Fraport gehört jetzt zu den hundert nachhaltigsten Unternehmen der Welt. Wirklich ?

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos werden jedes Jahr von dem kanadischen Analyse- und Medienunternehmen „Corporate knights“ die hundert nachhaltigsten Unternehmen der Welt (Global 100 index) gekürt. Erstmals schaffte es Fraport als 96. knapp in die erlauchte Spitzengruppe. Fraport-Boss Schulte erklärte zu diesem Ritterschlag denn auch prompt in einer Pressemitteilung, Fraport gehöre nun zu den am nachhaltigsten aufgestellten Unternehmen der Welt und sein umweltpolitisches Engagement sei damit honoriert worden (und so weiter). AusbaugegnerInnen schüttelten darob ungläubig die Köpfe.

Was sind die hundert am nachhaltigsten wirtschaftenden Unternehmen der Welt ? Eigentlich leicht zu beantworten. Das werden wohl alles Bauernhöfe sein, möglichst ohne Postadresse. Postzustellung beeinträchtigt ja bereits die Nachhaltigkeit. Es dürften Subsistenzwirtschaften sein, die seit Jahrtausenden in Kreislaufwirtschaft betrieben werden. Die Kuh steht im Stall neben dem Schlafzimmer und heizt es mit, ihr wertvoller Dung kommt auf den Acker, sie zieht den Pflug mir dem das Feld bestellt wird und der Ochse (allein gehts dauerhaft ja nicht) zieht den Wagen mit den Endprodukten, wenn diese gegen nicht selbst zu erzeugende Waren und Dienstleistungen eingetauscht werden.

Natürlich schafft es so ein Bauernhof nicht in den „Global 100 most sustainable corporations of the world“-Index. Und bestimmt wäre auch die Firma „Corporate knights“ im Ranking viele Plätze vor einem Unternehmen wie Fraport, denn ist es nicht besonders nachhaltig, Nachhaltigkeit und damit den Schutz der Welt zu einem Geschäftsmodell zu machen ?

Damit nähern wir uns auch schon dem Kern des Problems. Corporate Knights nennt sich selber „Das Unternehmen für den sauberen Kapitalismus“ und setzt Kriterien, die zu seinem Geschäftsmodell passen und dessen Unternehmensziel dienlich sind.

Da ist es erstmal sinnvoll, nur Unternehmen in den Auswahlindex einzubeziehen die einen gewissen Mindestumsatz und Wert an der Börse haben, so zwei Milliarden Euro etwa. Das macht weniger Arbeit -es bleiben in der Auswahl vielleicht 5000 Unternehmen über- und ist insofern effizient, als dass ja eine Aufnahme in den Index den Börsenwert steigert und den Index damit wichtiger macht. In die Verlegenheit, sich über den eigenen Index selbst bewerten zu müssen, kommen sie dann auch nicht.

Schall und Rauch ist der Index aber auch nicht, und Fraport kann sich schon etwas darauf einbilden. Vor ihr stehen an deutschen Unternehmen nur Daimler-Benz (74), Adidas (49) , BMW(16), Henkel (nach Sturz nur noch15.) und Krösus Siemens (1.Platz).

Die Unternehmen müssen erst einmal Vorkriterien erfühlen, um in die oberen 5000 aufzurücken. Dazu gehört

-dier Bereitschaft, Nachhaltigkeit selbst zu bemessen und zu dokumentieren (eigenes Nachhaltigkeitsmanagement)

- wirtschaftliche Stabilität (keone Ueberschuldung)

-kein ethisch bedenkliches Geschäftmodell (wie Rüstungs- und Tabakfirmen)

-gar keine bis vernachlässigbare Ausgaben für Gerichtsverfahren (schlecht für VW und deutsc he Bank…..)

- eine Mindest-Nachhaltigkeit in der Produktpalette

Dann gibt es 12 Schlüsselindikatoren, die an die jeweilige Branche angepasst werden. Die Indikatoren werden also nur innerhalb der Kategorien verglichen und sind damit in ihrer Aussage relativ.

Das sind neben sozialen und betriebswirtschaftlichen Kriterien (dazu gehört etwa das Verhältnis von Chef- und Durchschnittsgehältern)
im Umweltbereich u.a.

-Verhältnis von Umsatz und Energieverbrauch

-CO.2-Intensität

-Müllmanagement

Hier wird schon deutlich, das Fraport etwa mit seinen Effizienzbemühungen im Gebäude- und Servicemanagement ordentlich Punkte machen kann. Oder wenn der Schlepper, der den A 380 auf die Startbahn zieht, Elektroantrieb hat.
Dass sie den Fluggesellschaften, die wahre CO.2-Schleudern sind, im wahrsten Sinne den Boden bereitet fliesst hier nicht ein. Bei Stiftung Warentest müsste das heissen. „Kriterium führt zur Gesamtabwertung“.

So schreibt denn auch der Wirtschaftsethiker Chris Mac Donald über den „Global 100 Index“:

„Ein Nachhaltigkeitsranking, das nur teilweise auf Umweltkriterien beruht, versagt in seiner eigentlichen Funktion“

Interessant wird sein, ob Fraport nächstes Jahr aufsteigt,seinen Platz hält oder wieder rausfliegt. Nun, aufsteigen könnte sie auch, wenn die anderen mit noch höherer Geschwindigkeit noch mieser werden.. So ist das bei relativen Massstäben….

Vielleicht können wir ja ein wenig beim Entlarven von Pseudo-Nachhaltigkeit mithelfen, indem wir die wachsende Gefahr durch Klimaveränderung, das Erzeugen von Nachfrage durch Billigfliegerei, die Kapazitätsausweitung und den Flächenverlust durch ein Terminal 3 oder die Kosten der Verlärmung stärker thematisieren. Wenn dies nicht in den Index einfliesst, ist er eh keinen Pfifferling wert. Wenn er richtig gut wäre, müsste Fraport schon bei den Vorkriterien rausfliegen.
Was für Fraport nachhaltig ist, ist es für uns noch lange nicht.


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