Harte Zeiten für Anti-Fracking-Protest in den USA

Zu den ersten Amtshandlungen des US-Präsidenten Trump gehörte es, die gegen die Pipeline-Neubauten im Norden der USA von seinem Amtsvorgänger erlassenen Dekrete aufzuheben. Es handelt sich um die Northern Dakota Access- und um die Keystone-Pipeline.
Davon betroffen ist auch das Projekt Missouri-Uebergang in Nord Dakota, wo sich seit letztem Jahr eine Platzbesetzung befindet. Diese kämpft aber auch gegen Widrigkeiten im eigenen Lager….

Das typische Bild einer Räumung: Bulldozer schieben auf dem Areal des Standing Rock-Protestcamps Berge von Zelten, Schlafsäcken und Holzverschlägen zusammen. Eine Räumung, die eigentlich keine ist, denn eigentlich ist es eine Aufräumaktion, die aber unter schlechten Vorzeichen steht.

„Viele der Sachen, die hier auf dem Müll landen, sind neuwertig und könnten weiterverwendet werden, wenn sie sortiert und gewaschen würden“ kommentiert eine Facebook-Nutzerin die Bilder der Aufräumaktion. Ein anderer Facebook-Follower entgegnet: „Die Bilder sind ganz schlecht für uns, sie zeigen dass wir selbst richtige Umweltverschmutzer sind und die Wasserqualität gefährden, wo wir doch eigentlich das Gegenteil propagieren.“
Und: „Das Problem hätten wir nicht, wenn jede/r alles was sie/er mitbringt, auch wieder mitnimmt.“

Dafür muss mensch aber die Hintergründe kennen: Das Camp auf altem Indianerland am Missouri, welches jetzt dem US Army Corps of Engineeers gehört und den Bau eines Pipeline-Flussübergangs blockiert, erlebte letzten Herbst einen grossen Hype und wuchs kurzzeitig auf 10000 Menschen an. Der Protest bewirkte einen Baustopp. Die Stammesführung forderte die BesetzerInnen auf, für die Zeit des Moratoriums das Camp auszusetzen.
Etwa zur gleichen Zeit erfasste ein früher Blizzard das Gebiet und zerstörte zahlreiche Einrichtungen des Camps oder begrub sie unter Schnee.

Mehrere Hundert Menschen sind geblieben und sehen sich in ihrer Entscheidung bestätigt: „Hier hilft nur Widerstand vor Ort, es reicht nicht, sich auf die Gerichte zu verlassen, wir müssen den politischen Druck aufrechterhalten, erst recht unter Trump“ „Und wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir uns gegen die Pipelines und die Oelgewinnung in ihrer Gänze einsetzen, nicht nur hier am Fluss“.

Präsident Trump hat in einem Memorandum das US Army Corps of Engineers aufgefordert, den unter Obama eingeleiteten EIS (Environmental Impact Statement)-Prozess – das ist eine Art Umweltverträglichkeitsprüfung mit Alternativensuche und öffentlicher Anhörung- abzukürzen, um einen zeitnahen Baubeginn zu erreichen. Das Verfahren dauert normalerweise mindestens ein halbes Jahr, meistens länger.

Der protestführende Sioux-Indianerstamm wird gegen jede Einschränkung des EIS-Verfahrens gerichtlich vorgehen. Da ist das „illegale“ Protestcamp eine potentielle Belastung. Es soll eventuell auf ein vom Stamm angemietetes , hochwassersicheres Privatgelände umziehen.
Für Mitte März ist eine Protest-Ralley mit Marsch zum Regierungsviertel in Washington geplant.

Das ist einigen Aktiven aber zu wenig, sie fürchten dass das Thema in Washington unter den neu aufgeflammten sozialen und politischen Konflikten untergeht:
„Im letzten Herbst waren wir 10000, hatten nationenweite Beachtung und 4000 Veteran/inn/en , die bereit waren ,hier zu kämpfen. Und jetzt lassen wir das US Army Corps of Engineers für Sicherungsarbeiten auf das Gelände.“


2 Antworten auf “Harte Zeiten für Anti-Fracking-Protest in den USA”


  1. 1 vega -lounge 13. Februar 2017 um 13:14 Uhr

    In der US- Regierung sitzen jetzt als Aussenminister ein Ex-Oelboss und als Energieminister ein Tea-Party-Mitglied, der Ex-Gouverneur Rick Perry. Für ihn hat nicht die Verhinderung, sondern die Durchführung der Energiewende „verheerende“ Auswirkungen“ – nämlich für die heimische Oelindustrie.
    Inzwischen wächst das Protestcamp wieder, einige hundert Kriegsveteranen haben erklärt, sich an gewaltfreien Aktionen, einem „Last Stand“ am womöglich kutz bevorstehenden „Tag X“ zu beteiligen.

  2. 2 vega -lounge 15. März 2017 um 23:39 Uhr

    Die zentrale Demo zum Schutz indigener Rechte ist tatsächlich in Washington „gelaufen“, aber unter extrem widrigen Witterungsbedingungen. Es kamen immerhin 5000 Leute.

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