gegründeten „AG Nahmobilität“statt . Offizielles Ziel der Veranstaltung, zu der die BürgermeisterInnen der hessischen Kommunen eingeladen sind, ist die „Gleichberechtigung des Fuss- und Radverkehrs mit dem übrigen Verkehr. Klingt schön -solange bis es ins Detail geht…..

Damit ist aber nicht besonders weit her. Hessen mobil und das Wirtschaftsministerium planen einen massiven Strassen- und Schnellbahnausbau. Die Autobahnen rund um das Frankfurter Kreuz sollen auf acht bis zehn (!) Spuren ausgebaut werden. Daneben nehmen sich die fünf Millionen Euro, die das Land Hessen in den nächsten Jahren in den Radwegeneubau entlang der von ihm unterhaltenen Landes- und Bundesstrassen stecken will, eher gering aus.

Deutlich mehr Geld soll für die drei Elektroautobahnen – von Darmstadt und Hanau nach Frankfurt und eine Diagonale zum Flughafen – in die Hand genommen werden. Trotzdem sollen sie an der üblichen Planfeststellung für Strassenbauten vorbei als „Schnellwege“ durchgesetzt werden. Eigentlich sind sie aber -im ausgehenden Oelzeitalter- langfristig angelegte strategische Strassenneubauten.

Nahmolilität bedeutet eigentlich, die alltäglichen Wege im Nahbereich zurücklegen zu können. Die Trennung von Wohn- Einkaufs- und Arbeitsstätten schreitet aber dramatisch fort, was das „Nahmobilitätskonzept“ überhaupt erst erforderlich macht.

Der beste Weg ist es, unnötige, aufgezwungene Wege zu vermeiden. Das spart Durchgangs- sowie Ziel- und Quellverkehr. Elektromobilität im Individualverkehr (besonders im Vergleich zur Bahn) ist keinesfalls so umweltfreundlich, wie sie vorgibt. Das gilt besonders für die PKW- und LKW-Technologie. Sie ermöglicht aber eine noch stärkere auf Frankfurt und den Flughafen hin ausgerichtete Verdichtung der Region. Elektrofahrzeuge sorgen für klarere Luft und weniger Platzverbrauch in der Stadt, aber kaum für eine bessere CO.2-Gesamtbilanz. Die Belastungen durch die Technologie werden ausserhalb der Ballungsräume herausverlagert.

Zudem -und das sagt Wazir auch selbst- sollen die Schnellwege, die durch den Wald geschlagen werden (wir berichteten), das Strassennetz vom Nahverkehr zugunsten des Logistik- und Durchgangsverkehrs entlasten und leistungsfähig erhalten. Von einem Umdenken ist keine Spur. Es ist nicht geplant, den gegenwärtigen „klassischen“ Strassenverkehr , der an seine Kapazitätsgrenze gekommen ist, durch saubere Verkehrsformen zu ersetzen, sondern es geht darum ihn modular zu vernetzen und Umsteigepunkte einzurichten -etwa vom Rad ins Flugzeug…
Und es darf nicht zu teuer werden -auch deshalb die Verkehrsführung nicht am Bestrandsstrassennetz, sondern im Wald .

Nicht ohne Grund haben die Umweltverbände bei den Planungen, die beispielsweise an der FH Darmstadt betrieben werden, kaum mitzureden. Denn hier liegt die Krux: Wer die Region als kapitalistisches Megazentrum immer höher belastet und verdichtet, der schafft auch mit den dafür verkehrspolitisch sinnvollsten Erschliessungsvarianten eine nicht mehr zu verantwortende Naturzerstörung. Es steht aber zu erwarten, dass die Grünen als Mitinitiator dieser Verkehrsprojekte den Bannwaldschutz ganz schnell lupfen werden….