Freitag der dreizehnte äh zweiundzwanzigste

Am Freitag, den 22.7. ist es soweit: Es passiert, was viele befürchtet haben, und eine kleine Schar entschiedener Ausbaugegner erhofft hat: Eine unüberschaubare Menschenmenge lässt sich vor den Gates nieder, belagert die Abfertigungsschalter, entrüstet sich, einige werden handgreiflich, Polizeieinsatz, Pfefferspray, Notarzteinsatz.
Aber: „Wir“ waren es nicht. Es war Lufthansas eigenes Klientel, die verhinderte Belegschaft der „Economy“-Klasse…..

Der 22.7. hatte es in sich. Am Nachmittag ein schweres Gewitter. Nachdem vor kurzem ein Vorfeld-Arbeiter bei der Arbeit vom Blitz getroffen wurde, bedeutet dies nun konsequente Einstellung der Flugbewegungen und -vorbereitungen. Viele AnwohnerInnen im Rhein-Main-Gebiet schauten amüsiert zum Himmel, wo durchstartende oder wendende Flieger auf „Phantasiebahnen“ quer zu den üblichen Routen den Himmel kreuzten. Später dachten manche: Hoffentlich werden die Maschinen nicht gerade nach München (Ausnahmezustand) umgeleitet….

Ob die Wetterkapriolen am Klimawandel liegen oder nicht: Die klimakillende Luftfahrtindustrie ist die letzte, die sich über garstige Wetterbedingungen beschweren darf, arbeitet sie doch mit Hochdruck daran, selbige herbeizuführen. Das gilt auch für ihre Nutzniesser, die Fluggäste, die für einen Appel und ein Ei ab in den Urlaub wollen. Mit denen hält sich das Mitleid in Grenzen – eher noch Mitleid mit den Fraport-Leuten, welche diesem Publikum dienern müssen.
In den USA gibt es Flughäfen, da fällt Punkt 22 Uhr der Vorhang (AnwohnerInnenschutz und Arbeitszeiten), das Klientel weiss das, fügt sich und hält den Mund.

Hier bei uns läuft wegen der „armen Passagiere“ eine Kampagne, die Ausnahmegenehmigungen weiter auszuweiten, bis Flüge bis ein Uhr nachts wieder die Regel sind. Da kommt den Airlines das selbstproduzierte und -provozierte Chaos gerade recht.
Es wurden viel mehr Ausnahmen beantragt und bewilligt, als in der Stunde 23-24 Uhr abgewickelt werden konnten.

Der Umfang der Anträge bezog sich auf eine verfügbare Startbahn West, die aber offenbar wegen Rückenwind weiter gesperrt bleiben musste.
Da fragt man sich: Wenn schon bei der gegenwärtigen Zahl der Flugbewegungen in einer nicht so ungewöhnlichen Betriebssituation Unterkapazität herrscht, wie soll das dann bei der von Fraport geplanten Ausweitung funktionieren ?

Die Antwort ist die, die die SPD Walldorf nicht hören will und an der sie tatkräftig mitarbeitet: Weiterer Ausbau. Erst die Bodeninfrastruktur Fracht, dann die Bodeninfrastruktur Personen (T 3) – und schliesslich die dazugehörige neue Vier-Kilometer Bahn Süd . Bei Stilllegung der Startbahn West, Wiederaufforstung und Wiederaufbau der Hüttenkirche an der Neufaularmschneise….

Die SPD und auch die Landesgrünen wollen nicht wahrhaben, das im Süden ein komplettes zweites Flughafensystem im Aufbau ist.
Das ist nur zu verhindern, wenn die Subventionierung der Luftverkehrswirtschaft zur „Stärkung des Standortes“ ein Ende hat und ein striktes Verbot der Ausweitung der Kapazitäten kommt.


0 Antworten auf “Freitag der dreizehnte äh zweiundzwanzigste”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sechs + = zwölf