„Aktiv, nicht passiv“: 200te Montagsdemo am Flughafen in Frankfurt

Fast 1500 Menschen kamen zur Jubiläumsdemo am 30. Januar, und damit gut 10 mal so viel wie an manchen schlechtbesuchten Montagen der vergangenen Monate. Damit ist es gelungen, viele Passive anlassbezogen wieder zu aktivieren. „Aktiv statt passiv“ könnte auch als Gesamtmotto der Demo gelten, auch wenn es von Landrat Will – neben dem NaturFreunde – Sprecher Uwe Hiksch Hauptredner der Veranstaltung- nur in dem Zusammenhang der Einforderung aktiven statt nur passiven Lärmschutzes gebraucht wurde.

Manche Beiträge gingen im Lärm der Trommeln und Tröten beinahe unter – ein altes Problem der nun über 5-jährigen Demo-Tradition im Terminal , seit mir der Inbetriebnahme der Nordwestbahn neue Einflugschneisen „gerissen“ wurden, wie eine Zeitung das damalige Ereignis kommentierte.

Welche Perspektiven die Demo-Bewegung hat -das Motto ist ja immerhin „gemeinsam zum Erfolg“– wurde an dem Jubiläumsmontag immer wieder mal in Ansätzen deutlich, ein Konzept, wie die Demos zu ihrer Bedeutung des ersten Jahres, als der Besuch immer vierstellig war , zurückfinden, wurde nicht deutlich.
Landrat Will brachte den Kampf gegen die Ansiedlung von Billigfliegern, der gegen die Intention des Planfeststellungsbeschlusses verstosse, ins Gespräch. Auch müsse offensiv gegen die Zahl der Lärmereignisse vorgegangen werden, anstatt diese durch Schallschutztechnologie weiter aufrechterhalten zu wollen.
Eine andere Strategie ist die Argumentation gegen Frankfurt als Hub, durch eine Konzentration auf die Flugbedürfnisse der Region anstatt auf die der Umsteiger könnten Flüge eingespart werden.
Anders die Argumentation von Uwe Hiksch, die weitgehend dem Programm der Partei der Linken entspricht: Durch eine Konzentration auf Lang- und Mittelstrecke könnten viele Kurzstreckenslots geschlossen werden, welche auf die „umweltfreundliche Bahn“ verlagert werden könnten.
Der Hauptredner Hiksch aus Berlin ist Bundesvorstandsmitglied der NaturFreunde und war fast der Einzige, der umwelt- und verkehrspolitisch mit einem globalen Ansatz referierte. Praktische politische Forderungen waren aber eher nicht zu hören, schon gar nicht unmittelbare Handlungsoptionen für die DemonstrantInnen – wie auch, wenn der Redner aus Berlin und nicht aus der heimischen BI kommt ?

Die Rede von Hiksch , die auch ordentlich Beifall bekam, zeigte aber , das eine Reduktion auf das Lärmthema nicht sinnvoll ist.

Das zeigen auf andere Weise auch die Grussworte etwa von Tarek al Wazir oder Uli Nissen, die sich als PartnerInnen und MitkämpferInnen in Fragen der Lärmreduzierung anbieten. Diese Unterstützung versprechen sie aber nur in dem Umfang, der den wirtschaftlichen Expansionsinteressen des Flughafens nicht widerspricht. Eine wirkliche Reduzierung der Zahl der Flugbewegungen und damit der Gesamtbelastung von regional bis global ist über das Thema Lärm allein (Betonung auf „allein“) nicht zu erreichen.

(Nach-)denkenswert ist etwa die Haltung von Frank Kaufmann, Aufsichtsratmitglied der Fraport und ehemaliger Flughafenkritiker, der in einem Grusswort für den grünen Landesverband schreibt, er fände den anhaltenden Protest „bemerkenswert“ und biete in „praktischen Fragen der Lärmreduzierung“ Unterstützung in einer „Allianz“ für Lärmschutz an.
Wie sah aber diese „Allianz“ in der Frage einer Verhinderung des Terminal 3 aus ? Dieses ist ja schon gebaut, wie Verkehrsminister Tarek-Al Wazir argumentiert:
Schliesslich habe ich den Flughafenausbau immer bekämpft – und dann nach erfolgtem Ausbau die politische Verantwortung ausgerechnet für den Luftverkehr übernommen.“

So einfach darf es sich Al-Wazir nicht machen und er darf mit so einer Argumentation nicht durchkommen. Es ist ein Fehler sich auf eine „Bewegung gegen den Fluglärm“(Janine Wissler) reduzieren zu lassen , anstatt sich als FlughafenausbaugegnerInnen zu verstehen.
Momentan liegt weiterhin der Schlüssel zur Reduzierung der Flugbewegungen in aktivem Engagement gegen den Bau eines Terminal 3 . Nur zu demonstrieren, um sich gegen eine ständig latente Aufweichung des „kleinen Nachtflugverbots“ zu stemmen reicht -auch zur Motivation- nicht aus.
Hier gilt: Lieber für eine menschen- und umweltgerechte Zukunft aktiv werden anstatt passiv erleiden.


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