Trebur: Verkaufen bis zum Absaufen

Mit 19 Ja-Stimmen hat das Gemeindeparlament dem Waldverkauf für das T 3 zugestimmt. Acht ParlamentatierInnen stimmten dagegen. Beim „Nein“ hoben auch einige anwesenden AusbaugegnerInnen auf den Zuschauerplätzen ihren Arm, um ihre Ablehnung für den „Ausverkauf“ deutlich zu machen. Neben dem Verkauf der 4,3 Hektar an die Bundesstrassenbauverwaltung wurde der Gemeinderat ermächtigt, unverzüglich Verhandlungen mit der Fraport über die Nutzung, nicht aber den Erwerb der Kompensationswaldfläche durchzuführen und diese abzuschliessen, sollte das Angebot mindestens 450.000 Euro betragen.

Oekologische geprägte Debatten hatten bis zu dem Schlusspunkt der Abstimmung über den Waldverkauf den Sitzungsverlauf bestimmt. Doch ausgerechnet beim Thema „Flughafen“ beanspruchte die regierende für Mehrheit eine angebliche „praktische Vernunft“: Warum nicht Geld für einen Wald bekommen, der ohnehin gefällt wird? war aus den Reihen der FWG zu hören. Bürgermeister Sittmann: „Wenn man weiss, dass man verloren hat, muss man das Beste daraus machen“. Und zu einer Parlamentärin, die den wirtschaftlichen Sinn des Terminal 3 in Frage stellte – und für ein unsinniges Projekt solle man nicht Wald unsinnig weggeben- meinte er : „Hier keine Grundsatzdiskussion über pro und contra Flughafenausbau“ Die Politikerin konterte: „Ich weiss schon warum ich sie nicht gewählt habe“.

Die Zeiten, in denen in Trebur ein kollegialer, ja freundschaftlicher Umgang in der Gemeindevertretung geführt wurde, sind wohl vorbei. Dies wurde an der Diskussion darüber deutlich, wie es vor Ort um die BürgerInnenbeteiligung stünde. Der Beschluss zum Waldverkauf war an den Ausschüssen -welche BürgerInnen einladen können- vorbei ins Gemeindeparlament eingebracht worden, was die neue Opposition kritisierte. Ein freier Wähler konterte:“ Wir sind nicht zuletzt deshalb so massiv von den BürgerInnen und Bürgern gewählt worden, weil diese eure Symbolpolitik gegen den Flughafenausbau, die keine praktischen Vorteile bringt, nicht mehr verstanden und akzeptiert haben“.

Da kam die Replik, das es sich keineswegs um symbolische Politik -und symbolische Belastung- handele: „Mein Kind ist ein Jahr und kann jetzt zwei Sachen nachmachen: Hunde – und Flugzeugkrach. Mit der Fraport, die uns die Siedlungsbeschränkungen auferlegt und uns mit keinem Heller entschädigt, kann man keine gemeinsame Sache machen“ meinte eine Verkaufsgegnerin.

„Ihr argumentiert mit wirtschaftlicher Vernunft, betreibt aber praktisch einen Ausverkauf und bringt euch mit den niedrig angesetzten Forderungen an Fraport um jeden Verhandlungsspielraum“ wurde weiter aus den Reihen der VerkaufsgegnerInnen argumentiert. Man müsse wenigstens fünf Millionen fordern, wolle man sich wirklich an den als Vorbild gesehenen Verkaufsverhandlungen von Kelsterbach 2009 orientieren. Ein entsprechender Aenderungsantrag wurde mit 4:21 Stimmen abgelehnt. Der Waldverkauf spüle kein Geld in die Gemeindekasse (20 Millionen Schulden) sondern fliesse in den Ausgleich des defizitären Waldwirtschaftsplanes.

Begonnen hatte die Sitzung mit einem Bericht des Bürgermeisters über die „Hochwassernotgemeinschaft der Rheinanlieger“. Die hat ein Memorandum „Situation 2036″ als Arbeitshilfe erstellen lassen. Für eben dieses Jahr 2036 ist die Vision von einem 13,2-Meter-Giga- Rheinhochwasser aufgezeigt. Und fünf Jahre zuvor: „Inbetriebnahme des Grosspolders Trebur“

Unter Roland Koch hatte die Gemeinde Trebur ausgedealt, dass „keine Hochwasserflutungsflächen am Willen der betroffenen Bürger vorbei in Hessen ausgewiesen werden“. Damit dachte man wenigstens die Gefahr als Sonderopfer für das Weltkulturerbe Mittelrhein und den Niederrhein geflutet zu werden gebannt zu haben.
Die Emotionen gingen vollends hoch, als auf Nachfrage verkündet wurde, wo diese „Vision“ denn herkäme: Vom pensionierten obersten Hochwasserwart aus Köln.

Beim Thema „Umgehungsstrasse“ – die Trebur selbst finanzieren müsste, aber nicht kann (Fraport, hör mit!) kam es dann auf das Thema Versiegelung. Die würde damit wieder beschleunigt, ganz gegen das Ansinnen des Altbürgermeisters Arnold.
Darauf ein Befürworter der Strasse: „Wieso Versiegelung ? Das Wasser läuft doch in die Grünfläche, nicht in einen Kanal. Und überhaupt brauchen wir die Strasse doch, um ein neues Gewerbegebiet zu erschliessen“ (Lachen im Publikum- und wieder der Gedanke: „Fraport, übernehmen sie“)

Das Thema Absaufen oder Dämmen stand auch bei einem weiteren Punkt im Zentrum: Beim Kiesabbau. Das RP hat rund um Trebur . inbesondere im Bereich Kornsand, gut 80 Hektar neue Auskiesungsfläche ausgewiesen. Nun will man einem ortsansässigen Spezi- der Firma Seemann- ermöglichen, seine Grube wieder ein Stückchen zu erweitern – und dabei die Auflage aufweichen, die Grube zu verfüllen. Ein Präzedenzfall, auch für den ungeliebten Zementmulti Dykerhoff ? „Noch mehr Auskiesung ohne Verfüllung, das erhöht direkt hinter dem Deich den Wasserdruck und macht strategisch die Ausweisung von Trebur als Grosspolder wahrscheinlicher:“ Wo schon Wasser ist, kann auch noch mehr Wasser rein.“

Schade, dass dann ausgerechnet beim Thema Flughafen die regionalen und globalen Umweltauswirkungen für die nächsten Generationen kein Thema mehr waren.“Wenn die anderen am kurzfristigen Erfolg orientiert sind, dann müssen wir das auch sein“. Zu hören war aber auch: „Fliegen ist achtmal schlimmer als Autofahren“ so ein Parlamentarier nach der Sitzung vor der Tür. Und eine Gemeindevertreterin: „Danke, dass wenigstens ein paar BürgerInnen Flagge gezeigt haben“.


1 Antwort auf “Trebur: Verkaufen bis zum Absaufen”


  1. 1 vega -lounge 19. Juni 2016 um 0:35 Uhr

    Nein, das war nicht wirklich überraschend, was da in Trebur passiert ist. Die persönliche Ueberraschung des Tages kam für mich erst hinterher, als ich in Nauheim die Tür von einem Kiosk aufstiess.
    „Türken raûs“ schallte es mir da entgegen. Na was ist denn das, dachte ich – und blickte in das Gesicht eines grimmig dreinschauenden Türken. Ich muss ihn angeglotzt haben wie ein Auto und da meinte er lakonisch: O:3 gegen Spanien, miese Vorstellung, wir sind raus…..

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