Neue Gebührenordnung soll Wachstum des Standorts Frankfurt sichern

Wirtschaftsminister Tarek al Wazir hat eine modifizierte Gebührenordnung für den Frankfurter Flughafen bewilligt, welche den Wettbewerb stärken und Frankfurt mehr Passagiere verschaffen soll. Dabei sind besonders Europa-Flüge im Blick. Umweltaspekte wurden nur insofern berücksichtigt, dass es Anreize für modernere Maschinen geben wird , welche die neuesten Triebwerkmodelle besitzen und für satellitengestützte Anflugverfahren ausgerüstet sind. Von ihrem einstigen politischen Ziel, Anreize zum Umsteigen vom umweltschädlichen Flugzeug auf andere Verkehrsträger zu schaffen, haben sich die Grünen realpolitisch ein weiteres Stück verabschiedet.

Fraport äusserte sich sehr zufrieden mit der Genehmigung. In Wiesbaden wurde erklärt, die Streichung des expliziten Neukunden-Rabattes beruhe auf rechtlichen Gründen weil man mit Klagen wegen Ungleichbehandlung und Wettbewerbsverzerrung hätte rechnen müssen.

Tatsächlich bleibt die Intention der Fraport, die Neuansiedlung von Airlines zu fördern, auch in der neuen Entgeltkatalogsfassung enthalten. Einfach gesagt, sieht sie jetzt aber keinen Einstiegsrabatt, sondern einen Steigerungsrabatt bei der Passagierzahl vor. Eine Airline, die neu ab Frankfurt startet, beginnt bei null und erhält den Rabatt automatisch. Eine Airline wie die Lufthansa muss ihre Passagierzahl schon massiv erhöhen, um in den Genuss des Steigerungsrabattes zu kommen.

Gefördert werden mit solchen Tarifmodellen Yield-Management-Strategien, durch welche die Maschinen mit Tickets zu unterschiedlichen Preisen bis auf den letzten Platz vollgemacht werden. Dies hat zur Folge, dass teuer reist, wer auf Flexibilität angewiesen ist. Kundenfreundlich sind solche angebots- statt nachfrageorienierten Geschäftsmodelle nicht wirklich.
Mit Dumpingpreisen wird zudem Bedarf erzeugt, die es bei reellen Preisen nicht geben würde. Ausserdem zahlen reichere Kunden mit viel disponibler Zeit oft weniger als sie in der Lage wären und fliegen entsprechend mehr. In eine Gebührenordnung gehört ein Passus, der Vielflieger aus ökologischen Gründen bestraft und Wenigflieger belohnt. Wie so etwas sozial gerecht umzusetzen ist, bleibt eine Frage – aber ist denn das Abwälzen der Folgen des Klimawandels auf die Allgemeinheit sozial zu rechtfertigen ?


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