Rodung „light“ im Hambacher Forst

Im Hambacher Forst fallen Bäume, die Trupps gehen unter Polizeischutz sehr flexibel vor. Das ist möglich, weil sich bislang nur wenige Auswärtige zur Unterstützung der Besetzis in den Weg stellen .

Am Montag haben Rodungen für die Ausweitung des Tagebaues begonnen. Die Polizei war am Anfang mit einer Hundertschaft präsent, hat das Aufgebot aber inzwischen zurückgefahren. Begründet wurde das massive Aufgebot mit der Notwendigkeit von Eigensicherung, da man auf militante Angriffe vorbereitet sein müsse.

Gerodet wird von zwei Seiten aus südlich der alten Autobahn („rote Linie“) mit kleinen Holzfällertrupps, die von PolizistInnen in Gruppenstärke geschützt werden.

Mit der neuen Strategie sollen Auseinandersetzung wie im letzten Winter im Ansatz verhindert werden.
Der Wald ist derzeit zugänglich und nur der Gefahrenbereich locker abgesperrt.
Gefahrenbereich heisst auch nicht umsonst so. Achtet auf eure eigene Sicherheit. Das ist ein Dauerthema bei jeder Waldbesetzungsaktion.
Wer sich direkt im Rodungsbereich aufhält oder Polizeiaufforderungen nicht befolgt, vielleicht nur lästig ist, bekommt einen Platzverweis. Der ist üblicherweise tagesbefristet, bedeutet aber, das mensch, wenn er in dieser Zeitspanne wieder angetroffen wird, in Polizeigewahrsam geht und ein längerfristiges Betretungsverbot zu erwarten hat.

Auch wer Platzverweise „sammelt“, muss mit einem präventiven Betretungsverbot rechnen.

Die Strategie bedeutet, dass die Leute vor Ort nur unter hohen persönlichen Risiken offene Aktionen machen können. Deshalb wäre es gut, wenn sich Leute finden, die sich symbolisch und auch ganz konkret in den gefährdeten Wald begeben und sich dort vor die Bäume stellen: „Nur über meine Eiche“. Auch die bürgerlichen UnterstützerInnen sind gefragt. Erfahrungsgemäss ist es gut, vor Polizei und Holzfällern vor Ort zu sein.
Aktionen sollten mit der Besetzung abgesprochen sein, zumindest sollte die wissen, wenn Leute unterwegs sind. Das ist auch gut für die eigene Sicherheit. Möglichst nicht alleine unterwegs sein. Es ist auch immer zu bedenken: Auswärtige gehen wieder – die Leute vor Ort bleiben. Gerade deshalb haben sie aber auch die moralische und konkrete Unterstützung nötig. Zeigen wir, dass Waldrodungen für Braunkohle im Zeitalter des Klimawandels nicht mehr mit einem Achselzucken hingenommen werden.

Am Dienstagnachmittag begann ein massiver Polizeieinsatz, als Polizeikräfte mit der Räumung einer Barrikade am Hauptzugang zu den Waldbesetzungen begannen und auf Gegenwehr stiessen. Der Einsatz wurde am Spätnachmittag abgebrochen. Die Polizei erklärte, man suche Unbekannte, die zuvor einen Polizisten attackiert hätten.
Mittwochmittag begann eine flächendeckende Fahndung im Hambacher Forst, die von einem Hubschrauber unterstützt wurde, nachdem sich ein Pick-Up Fahrzeug der RWE überschlagen hatte, Ursache für das Abkommen von der Fahrbahn waren angeblich Steinwürfe. Die Initiative „Buirer für Buir“ erklärte, ohne Not Steine zu werfen sei kontraproduktiv, sprach sich aber gegen eine unbelegte Schuldzuweisung an die Waldbesetzung aus.
Die Polizei hat ihr Auftreten gegenüber früheren Jahren insofern umgestellt, als dass sie das Gegenüber in einen Dialog einzubinden versucht, mit dem sie die Konsequenzen unterschiedlicher Handlungsalternativen deutlich machen will. Bei Uebergriffen und „ungesetzlichem Verhalten“ kündigt sie an,dies massiv zu verfolgen und potentiell Verdächtige auch auf Anfangsverdacht zu verhaften.
Für symbolische Protestaktionen (siehe oben) ist es also kein besonders guter Zeitpunkt.

Am Mittwoch, den 30.11. findet um 19 Uhr in Aachen eine Solidaritätskundgebung statt. Infos gibt es auf der Hambacher Forst-Seite.


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