Zum Tod von „Aschu“

Im Alter von 85 Jahren ist der Ex-Politiker, Ex-Aktivist und Ex-Magistratsdirektor Alexander Schubart gestorben. Er war die wohl wichtigste Symbolfigur des Startbahn-West-Widerstandes.

„Aschu“, dessen Kurzname eigentlich gar nicht so richtig zu ihm passen wollte, gehörte zu den SPD-Renegaten, welche die zersplitterte Linke jenseits der SPD-Regierungslinie in einer unabhängigen Listenverbindung und politischen Zweckgemeinschaft sammeln wollte.
Schon früh hat er die politische Bedeutung sozialökologischer Fragen erkannt.
Dazu dienten ihm die GLH und später die Alternative Liste.

„Aschu“ galt als Vor- und Nachdenker, er war ein Meister der Dialektik und konnte druckreife Reden aus dem Stegreif halten.
Von Hause aus Jurist, setzte er auf eine Verbindung von strategischen juristischen Kampagnen (Volksbegehren) und direkter politischer Aktion (ziviler Ungehorsam).

Das war nicht leicht zu vereinbaren und kulmulierte auf dem Höhepunkt des Protests in der unglücklichen Verbindung von Volksbegehren-Massendemo in Wiesbaden und der missglückten Flughafenblockade am Tag darauf.

„Aschu“ hielt es für einen politischen Skandal, dass trotz laufendem Volksbegehren Tatsachen mit der Waldabholzung geschaffen würden,
welche das Volksbegehren substantiell verunmöglichten. Die Legitimität, die der Protest mit dem Einreichen des Volksbegehrens in der Oeffentlichkeit erreichte, deckte sich nicht unbedingt mit der Selbstlegitimation der BI zu direkter Aktion. Das war ein Dilemma.

Alexander Schubart kündigte die „Flughafenbegehung“ in Wiesbaden von der Bühne hinunter an. Das wurde ihm später als Verantwortlichkeit ausgelegt. Ursprünglich war vorgesehen, dass dies eine BI-Sprecherin macht oder es nach Möglichkeit nur über Handzettel kommuniziert würde.
Leider wurde auch nicht bedacht, dass für das Gelingen der Blockade mindestens 30.000 Menschen benötigt würden, nicht die 5000, die tatsächlich vor Ort waren. Es waren viel weniger Menschen zu dieser Aktion bereit als gedacht.

Im Gegensatz zu dem inszenierten Bild in den Medien war die Flughafenblockade nicht gewalttätig, allerdings war sie -spätestens nach der recht spontan zustandegekommenen Blockade der Autobahn A 3- als militant-gewaltfreie Aktion zu bewerten. Gewalttätige Ausschreitungen gab es zeitgleich an der Mauer, aber sie waren politisch und aktionistisch eher irrelevant und wurden aufgeblasen, um die Flughafenblockade, welche ein Moratorium erzwingen sollte, zu diskreditieren – erfolgreich.

„Aschu“ musste für seine Rolle als Regionalaufstandsführer politisch und juristisch büssen. Ein volkstümlicher, wirklicher Rädelsführer war der Intellektuelle nie, am 15.11 bespielsweise war er nicht vor Ort, sondern mit seinem Hund daheim Gassi.

Selbst das wurde ihm vom juristischen und politischen Establishment bei dem Staatsschutzprozess wegen „Nötigung eines Verfassungsorgans“ (2 Jahre auf Bewährung) nachteilig ausgelegt.
Leider passierte wegen politischer Meinungsverschiedenheit nicht, was im Rückblick wohl das Richtige gewesen wäre: „Aschu“ ins Parlament zu wählen und ihn damit bestmöglich zu „immunisieren“.
„Aschu“ und die „Grünen“ gingen 1982 getrennte Wege.

Aschu ist und bleibt Vorbild für eine ausserparlamentarische Widerstandsstrategie, die auf Selbstorganisation, Selbstverwaltung und Selbstermächtigung setzt. Vielleicht ist er von dem, was er angestossen hat, seinerzeit auch regelgerecht überrollt worden. Wir haben ihm viel zu verdanken.


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