Die Luftkapitäne und ihre Reederei

Nicht mehr lange, und die 15. Streikwelle der Pilotenvereinigung Cockpit rollt an. Es ist ein Konflikt, der den Frankfurter Flughafen angesichts der starken Lufthansa-Präsenz aber auch wegen der Billigflug-Diskussion stark betrifft.

Die Anwohner nicht – aber die Planespotter auf der mit Steuergeld finanzierten Gafferplattform bei Zeppelinheim lieben sie: Die dicken 747-800 und die MD 11- Frachtmaschinen mit dem Kranich auf der Heckflosse. Nachts angeleuchtet. Beide sind Auslaufmodelle, und gerade der Jumbo wurde nachbeschafft, weil er ein Wunschmodell der PilotInnen war.

Früher hat die Lufthansa mit ihren „erfahrenen Piloten“ immer Werbung gemacht, und sie hatten beinahe einen Status wie Kapitän Hansen auf der Brücke des Musikdampfers „Albatros“.

Aber die Zeiten ändern sich. Junge Leute ereifern sich, dass die Piloten „nur noch ein paar Knöpfchen drücken, aber den ganzen Laden aufhalten und Fliegen zudem teuer machen.“ Aehnlich ist es ja auch bei den Musikdampfern. Die Zeiten, wo ein Kunde die Buchung davon abhängig machte, dass der Lieblingskapitän an Bord sei, gehen unweigerlich zuende. Bei dem Massengeschäft, das die Kreuzfahrtbranche wie auch die Fliegerei heute darstellen, geht es wohl auch nicht anders. KapitänInnen müssen genauso austauschbar sein wie der grosse Rest ihrer Untergebenen….

Was die Piloten wollen, ein einheitliches Unternehmen, ist eigentlich aus Sicht einer „Zähmung“ des Luftverkehrs sinnvoll. Die Verhinderung weiterer Ausgründungen, Ausflaggungen (in der Seefahrt schon immer üblich) und der Spaltung der Pilotinnenschaft. Vor allem aber muss es möglich bleiben, mit politischen Auflagen die Fliegerei auf die Zeiten des Klimawandels vorzubereiten – dafür sind Deregulierung und der Kampf um und für den niedrigsten Preis Gift.

Allerdings riskieren die PilotInnen längst die Entfremdung von der Gesamtbelegschaft um ihren „Cockpit“-Verein zusammenzuhalten.
Die Strategie, Lufthansa über den Hebel der Gehaltsforderungen in die Knie zu zwingen, weil politische Streikziele tabu sind, dürfte sich zunehmend spalterisch auf die innere Solidarität der Belegschaft auswirken. Das hängt auch mit der ungleichen Bezahlung für gleiche Arbeit und die prekären Arbeitsbedingungen am unteren Ende der Lohntabelle zusammen, die schon längst eingeführt sind.
Darauf, und auf ein Aussitzen des schleichenden Abgangs der Seniorkapitäne, bauen deren Reeder, die Lufthansa-Bosse. Die ja zuletzt mit dem Gesamtkonzern ganz ordentliche Gewinne eingefahren haben.

Dabei bräuchte es eine Diskussion über die Oeko- und Sozialstandards der Fliegerei und ihre Funktion als Verkehrsmittel (siehe auch den ausgezeichneten Beitrag von Petra Schmidt über Airport Cities auf der Flughafen-BI-Seite) nur zu dringend. Lufthansa hätte als-noch- marktführende Airline und als Noch-Staatskonzern die Chance, sich den Diskussionen über die Zukunft der Fliegerei genauso zu stellen wie es die staatsmonopolistischen Autokonzerne in ihrem Marktumfeld tun. Die haben aber ein viel grösseres Eigeninteresse daran und auch einen grösseren öffentlichen Legitimatationsdruck.

Gerade wegen dem Ryanair-Coup und der öffentlichen Ankündigung des Lufthansa-Konzerns, künftig Eurowings in Frankfurt zu stationieren, sollten wir uns mit dem Lufthansa-Streik auseinandersetzen. Ob die PilotInnen mal den Mund aufmachen- und sich nicht nur mit der Zukunft
ihres Arbeitgebers, sondern auch mit der Verantwortung für den gesamten Luftverkehr auseinandersetzen ? Eine öffentliche Diskussion wäre schön, und die öffentliche Aufmerksamkeit gewiss,- solange sie ihren Standesnimbus noch nicht kaputt gestreikt haben…..


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