Kassel-Calden trotzt Airfolglosigkeit

Im Keller des Schreiberlings dieser Zeilen liegt noch ein altes Transparent aus den Zeiten des Baubeginns Ende 2009: „Kassel-Calden braucht kein Mensch“. Nach mehr als vier Jahren Betrieb möchte die Landesregierung im Herbst prüfen, ob das stimmt. Wenn ja, dann würde Calden vom Flughafen zum Verkehrslandeplatz abgestuft. Vorher,im Sommer, wird es als „Last Call“ noch einmal ein neues Warmwasserflugziel geben.

Nein, für eine Bauchlandung von Calden wäre die Landesregierung nicht verantwortlich, meint Hessens Finanzminister Schäfer. Das wären die BürgerInnen von Nordhessen selbst, wenn sie den Flughafen nicht benützten. „Buchen, Buchen, Buchen“ meint er deshalb. Gemeint sind natürlich nicht die Rotbuchen, die zur Verlegung der B 7 gefällt werden mussten. Vielmehr macht er Werbung für das Sommer-Geschäftsangebot des Pauschaltouristikanbieters Schauinsland-Reisen, das jetzt bereits buchbar ist.

Von Juli bis Ende Oktober möchte Schauinslandreisen einen A 321 der neuen Fluggesellschaft „Sundair“, die ihr hälftig gehört, in Calden stationieren und täglich Warmwasserziele rund um das Mittelmeer anfliegen. Damit sich das lohnt, werden 60.000 Fluggäste benötigt, um die Minister Schäfer wirbt. Für Selbstläufer Ryanair in Frankfurt erübrigt sich ja solche ministerielle Werbung.

Der Boss der hessischen Finanzen hat bereits bei der Erstankündigung der Flüge im November erklärt und gedroht: „Sollte es mit diesem Angebot nicht gelingen, einen touristischen Verkehr am Flughafen zu etablieren, ist eine Rückstufung zum Verkehrslandeplatz die logische Folge“

Ungünstig für den Flughafen sind personelle Turbulenzen. Vor zwei Jahren hatte man die damalige Geschäftsführerin wegen Airfolglosigkeit (zu nett und zu wenig durchsetzungsfähig) abberufen. Statt dessen kam von Fraport der Manager Ralf Schustereder, welcher 2011-13 Geschäftsführer des internationalen Flughafens Kairo gewesen war, mit dem Fraport über einen Management-Vertrag verbunden war
Leider war Schustereder nicht nur in der wirtschaftlichen Aquise für den Kasseler Airport erfolgreich, sondern mischte diese auch mit deutsch-agyptischen Geschäften auf eigene Rechnung. Dadurch erpressbar, fing er sich durch übervorteilte Geschäftspartner staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Untreue und Begünstigung ein. So muss er dieses Frühjahr das Unternehmen „auf eigenen Wunsch“ verlassen. Für ihn rückt der bisherige Prokurist Lars Ernst nach.

Was wird nun aus Kassel-Calden? Ein dreimonatiger Saisonverkehr ist -neben dem immerhin leicht wachsenden Frachtgeschäft- keine dauerhafte Wirtschaftsgrundlage. Der Landesregierung graut es , in der Standortfrage eines „nationalen Abschiebezentrums“ in die engere Wahl zu kommen, welches durch die politische Entwicklung der letzten Monate denkbare Formen angenommen hat. Dann lieber doch irgendwelche Malle-Touries und Spielzeuge nordhessische Provinzhäuptlinge mit Staatsgeldern subventionieren….


1 Antwort auf “Kassel-Calden trotzt Airfolglosigkeit”


  1. 1 vega -lounge 21. Februar 2017 um 17:00 Uhr

    Sowohl Kassel-Calden als auch Frankfurt-Hahn liegen relativ abgelegen und haben dadurch gegenüber dem leicht erreichbaren Frankfurt einen Wettbewerbsnachteil. Der wurde bisher mit hohen Landeszuschüssen kompensiert, so dass sich die Billigflieger kaum an den Bodenkosten beteiligen mussten. Offenbar möchte man sich das künftig sparen, denn Parallelverkehre im 200 km-Radius machen keinen Sinn.
    Tendenziell bedeutet die neue Rabatt-Rabelle das „Aus“ für Kassel und besonders für den Hahn. In Frankfurt wird ein kompletter Billigflugteil des Airports entstehen, das Terminal 3, verbunden mit den Kapazitätsreserven des Vierbahnsaytems.

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