USA: Widerstand gegen die „schwarze Schlange“ und weissen Schnee

Seit dem Sommer existiert in North Dakota /USA ein grosses Widerstandscamp gegen den Bau der „Dakota acccess pipeline“ , mit der gefracktes Oel aus neu zu erschliessenden Quellen 1200 Kilometer weit nach Chicago transportiert werden soll. Die dort lebenden Sioux-Indianer befürchten, dass insbesondere der Missouri River verschmutzt werden könnte, sollte die schwarze Schlange zuschnappen, die Pipeline einmal brechen.

Das Camp, mit dem der Flussübergang besetzt gehalten wird, ist mehrere hundert Menschen stark und selbstverwaltet, es übt eine grosse Anziehungskraft auf die gesamte kritische Oeffentlichkeit und die Facebook-Gemeinde der USA aus. Besonders beachtet wird, dass US-Vetereranenverbände, radikale UmweltaktivistInnen und IndianerInnen dort eine Art identitären Zusammenschluss gefunden haben : Veteranen übernahmen strategische Blockade- und Polizeiaufgaben und beteiligten sich an religiösen indigenen Zeremonien. Politischer Minimalkonsens ist es, die Untertunnelung des Flusses für die Pipeline an dieser Stelle zu verhindern.

Nachdem sich das Camp über Monate auf eine drohende Räumung ausgerichtet hatte, ist diese nun bis Februar ausgesetzt. Das US Army Corps of Engineers hat,- wohl auf Druck der Oeffentlichkeit und mit Einverständnis der Obama-Administration-, zugesagt nochmals Streckenalternativen der Pipeline zu prüfen.
Obwohl der Chief des regionalen Sioux-Stammes, David Archambault II, die DemonstrantInnen aufforderte, die Aktion nun über den Winter auszusetzen, wollen viele AktivistInnen bleiben. Sie fürchten unter anderem, das die neue Trump-Administration die Zugeständnisse mit einem Federstrich rückgängig machen könnte.
Die Menschen, die dort ausharren, haben es allerdings mit extremen Umweltbedingungen zu tun: Kompostklos frieren ein und das offene Gelände in einer Talmulde ist Blizzards schutzlos ausgesetzt. In der zurückliegenden Woche wurde ein Zuzugsstopp beschlossen.

Spannend für Aussenstehende ist, ob es gelingt , einen Widerstand gegen das gross angelegte Fracking-Projekt an sich aufzubauen oder ob man sich mit einem kleinen Ziel, der Verlegung oder Ertüchtigung der Pipeline, zufrieden gibt. Diese befindet sich bereits auf weiten Strecken im Bau.
Kritische IndianerInnen befürchten, dass eine Beteiligung an dem Fracking-Boom den Zusammenhalt des Stammes und seine Lebensweise zerstören könnte: „It`s the greed of big oil“.

Das Milliardenprojekt Dakota access pipeline wird von einem Konsortium „energy transfer partner“ finanziert, dem neben Geldgebern aus dem Trump-Umfeld auch die Deutsche Bank angehört.

Die Blockadegruppe der Parkschützer in Stuttgart kommentierte: „Hätten die Indigenen in North Dakota nur jeden Montag demonstriert und auf zivilen Ungehorsam verzichtet, wäre der Baustopp mit Sicherheit nicht erreicht worden Die Bewegung gegen Stuttgart 21 kann viel von den Indigenen und den „Wasserschützern“ in den USA lernen“.

Aktuelle Infos über den Standing-Rock-Widerstand gibt es auf dessen Website.


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