London: Flughafenblockade gegen „Environmental racism“

Am 6.9. haben 9 AktivistInnen der Menschenrechtsgruppe „Black Lives Matter“ für einen Vormittag die Startbahn des London City Airports lahmgelegt. Bei der international viel beachteten Aktion gelangte die Gruppe per Schlauchboot zur Landebahn , errichtete einen Tripod und verband die Blockierenden mit Ketten. Um 14 Uhr wurde gemeldet, dass der Flugverkehr wieder freigegeben ist. Die Gruppe entrollte ein Banner mit der Aufschrift : „Climate crisis is racist crisis“

Die Klimakrise ist eine zutiefst auf Rassismus fussende Krise. Die Assymetrie , die zu gewaltigem Wohlstand Weniger und gleichzeitig zur Vernichtung der Lebensgrundlagen Vieler führt, wird beim Flugverkehr besonder deutlich – und am meisten zugespitzt am Geschäftsflughafen“City“ und seiner Nachbarschaft, dem wirtschaftlich benachteiligten Stadtteil Newham. Der Flughafen darf nicht ausgebaut werden.
Mit dieser Botschaft, die in ihrem You-Tube-Video dokumentiert ist, wendet sich die Organisation, der viele junge EngländerInnen mit karibischen und westafrikanischen Wurzeln angehören, gegen eine Verschlechterung der Lebensbedingungen im südöstlichen Stadtteil Newham durch Flughafenausbau.

London hat in den letzten Jahrzehnten seit der neoliberalen Premierministerin M. Thatcher eine dynamische Entwicklung mitgemacht, die zur stressmässigen Verdichtung von Wohnverhältnissen und zur Prekarisierung von Lebensverhältnissen beigetragen hat. Der Stadtteil Newham gilt als eine der sogenannten „moslemischen Enklaven“ im Südosten Londons. In manchen dortigen Bezirken machen EinwandererInnen aus Pakistan und Bangla Desh über 50 Prozent der Bevölkerung aus. Um die Jahrtausendwende galt Newham als Modell für eine erfolgreiche Befriedung sozialer Probleme durch flächendeckende Kameraüberwachung und eine „zero Tolerance“ -Politik. Nachhaltig war eine solche Politik nicht. Auch die Aufwertung des Stadtteils durch die Olympia-Milliarden hat nicht zu einem Abbau der sozialen Ungleichheit geführt – eher im Gegenteil. Arm und reich leben dichter aufeinander und trotzdem abgeschotteter als anderswo.

„London ist die härteste Stadt Europas“ sagen Neubürgerinnen aus Deutschland, die aus beruflichen Gründen dort hingegangen sind. „Die Kosten sind aberwitzig, und es wird jeder Preis gezahlt, da bei knappen Angebot die Nachfrage ständig steigt. Man fragt sich , ob die Stadt den Londonern gehört oder den Investoren, die immer noch jemand finden der ihre aberwitzigen Preise für exklusive Angebote bezahlt“.

Kein Wunder, dass London einer der weltweiten Ausgangspunkte der Wem gehört die Stadt?-Bewegung war.
Von den vier Millionen Einwanderern nach Grossbritannien im Zeitraum 2001-2010 ging eine Million nach London. Oeffentliches Geld für eine Eingliederung war wenig vorhanden, hingegen wurden den NeubürgerInnen noch die wenigen Mittel abgepresst: Vom Familieneinkommen geht mehr als die Hälfte für die Miete drauf.
Gleichzeitig hat sich in London ein unglaublicher Wohlstand hochmobiler Eliten herausgebildet, die vom umsatzstarken Wirtschaftsstandort und der Freihandelszone „Financial District“ profitieren. Sie sind in ganz Europa und Uebersee vernetzt.

Das ist das globale Klientel für den „London City Airport“.Die meisten Flughafendemonstranten hier in Frankfurt werden ihn von der Abflugtafel im Terminal (Hauptkunde des Airports ist z.Zt. Britisch Airways) kennen, aber noch nie dort gewesen sein. Geschäftsleute mit Wohnsitz am Taunusrand, die für einen Tag nach London wollen, schon eher. Zwei Drittel der zuletzt 5,3 Millionen jährlichen Passagiere sind Geschäftsreisende. Mit der Docklands Light Railway sind sie in 21 Minuten in der City. Der Wahlspruch des Airports ist „Get closer“.

Der Flughafen ist ein Flug-Hafen im eigentlichen Sinne, denn seine 1,5 Kilometer-Startbahn wurde vor dreissig Jahren
in einem ehemaligen Hafenbecken der Royal Warf aufgeschüttet. Deshalb auch die -durchaus symbolträchtige- Anfahrt der AktivistInnen im Schlauchboot.
Im letzten Jahr gab es ein Tauziehen um den Flughafen, der zum Verkauf stand. Durchgesetzt hat sich ein Konsortium von Pensionskassen aus Kanada und Geldgebern aus Kuwait. Die wollen nun mit dem Airport richtig Geld verdienen. Mit über 300 Millionen Pfund soll der Flughafen ausgebaut werden, um die Kapazität um ein Drittel zu steigern und künftig auch Langstreckenverbindungen anbieten zu können. Die britische Regierung hat dazu – im Gegensatz zu Heathrow- im Juli grünes Licht gegeben. Die AnwohnerInnen sind mit der Aussicht auf noch mehr Flugbewegungen verbittert.

Eine lebenswerte Stadt -gerade angesichts der massiven Verdichtung- verträgt sich nicht mit der mobilen Privilegierung einer kleinen Minderheit---Wenn die Klimaflüchtlinge aus Afrika nicht fliegen dürfen und in Schlauchbooten ihr Leben riskieren- mit welcher Begründung nehmen sich die privilegierten Europäer das Recht heraus, die Umwelt und Mitwelt durch exzessives Fliegen zu schädigen?“ fragen die AktivistInnen.


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