Kämpfer/Innen gegen Erderwärmung werden sich warm anziehen

Die Wahlen in den USA haben gezeigt, dass Positionen gegen wirksamen Klimaschutz mehrheitsfähig sein können, zumindest hat das Ergebnis gezeigt, dass der Schutz der Umwelt bei der Wahlentscheidung keinen hohen Stellenwert gehabt hat. Aehnliche Erfahrungen gibt es auch hierzulande.

Viele Menschen in den USA haben den republikanischen Kandidaten aus der Einstellung heraus gewählt, es ginge ihnen schlecht und es könne mit Trump besser werden. Dass es ihnen dann aber auch nachhaltig noch schlechter gehen könnte, hatten sie nicht auf dem Schirm.

Die verbreitete Haltung „America first“ lässt sich nur schlecht mit dem Grundsatz „earth first“ vereinbaren, der für wirksamen Klimaschutz unabdingbar ist. Das Erreichen von Klimazielen bedingt eine Art Planwirtschaft mit klaren Vorgaben, mit Plänen die politisch abgesegnet sein müssen. Ueberdies muss das Nichterreichen von Zielen sanktionierbar sein, was internationale Eingriffe in die Autonomie von Regierungen erfordern kann.

Das ist oft nicht populär. Zumal auch nicht klar ist, wer eine solche Oberinstanz legitimieren und kontrollieren soll, wenn nicht die, die bisher beim Klimaschutz immer zuerst ihre Eigeninteressen durchgebracht haben.
Leider ist es auch so, dass Massnahmen zum Klimaschutz tragischerweise oft erst dann durchsetzbar werden, wenn das Ereignis, das sie abwenden sollten, bereits eingetreten ist.
Klimaschutz erfordert nicht nur globales Denken, sondern auch einen glaubwürdigen innergesellschaftlichen und globalen sozialen Ausgleich. Und er hat viel mit dem individuellen Lebensstil jedes und jeder einzelnen zu tun.

Werden die Klimaschutzprogramme nicht von einer Bevölkerungsmehrheit getragen , und verteilen sie die Lasten nicht gerecht unter den sozialen Gruppen, kann es für die PolitikerInnen, die darüber beschliessen, sehr eng werden. Etliche scheren bereits aus populistischen Gründen aus, dabei spielt die Parteizugehörigkeit nur eine kleine Rolle.

So sagte der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislav Tillich, auf dem CDU-Landesparteitag in Glauchau, er wolle eine Allianz der Braunkohle-Bundesländer schmieden: „Wenn die Energieproduktion aus Braunkohle zerstört wird, ist das Scheitern der Energiewende programmiert“.
Was für ein Wortmüll. Umgekehrt wir ein Schuh draus. Doch gerade dafür wird Tillich mit seinem kapitalismusfreundlichen Programm „Sachsen hoch zwei- Starke Wirtschaft-Starker Freistaat“ gewählt werden, so hirnrissig wie es ist – weil die Leute an dessen Erfolg glauben wollen. Das Trump-Amerika lässt grüssen.

Letztlich ist es auch so, dass die aufgeschlossenen Teile Bevölkerung der Politik einen unter sozial gerechten Bedingungen durchgeführten
erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel nicht zutraut. Dann aber nichts mehr zu machen, ist der falsche Weg. Es muss darum gehen, eine möglichst grosse Akzeptanz in der Bevölkerung für konsequenten Klimaschutz zu schaffen, welcher allen zugute kommt.
Klimaschutz muss von unten kommen.

Hier in Frankfurt heisst das, den Kampf gegen den Flughafenausbau verstärkt unter dem Aspekt der „Klimagerechtigkeit“ zu führen. Billigflüge sind nicht nur abzulehnen, sondern auch Kampagnen dagegen zu führen. Ein Flug mit Ryanair nach Mallorca für 10 Euro ist sittenwidrig.
Der Kampf gegen das Terminal 3 muss wieder aufgenommen werden. Sein Bau schadet der Region in hohem Masse anstatt sie zu stärken.

Es ist auch nötig, über den Tellerrand zu schauen. 2017 werden grosse Aktionen an den Braunkohlestandorten im Rheinland stattfinden. Auch AktivistInnen in Frankreich oder Polen brauchen Unterstützung. „People first“ und „earth first“ müssen in Deckung kommen. Und wir aus der Deckung.


1 Antwort auf “Kämpfer/Innen gegen Erderwärmung werden sich warm anziehen”


  1. 1 vega -lounge 11. November 2016 um 11:47 Uhr

    In den USA gibt es bei vielen Linken einen regelrechten Schock über den „Backlash“. Die Progressiven hätten die Protest-Meinungsführerschaft schon lange an die Rechte verloren, ohne es wirklich realisiert zu haben. So habe man, heisst es in einem Blog, die „guten Obama-Jahre“ zu wenig genutzt, um die Modernisierungsverlierer mitzunehmen.

    „Es ist nötig, die Verschiedenheit der Lebensstile, auch die der Konservativen, zu akzeptieren und einzubinden, um zu verhindern dass es ins Reaktionäre abrutscht“.
    Die Menschen klammerten sich an eine Lebensweise, die durch eine frühere Phase der kapitalistischen Globalisierung möglich gemacht wurde und nun durch eine neue Phase abgelöst wird. Die würde als
    persönlich zerstörerisch und aus einer Opferrolle heraus erlebt, wenn sie die Menschen nicht darauf angepasst aktiv gestalten und (sich)verändern könnten.

    Zu beobachten ist eine „Rache“das abgehängten ländlichen Raumes an den Stadtkulturen. Eine Strategie hat dieser „Protest des Unbehagens“ nicht.

    Statt aktiv das Schlechte an der neuen Globalisierung anzugehen, wollte man das unwiderrufbar Vergangene zurück – und mache das Neue noch schlimmer.

    Dafür wäre Bildung und ein Mindestmass von sozialer sicherheit nötig. „Die haben wir nicht und es würde mich schwer wundern, wenn Trump etwas dafür tut dass es besser wird- der hat bestimmt kein Interesse daran“, heisst es von einer Amerikanerin.

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